Logistik lexikon

Kommissionierung: Methoden, Verfahren und Fehler

Kommissionierung im Lager: Mann-zur-Ware und Ware-zum-Mann, ein- und zweistufiges Kommissionieren, Pick-by-Scanner, Voice, Light und typische Fehler.

Kommissionierung ist das Zusammenstellen von Teilmengen aus einem Sortiment auf Grundlage von Aufträgen. Ein Kommissionierer oder eine automatische Anlage entnimmt Artikel von ihren Lagerplätzen und stellt sie zu einer Einheit für Versand oder Produktion zusammen. Die eingesetzten Kommissioniersysteme verbinden Lagertechnik, Organisation und Informationsfluss.

Was ist Kommissionierung?

Kommissionierung (englisch Order Picking) ist das Zusammenstellen bestimmter Artikel in bestimmter Menge aus einem bereitgestellten Gesamtsortiment. Auslöser ist ein Kundenauftrag oder ein interner Bedarf, etwa aus der Produktion. Das Ergebnis heißt Kommission: die für einen Auftrag zusammengestellte Ware. Die Kommissionierung ist ein Kernprozess der Lagerlogistik und liegt zwischen Einlagerung und Versand. Abzugrenzen ist sie von Pick and Pack, bei dem Entnahme und Verpackung in einem Arbeitsgang zusammenfallen.

Die Begriffe Kommissioniertechnik und Kommissioniersysteme bezeichnen die Mittel, mit denen kommissioniert wird. Dazu gehören Regale und Fördertechnik, Geräte für die Informationsübermittlung wie Scanner oder Headsets sowie die organisatorischen Regeln, nach denen Aufträge gebündelt und Wege geplant werden. Mit Kommissioniersystemen befasst sich die Richtlinienreihe VDI 3590.

Wie funktioniert die Kommissionierung im Lager?

Ein Kommissioniervorgang kann so ablaufen:

  1. Das Lagerverwaltungssystem erzeugt aus dem Kundenauftrag einen Kommissionierauftrag mit Lagerplatz, Artikel und Menge.
  2. Der Kommissionierer geht zum Lagerplatz, oder die Ware wird an einen festen Arbeitsplatz gebracht.
  3. Die Ware wird entnommen und die Entnahme bestätigt.
  4. Die Ware wird in einen Behälter, einen Karton oder auf eine Palette abgelegt.
  5. Die fertige Kommission geht an den Packplatz oder in den Warenausgang.

Die Zeit für einen Auftrag setzt sich aus Basiszeit (Auftrag annehmen, Behälter aufnehmen und abgeben), Wegzeit, Greifzeit und Totzeit (Suchen, Lesen, Kontrollieren) zusammen. Bei der manuellen Kommissionierung entfällt ein wesentlicher Teil auf die Wege. Deshalb setzen viele Verbesserungen bei Lagerplatzvergabe und Wegeführung an.

Was ist der Unterschied zwischen Mann-zur-Ware und Ware-zum-Mann?

Nach der Art der Bereitstellung gibt es zwei Grundprinzipien. Beim Mann-zur-Ware-Prinzip (auch Person-zur-Ware oder statische Bereitstellung) bleibt die Ware am Lagerplatz. Der Kommissionierer geht oder fährt zu ihr, etwa im Fachbodenregal oder mit einem Kommissionierstapler. Beim Ware-zum-Mann-Prinzip (Ware-zur-Person oder dynamische Bereitstellung) bringt Fördertechnik den Lagerbehälter an einen festen Kommissionierplatz, zum Beispiel aus einem automatischen Kleinteilelager (AKL) oder einem Karusselllager. Nach der Entnahme läuft der Behälter zurück ins Lager. Ware-zum-Mann spart Wege, erfordert aber höhere Investitionen in Technik. Daneben gibt es automatische Kommissioniersysteme, in denen Kommissionierautomaten oder Roboter die Entnahme übernehmen.

Einstufige und zweistufige Kommissionierung: Wie unterscheiden sie sich?

Bei der einstufigen oder auftragsorientierten Kommissionierung wird jeder Auftrag direkt zusammengestellt. Werden mehrere Aufträge in einem Rundgang gleichzeitig bearbeitet und sofort in getrennte Behälter abgelegt, spricht man von Multi-Order-Picking. Bei der zweistufigen oder artikelorientierten Kommissionierung werden zuerst die Gesamtmengen eines Artikels für eine Gruppe von Aufträgen (Batch) entnommen. In einer zweiten Stufe werden diese Mengen auf die einzelnen Aufträge verteilt, manuell, mit Sortiertechnik oder per Put-to-Light. Zweistufige Verfahren eignen sich für viele kleine Aufträge mit wenigen Positionen, etwa im Versandhandel.

Welche Kommissionierverfahren gibt es?

Die Verfahren unterscheiden sich darin, wie der Kommissionierer seine Anweisungen erhält und die Entnahme bestätigt. Alle Verfahren außer Pick-by-Paper gelten als beleglos.

  • Pick-by-Paper: Der Auftrag steht auf einer gedruckten Kommissionierliste, Entnahmen werden abgehakt. Das Verfahren ist einfach, die Buchung im System erfolgt aber erst nachträglich.
  • Pick-by-Scanner: Ein mobiles Datenerfassungsgerät zeigt die nächste Position an. Lagerplatz und Artikel werden per Barcode bestätigt, die Buchung erfolgt sofort.
  • Pick-by-Voice: Anweisungen kommen per Headset, bestätigt wird per Sprache, etwa mit einer Prüfziffer am Lagerplatz. Hände und Augen bleiben frei. Mehr dazu unter akustische Kommissionierung.
  • Pick-by-Light: Eine Anzeige am Fach leuchtet auf und zeigt die Entnahmemenge, bestätigt wird per Taster. Beim Verteilen auf Aufträge heißt das Gegenstück Put-to-Light.
  • Pick-by-Vision: Eine Datenbrille blendet Lagerplatz und Menge ins Sichtfeld ein, siehe Pick-by-Vision.

Welche Fehler entstehen bei der Kommissionierung?

Kommissionierfehler lassen sich in vier Gruppen einteilen:

  • Typfehler: Ein falscher Artikel wird entnommen.
  • Mengenfehler: Die Menge ist zu hoch oder zu niedrig.
  • Auslassungsfehler: Eine Position fehlt ganz.
  • Zustandsfehler: Die Ware ist beschädigt oder falsch gekennzeichnet.

Mögliche Ursachen sind unklare Lagerplatzbeschriftung, ähnliche Artikel auf benachbarten Plätzen, Lesefehler auf Papierlisten, Zeitdruck und fehlerhafte Stammdaten. Gegenmaßnahmen sind das Scannen von Lagerplatz und Artikel, Wiegekontrollen am Packplatz und Prüfziffern. Ansätze, die Fehler systematisch verhindern sollen, beschreibt der Eintrag Null-Fehler-Kommissionierung.

Welche Bedeutung hat die Kommissionierung für Speditionen?

Viele Speditionen betreiben Lager für ihre Kunden. Dort ist die Kommissionierung das Bindeglied zwischen Kundenauftrag und Transport. Erst wenn eine Sendung kommissioniert und verpackt ist, stehen Packstückzahl, Gewicht und Lademittel fest. Diese Daten fließen in Versandetiketten, Ladeliste und Avis an den Empfänger. Eine fehlende Position wirkt sich deshalb nicht nur beim Empfänger aus, sondern auch auf Frachtpapiere und Abrechnung.

Häufige Fragen

Was macht ein Kommissionierer?

Ein Kommissionierer stellt nach Auftrag Waren aus dem Lager zusammen. Er entnimmt Artikel in der vorgegebenen Menge, bestätigt die Entnahme und übergibt die fertige Kommission an Packplatz oder Warenausgang. Je nach Lager arbeitet er mit Liste, Scanner, Headset oder an einem Ware-zum-Mann-Arbeitsplatz.

Was ist beleglose Kommissionierung?

Beleglos bedeutet, dass keine Papierliste verwendet wird. Die Anweisungen kommen über Scanner, Sprache, Lichtanzeigen oder Datenbrille, und jede Entnahme wird direkt im Lagerverwaltungssystem gebucht. Dadurch entfallen Lesefehler auf Papier und das nachträgliche Erfassen.

Wie wählt man die passende Kommissioniertechnik aus?

Entscheidend sind Artikelspektrum (Größe, Gewicht, Empfindlichkeit), Auftragsstruktur (Anzahl Aufträge und Positionen je Auftrag), geforderte Durchlaufzeit, zulässige Fehlerquote und Ergonomie. Verfahren lassen sich kombinieren, etwa manuelle Kommissionierung für selten gefragte Artikel und automatisierte Bereitstellung für häufig gefragte.

Wie wird die Kommissionierleistung gemessen?

Übliche Kennzahlen sind Picks oder Positionen je Stunde, die Durchlaufzeit eines Auftrags und die Fehlerquote. Aussagekräftig sind die Werte nur im Vergleich desselben Lagers über die Zeit, weil Sortiment und Auftragsstruktur die Leistung stark beeinflussen.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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