Logistik lexikon

Nachlieferung: Ursachen, Ablauf und Kosten

Nachlieferung in der Logistik: Ursachen wie Fehlmengen und Transportschäden, Ablauf von der Reklamation bis zur Zustellung und wer die Kosten trägt.

Eine Nachlieferung ist die nachträgliche Lieferung von Ware, die in einer Sendung gefehlt hat, beschädigt war oder falsch geliefert wurde. Sie kann geplant sein, wenn ein Auftrag bewusst aufgeteilt wird, oder Folge eines Fehlers. Für den Transport entsteht ein eigener Auftrag mit Bezug zur ursprünglichen Lieferung.

Was ist eine Nachlieferung?

Eine Nachlieferung schließt eine Lücke zwischen bestellter und gelieferter Ware. Sie folgt der ursprünglichen Sendung zeitlich nach und bezieht sich auf denselben Kundenauftrag. In Lieferscheinen und Warenwirtschaftssystemen kann sie daher mit der ursprünglichen Auftrags- oder Lieferscheinnummer verknüpft werden. Bestätigte Positionen, die mangels Bestand erst später geliefert werden können, heißen auch Rückstand oder Backorder.

Von ähnlichen Begriffen ist die Nachlieferung so abzugrenzen:

  • Teillieferung: Ein Auftrag wird von vornherein in mehrere Lieferungen aufgeteilt. Nach § 266 BGB ist der Schuldner zu Teilleistungen nicht berechtigt, sie müssen also vereinbart oder vom Kunden akzeptiert sein. Mehr dazu unter geteilte Zustellung.
  • Ersatzlieferung: Mangelhafte Ware wird gegen einwandfreie getauscht. Im Kaufrecht ist sie eine Form der Nacherfüllung nach § 439 BGB.
  • Retoure: Ware geht vom Empfänger zurück an den Versender. Eine Retoure kann einer Ersatzlieferung vorausgehen.

Welche Ursachen hat eine Nachlieferung?

  • Fehlbestand: Ein Artikel ist bei der Kommissionierung nicht verfügbar, obwohl der Auftrag bestätigt wurde. Siehe Fehlmenge.
  • Fehler in der Kommissionierung: Falsche Menge, falscher Artikel oder eine vergessene Position.
  • Transportschaden oder Verlust: Ware wird unterwegs beschädigt oder ein Packstück geht verloren.
  • Fehlerhafte Auftragsdaten: Ein Zahlendreher in Menge oder Artikelnummer bei der Auftragserfassung setzt sich durch alle folgenden Schritte fort.
  • Bewusste Aufteilung: Verfügbare Ware wird sofort geliefert, der Rest folgt.

Wie läuft eine Nachlieferung ab?

  1. Abweichung feststellen: Der Empfänger prüft die Ware bei Anlieferung und vermerkt Fehlmengen oder Schäden auf dem Abliefernachweis.
  2. Melden: Beim Handelskauf muss der Käufer die Ware nach § 377 HGB unverzüglich untersuchen und Mängel unverzüglich rügen. Verlust oder Beschädigung muss er nach § 438 HGB gegenüber dem Frachtführer anzeigen.
  3. Ursache klären: Versender, Lager und Spedition prüfen, ob ein Bestands-, Kommissionier- oder Transportfehler vorliegt.
  4. Neuen Auftrag anlegen: Für die Nachlieferung entsteht ein eigener Transportauftrag mit Verweis auf die ursprüngliche Sendung.
  5. Versenden und informieren: Die Ware wird kommissioniert, versendet und dem Empfänger per Avis angekündigt.

Wer trägt die Kosten einer Nachlieferung?

Das hängt von der Ursache ab. Liegt ein Mangel der Kaufsache vor, wozu auch eine Falschlieferung zählt, trägt der Verkäufer nach § 439 Abs. 2 BGB die für die Nacherfüllung erforderlichen Aufwendungen, insbesondere Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten. Bei einem Schaden oder Verlust während der Beförderung haftet der Frachtführer nach § 425 HGB für die Zeit zwischen Übernahme und Ablieferung, allerdings der Höhe nach begrenzt. Wurde eine Teillieferung vereinbart, regelt der Vertrag, wer die zusätzlichen Frachtkosten zahlt.

Was bedeutet eine Nachlieferung für Spedition und Disposition?

Für die Spedition ist eine Nachlieferung ein neuer Auftrag, der kurzfristig eingehen und eilig sein kann. Kleine Mengen können als Stückgut oder per Express laufen. Wichtig ist eine eindeutige Referenz auf die ursprüngliche Sendung, damit Empfänger, Abrechnung und gegebenenfalls die Schadensbearbeitung die Vorgänge zuordnen können.

Ein Beispiel: Ein Großhändler liefert Fliesen an eine Baustelle, eine Palette fehlt. Der Bauleiter vermerkt die Fehlmenge auf dem Lieferschein. Der Großhändler stellt fest, dass die Palette im Lager stehen geblieben ist, und schickt der Spedition per E-Mail einen neuen Auftrag mit Hinweis auf die erste Lieferung und einem festen Liefertermin.

Solche Nachlieferungsaufträge kommen häufig als E-Mail oder PDF. GM-DocuStream liest Aufträge aus PDF-Anhängen, Excel-Listen und E-Mail-Texten und gleicht Adressen mit den Stammdaten des TMS ab. Der Disponent prüft und gibt jeden Auftrag frei, bevor er an das TMS übergeben wird.

Rechtsgrundlagen

  • § 266 BGB: Teilleistungen
  • § 439 BGB: Nacherfüllung und Kostentragung
  • § 377 HGB: Untersuchungs- und Rügepflicht beim Handelskauf
  • § 425 HGB: Haftung des Frachtführers für Güter- und Verspätungsschäden
  • § 438 HGB: Schadensanzeige gegenüber dem Frachtführer

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Nachlieferung?

Das hängt davon ab, ob die Ware vorrätig ist und welche Versandart gewählt wird. Ist die Ware am Lager, kann sie wie eine normale Sendung oder per Express verschickt werden. Muss sie erst beschafft oder produziert werden, dauert es entsprechend länger.

Wie schnell muss eine Fehlmenge gemeldet werden?

Beim Handelskauf verlangt § 377 HGB eine unverzügliche Rüge gegenüber dem Verkäufer. Gegenüber dem Frachtführer muss ein äußerlich erkennbarer Verlust oder Schaden nach § 438 HGB spätestens bei der Ablieferung angezeigt werden, ein nicht erkennbarer innerhalb von sieben Tagen.

Was bedeutet Backorder?

Backorder, auf Deutsch Rückstand, ist eine bestätigte Auftragsposition, die mangels Bestand nicht mit der ersten Sendung geliefert werden kann. Sie wird nachgeliefert, sobald die Ware verfügbar ist.

Was ist der Unterschied zwischen Nachlieferung und Ersatzlieferung?

Eine Nachlieferung ergänzt fehlende Ware. Eine Ersatzlieferung ersetzt Ware, die zwar geliefert wurde, aber mangelhaft oder beschädigt ist.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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