Fachartikel: Milk Run – Effizienz durch getaktete Rundläufe
Der Milk Run ist ein Logistikkonzept zur Optimierung der Materialversorgung und des Transports, das auf dem Prinzip der Milchmann-Belieferung basiert: Ein Fahrzeug fährt eine festgelegte Route ab, liefert an verschiedenen Stationen Material an und nimmt gleichzeitig Leergut oder andere Güter mit. In der Logistikkette des Jahres 2026 ist der Milk Run ein zentrales Instrument des Lean Managements, um Bestände zu senken und die Transportauslastung zu maximieren.
Das Prinzip und der Ablauf
Das Herzstück des Milk Runs ist die zeitliche und räumliche Synchronisation. Anstatt dass jeder Lieferant einzeln das Werk anfährt, übernimmt ein Dienstleister oder ein werkseigenes Fahrzeug einen definierten Rundlauf.
- Festgelegte Route: Das Fahrzeug startet zu einer festen Zeit und fährt eine optimierte Sequenz von Stopps (Lieferanten oder interne Lagerplätze) an.
- Synchronisierter Austausch: An jedem Stopp wird genau die Menge entladen, die seit dem letzten Besuch verbraucht wurde, und gleichzeitig wird Leergut oder Mehrwegmaterial aufgenommen.
- Taktung: Der Rhythmus (z. B. alle 4 Stunden) orientiert sich am tatsächlichen Bedarf der Produktion (Pull-Prinzip).
- Zentraler Umschlag: Am Ende der Route kehrt das Fahrzeug zum Startpunkt (z. B. Wareneingang mit Heckbeladung) zurück, um die gesammelten Güter für die Intralogistik bereitzustellen.
Strategische Vorteile für das Supply Chain Management
Die Implementierung von Milk Runs bietet signifikante Vorzüge gegenüber der klassischen Punkt-zu-Punkt-Belieferung:
- Bestandsreduzierung: Durch die hohe Frequenz kleinerer Liefermengen sinken die Sicherheitsbestände im Lager, etwa in der Hochregaltechnik.
- CO2-Reduktion: Die Bündelung von Transporten reduziert die Anzahl der gefahrenen Kilometer und vermeidet Leerfahrten, was direkt auf die Ziele der Green Logistics einzahlt.
- Prozessstabilität: Feste Fahrpläne ermöglichen eine präzise Planung der Personalressourcen an den Rampen.
- Leergutmanagement: Die Rückführung von Lademitteln ist integraler Bestandteil des Prozesses, was den Verwaltungsaufwand im Vergleich zu separaten Rücktransporten minimiert.
Praxis-Herausforderungen
Damit ein Milk Run wirtschaftlich funktioniert, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:
- Geografische Nähe: Die Stopps sollten in einer sinnvollen Entfernung zueinander liegen.
- Konstantes Volumen: Schwankende Mengen erschweren die Transportplanung und die Volumenauslastung des Fahrzeugs.
- Hoher Dispositionsaufwand: Die Koordination zwischen den Partnern erfordert eine hohe Transparenz und robuste IT-Schnittstellen.
Praxis-Relevanz 2026: Der smarte Milk Run
Im Jahr 2026 wird das Milk-Run-Konzept durch technologische Innovationen weiter perfektioniert:
- Dynamische Routenanpassung: KI-Algorithmen berechnen 2026 in Echtzeit, ob ein Stopp ausgelassen werden kann, wenn kein Bedarf gemeldet wurde (über vernetzte Identifizierungssysteme), um Zeit und Energie zu sparen.
- Autonome Rundläufe: In der Intralogistik werden Milk Runs 2026 vermehrt durch fahrerlose Transportsysteme (FTS) durchgeführt, die selbstständig Anhänger an- und abkuppeln.
- Vernetzte Bestände: Durch die Integration in das Transport Management System (TMS) ist 2026 jederzeit sichtbar, welche Teile sich gerade im "rollenden Lager" des Milk Runs befinden.
- Elektromobilität: Da Milk Runs meist kurze, planbare Strecken sind, eignen sie sich 2026 ideal für den Einsatz vollelektrischer Lkw und Lieferwagen.
Experten-Tipp: Nutzen Sie für die Planung von Milk Runs die ABC-Analyse. Konzentrieren Sie sich zuerst auf A-Teile mit hohem Volumen und regelmäßigen Verbräuchen, um den größten Hebel bei der Bestandsreduzierung zu erzielen.
Fazit
Der Milk Run ist im Jahr 2026 das Synonym für eine getaktete und verschwendungsfreie Logistik. Er verbindet die Vorteile der Mengenverfügbarkeit mit minimalen Lagerkosten und einer optimierten ökologischen Bilanz. Für Unternehmen, die auf Lean Management setzen, ist er ein unverzichtbares Werkzeug zur Steuerung moderner Logistikketten.