Logistik lexikon

Geteilte Zustellung: Teillieferung und Split Delivery

Geteilte Zustellung (Split Delivery): Gründe für Teillieferungen, Abrechnung der Teilsendungen, Abliefernachweis je Teil und Abgrenzung zur Nachlieferung.

Eine geteilte Zustellung ist die Auslieferung eines Auftrags in mehreren Teilsendungen statt in einer einzigen Sendung. Die Teile erreichen den Empfänger zu unterschiedlichen Zeitpunkten, von verschiedenen Standorten oder mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Gebräuchlich sind auch die Begriffe Teillieferung, Split Delivery und Split Shipment.

Was ist eine geteilte Zustellung?

Bei einer geteilten Zustellung wird ein Auftrag, der eigentlich als eine Sendung gedacht war, in zwei oder mehr Teilsendungen aufgeteilt. Jede Teilsendung wird für sich abgeholt, befördert und zugestellt. Im Handel spricht man auch von Teillieferung, im englischen Sprachgebrauch von Split Delivery oder Split Shipment.

Wichtig sind die Abgrenzungen zu ähnlichen Begriffen:

  • Nachlieferung: Eine Nachlieferung ergänzt eine Lieferung, die unvollständig angekommen ist. Die geteilte Zustellung ist dagegen von vornherein so vorgesehen oder wird vor dem Versand entschieden.
  • Teilladung: Die Teilladung beschreibt, wie viel Laderaum eine Sendung belegt. Sie sagt nichts darüber, ob ein Auftrag aufgeteilt wurde.
  • Teilmenge im Abruf: Bei Rahmenaufträgen mit Abrufen liefert der Versender vereinbarte Teilmengen nach Bedarf. Das ist ein geplantes Liefermodell und keine Aufteilung einer einzelnen Sendung.

Warum wird eine Sendung geteilt?

  • Teilverfügbarkeit: Ein Teil der Ware ist versandbereit, der Rest folgt später.
  • Verschiedene Standorte: Die Artikel liegen in unterschiedlichen Lagern und werden jeweils von dort versandt.
  • Menge und Laderaum: Die Ware passt nicht auf ein Fahrzeug oder überschreitet das zulässige Gewicht.
  • Unterschiedliche Anforderungen: Gefahrgut, Kühlware, Pakete und Palettenware laufen über verschiedene Netze oder Fahrzeuge.
  • Wunsch des Empfängers: Eine Baustelle möchte Material nach Bauabschnitten erhalten, oder die Rampe kann nur eine bestimmte Menge pro Zeitfenster annehmen.

Wie läuft eine geteilte Zustellung in der Spedition ab?

Für die Spedition ist jede Teilsendung eine eigene Sendung. Sie erhält eine eigene Sendungsnummer, eigene Packstückkennzeichnungen wie die NVE und eigene Papiere. Damit der Bezug zum ursprünglichen Auftrag erhalten bleibt, tragen alle Teile dieselbe Kundenreferenz, etwa mit einem Zusatz wie „Teil 1 von 2“. Für jede Teilsendung wird ein eigenes Avis an den Empfänger geschickt.

Fehler können schon bei der Auftragserfassung entstehen. Steht der Hinweis auf die Teilung nur im Freitext einer E-Mail, wird der Auftrag leicht als eine Sendung angelegt. Im TMS sollten die Teilsendungen deshalb als getrennte Sendungen mit gemeinsamer Referenz erfasst werden.

GM-DocuStream liest Aufträge aus PDF-Anhängen, Excel-Listen und dem Freitext von E-Mails und gleicht die Adressen mit den Stammdaten des TMS ab. Der Disponent prüft jeden Auftrag und gibt ihn frei, bevor er an das TMS übergeben wird.

Wie wird eine geteilte Zustellung abgerechnet?

Wird jede Teilsendung als eigene Sendung abgerechnet, gelten Mindestgewichte und Mindestfrachten je Teilsendung. Details dazu stehen unter Mindestgewicht. Abweichende Regelungen, etwa eine gemeinsame Berechnung aller Teile, müssen mit dem Auftraggeber vereinbart sein.

Wer die Mehrkosten trägt, ist eine Frage des Kaufvertrags zwischen Verkäufer und Käufer. Nach § 266 BGB ist der Schuldner zu Teilleistungen nicht berechtigt. Teillieferungen setzen daher eine Vereinbarung oder die Zustimmung des Käufers voraus.

Welcher Abliefernachweis gilt bei einer geteilten Zustellung?

Jede Teilsendung braucht einen eigenen Abliefernachweis (POD). Der Empfänger quittiert nur die Packstücke, die er tatsächlich erhalten hat. Ein Vermerk wie „Teillieferung, Rest folgt“ verhindert, dass später Unklarheit über offene Mengen entsteht.

Auch Schäden und Verluste werden je Teilsendung angezeigt. Nach § 438 HGB müssen äußerlich erkennbare Schäden spätestens bei der Ablieferung angezeigt werden, äußerlich nicht erkennbare innerhalb von sieben Tagen. Fehlt die Anzeige, wird vermutet, dass das Gut vollständig und unbeschädigt abgeliefert wurde.

Beispiel für eine geteilte Zustellung

Ein Maschinenbauer bestellt bei einem Händler Ersatzteile und Paletten mit Verbrauchsmaterial. Die Verbrauchsmaterialien sind sofort lieferbar, ein Ersatzteil kommt erst eine Woche später vom Hersteller. Der Käufer stimmt der Teillieferung zu. Der Händler beauftragt seine Spedition mit zwei Sendungen unter derselben Bestellnummer. Die Spedition stellt beide Teile getrennt zu, avisiert jeden Teil und legt dem Händler zwei Abliefernachweise vor.

Rechtsgrundlagen

  • § 438 HGB: Schadensanzeige bei Verlust, Beschädigung und Lieferfristüberschreitung
  • § 266 BGB: Teilleistungen

Häufige Fragen

Was bedeutet Split Delivery?

Split Delivery ist der englische Begriff für eine geteilte Zustellung oder Teillieferung. Ein Auftrag wird dabei in mehreren Teilsendungen ausgeliefert, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder von verschiedenen Standorten beim Empfänger ankommen.

Muss der Käufer eine Teillieferung annehmen?

Nach § 266 BGB ist der Schuldner zu Teilleistungen nicht berechtigt. Ohne Vereinbarung oder Zustimmung muss der Käufer eine Teillieferung daher grundsätzlich nicht akzeptieren.

Wer zahlt die Versandkosten bei einer Teillieferung?

Das richtet sich nach dem Kaufvertrag. Maßgeblich ist, was Verkäufer und Käufer zu Versandkosten und Teillieferungen vereinbart haben.

Wie unterscheiden sich Teillieferung und Nachlieferung?

Eine Teillieferung ist eine geplante Aufteilung des Auftrags vor dem Versand. Eine Nachlieferung schließt eine Lücke, nachdem eine Lieferung unvollständig angekommen ist, etwa wegen Fehlmengen oder Verwechslungen.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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