Fachartikel: Mann-zur-Ware-Prinzip – Der Klassiker der Kommissionierung
Das Mann-zur-Ware-Prinzip (auch als statische Kommissionierung bezeichnet) ist eine Methode der Auftragsabwicklung in der Intralogistik, bei welcher sich der Kommissionierer (der Mitarbeiter) aktiv zum Lagerplatz der benötigten Artikel begibt. Im Gegensatz zum „Ware-zum-Mann-Prinzip“, bei dem automatisierte Fördertechnik die Artikel zum Mitarbeiter bringt, bleibt die Ware hier stationär in der Regalanlage, wie etwa in der Hochregaltechnik oder in Fachbodenregalen, gelagert.
Funktionsweise und operative Umsetzung
Beim Mann-zur-Ware-Prinzip steuert der Mitarbeiter die Lagerplätze meist wegeoptimiert an. Die Entnahme erfolgt manuell oder mit Unterstützung von Flurförderzeugen. In der modernen Logistikkette des Jahres 2026 wird dieser Prozess durch verschiedene Technologien unterstützt:
- Beleglose Kommissionierung: Einsatz von Pick-by-Voice, Pick-by-Light oder Datenbrillen (Pick-by-Vision), um die Hände für die Greifbewegung frei zu halten.
- Wegeoptimierung: Das Lagerverwaltungssystem (WMS) berechnet über die Leitweglenkung den effizientesten Pfad durch die Regalgänge, um Leerwege zu minimieren.
- Erfassung: Die Quittierung der Entnahme erfolgt direkt am Lagerplatz mittels mobiler Datenerfassungsgeräte (MDE) oder durch Identifizierungssysteme wie RFID-Scans.
Vor- und Nachteile im Supply Chain Management
Die Entscheidung für dieses Prinzip hängt stark von der Artikelstruktur und dem Investitionsvolumen ab:
Vorteile:
- Geringe Investitionskosten: Es ist keine teure automatisierte Fördertechnik oder Robotik notwendig.
- Hohe Flexibilität: Bei Sortimentsänderungen oder Auftragsspitzen kann das System schnell durch zusätzliches Personal skaliert werden.
- Einfache Implementierung: Das System ist schnell einsatzbereit und erfordert keine komplexe Wartung von Mechanik.
Nachteile:
- Hoher Zeitaufwand: Ein Großteil der Arbeitszeit (bis zu 60 %) entfällt auf die Wegzeit, nicht auf die eigentliche Pick-Tätigkeit.
- Geringere Pickleistung: Im Vergleich zu automatisierten Systemen ist die Anzahl der Picks pro Stunde deutlich niedriger.
- Fehleranfälligkeit: Die manuelle Entnahme birgt ein höheres Risiko für Verwechslungen, sofern keine technischen Prüfschritte integriert sind.
Praxis-Relevanz 2026: Assistierte Kommissionierung
Im Jahr 2026 hat sich das klassische Mann-zur-Ware-Prinzip durch die Unterstützung von Robotik weiterentwickelt:
- Kollaborative Roboter (Cobots): Sogenannte „Follow-me“-Roboter begleiten den Mitarbeiter autonom durch das Lager. Der Mensch pickt die Ware, während der Roboter die schwere Last der Ladeeinheit trägt.
- KI-gestützte Slotting-Optimierung: KI-Systeme analysieren 2026 permanent die Auftragsstruktur und schlagen Umplatzierungen vor, damit Schnelldreher auf den kürzesten Wegen liegen.
- Integration in die Transportplanung: Durch die Echtzeit-Erfassung der Pick-Fortschritte kann das Transport Management System (TMS) die Abfahrtszeiten für die Heckbeladung der Lkw sekundengenau synchronisieren.
Experten-Tipp: Um die Effizienz beim Mann-zur-Ware-Prinzip zu steigern, sollte das „Multi-Order-Picking“ eingesetzt werden. Hierbei kommissioniert ein Mitarbeiter mehrere Aufträge gleichzeitig in einem Rundgang, was die Wegzeit pro Position massiv reduziert.
Fazit
Das Mann-zur-Ware-Prinzip bleibt auch im Jahr 2026 ein unverzichtbarer Bestandteil vieler Lagerstrategien, besonders bei kleineren Betrieben oder heterogenen Sortimenten. Durch die Kombination mit moderner Software und assistierenden Technologien lassen sich die klassischen Nachteile wie hohe Wegzeiten minimieren, während die volle Flexibilität in der Supply Chain erhalten bleibt.