Logistik lexikon

EPC: Electronic Product Code und RFID-Tags

EPC (Electronic Product Code): Aufbau mit SGTIN-96 und SSCC-96, Speicherung auf UHF-RFID-Tags nach EPC Gen2 und Einsatz in Lager und Transport.

Der EPC (Electronic Product Code) ist ein von GS1 standardisierter Code, der einzelne physische Objekte weltweit eindeutig kennzeichnet. Er wird auf RFID-Transpondern, etwa UHF-Transpondern, gespeichert und baut auf GS1-Schlüsseln wie GTIN und NVE auf, bei Artikeln ergänzt um eine Seriennummer für jedes einzelne Stück.

Was ist der EPC?

Der EPC (Electronic Product Code) ist ein Nummernschema, mit dem sich einzelne Objekte eindeutig identifizieren lassen: ein Artikel, ein Karton, eine Palette, ein Mehrweg-Ladungsträger oder ein Standort. Entwickelt wurde er am Auto-ID Center des Massachusetts Institute of Technology (MIT), heute verantwortet ihn GS1. Wie ein EPC aufgebaut und auf einem Transponder kodiert wird, regelt der GS1 EPC Tag Data Standard.

Wichtig ist die Abgrenzung zu drei Begriffen. Die GTIN bezeichnet einen Artikeltyp, der EPC in Form der SGTIN dagegen das einzelne Stück. RFID ist die Funktechnik, der EPC die Nummer, die per RFID übertragen wird. Ein Barcode kann ebenfalls Seriennummern tragen, muss aber einzeln und mit Sichtkontakt gelesen werden. Einen Überblick über die Verfahren gibt der Eintrag Identifizierungssysteme.

Wie ist ein EPC aufgebaut?

Ein EPC beginnt mit einem Header, der das Kodierungsschema angibt. Danach folgen je nach Schema weitere Felder, bei der SGTIN zum Beispiel ein Filterwert, eine Partitionsangabe, die GS1-Basisnummer des Unternehmens, die Artikelreferenz und die Seriennummer. Die Zahl im Namen eines Schemas nennt die Länge in Bit. Wichtige Schemata sind:

  • SGTIN-96: serialisierte GTIN, also GTIN plus Seriennummer, für einzelne Artikel
  • SSCC-96: die NVE (SSCC) einer Palette oder Versandeinheit
  • SGLN: Standorte auf Basis der GLN, etwa ein Tor oder eine Lagerzone
  • GRAI: Mehrweg-Ladungsträger wie Boxen oder Paletten im Pool
  • GIAI: Anlagegüter wie Geräte oder Werkzeuge

Neben der binären Form auf dem Chip gibt es eine lesbare URI-Schreibweise, die mit urn:epc:id beginnt. Sie wird in Softwaresystemen und Ereignisdaten verwendet.

Wie wird der EPC per RFID gelesen?

Gespeichert wird der EPC auf RFID-Transpondern, etwa auf passiven UHF-Transpondern. Die Kommunikation zwischen Lesegerät und Transponder regelt der Standard EPC Class 1 Gen 2, kurz EPC Gen2, der auch als ISO/IEC 18000-63 genormt ist. In Europa arbeitet UHF-RFID im Bereich um 865 bis 868 MHz. Der Chip hat mehrere Speicherbereiche, darunter einen für den EPC und einen für die herstellerseitige Chipkennung (TID).

Ein Lesegerät erfasst die Transponder ohne Sichtkontakt und kann viele Transponder nacheinander in kurzer Zeit lesen, etwa wenn eine Palette durch ein RFID-Gate fährt. Diese Pulkerfassung ist der wichtigste Unterschied zum Barcode. Metall und Flüssigkeiten können die Funkübertragung allerdings stören, deshalb müssen Transponder, Antennen und Anbringung auf die Ware abgestimmt sein.

Wo wird der EPC in der Logistik eingesetzt?

  • Handel und Textil: Kennzeichnung einzelner Artikel für Inventur und Warenverfolgung
  • Wareneingang: RFID-Gates erfassen Paletten und Kartons beim Durchfahren und gleichen sie mit dem Lieferavis ab
  • Ladungsträgermanagement: Mehrwegbehälter mit GRAI lassen sich über Kreisläufe hinweg verfolgen
  • Rückverfolgung: Ereignisse wie Versand, Empfang oder Umschlag werden im Standard EPCIS festgehalten

EPCIS (EPC Information Services) ist ein GS1-Standard für den Austausch von Ereignisdaten. Er beschreibt, welches Objekt wann, wo und in welchem Prozessschritt erfasst wurde, und ergänzt damit die reine Identifikation durch den EPC.

Welche Bedeutung hat der EPC für Speditionen?

In Stückgut- und Sammelgutnetzen steht die NVE als Barcode auf dem Etikett. RFID mit EPC kommt dort zum Einsatz, wo Verlader oder Empfänger es vorgeben, etwa bei Mehrweg-Ladungsträgern oder in Lagern mit RFID-Gates. Für die Sendungsverfolgung zählt dann, dass die gelesene SSCC zur NVE in den Auftragsdaten passt. Die Scanereignisse fließen wie Barcode-Scans in das Tracking und Tracing ein.

Häufige Fragen

Was bedeutet EPC bei RFID?

EPC steht für Electronic Product Code. Gemeint ist die eindeutige Nummer, die auf einem RFID-Transponder gespeichert ist und das gekennzeichnete Objekt identifiziert. RFID ist die Funktechnik, mit der diese Nummer ausgelesen wird.

Was ist der Unterschied zwischen EPC und GTIN?

Die GTIN kennzeichnet einen Artikeltyp, alle gleichen Artikel tragen dieselbe GTIN. Der EPC im Schema SGTIN ergänzt die GTIN um eine Seriennummer und unterscheidet so jedes einzelne Stück. Die GTIN wird im Barcode dargestellt, der EPC auf dem RFID-Chip gespeichert.

Kann ein Unternehmen EPCs selbst vergeben?

Für die GS1-Schemata wie SGTIN oder SSCC braucht das Unternehmen eine GS1-Basisnummer. Daraus bildet es die Nummern selbst und vergibt die Seriennummern in eigener Verantwortung. Wichtig ist, dass jede Kombination nur einmal vorkommt.

Wie viele Bit hat ein EPC?

Es gibt 96-Bit-Kodierungen wie SGTIN-96 und SSCC-96. Der Tag Data Standard kennt auch längere Formate, etwa SGTIN-198 für alphanumerische Seriennummern. Die Zahl im Namen des Schemas gibt jeweils die Bitlänge an.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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