Die Frachtrückhalteklausel ist eine vertragliche Vereinbarung in der Logistik, die dem Auftraggeber (Verlader) untersagt, fällige Frachtzahlungen mit Gegenansprüchen – wie etwa Schadenersatzforderungen aus Transportschäden – aufzurechnen oder die Zahlung zurückzuhalten. In der Logistikkette dient diese Klausel dazu, die Liquidität des Frachtführers oder Spediteurs zu sichern. Sie stellt sicher, dass der Transportlohn auch dann fließen muss, wenn über die Haftung für einen entstandenen Schaden noch gestritten wird.
Normalerweise ermöglicht das bürgerliche Recht eine Aufrechnung gegenseitiger Forderungen. Im Transportwesen wird dies jedoch häufig durch die Frachtrückhalteklausel ausgeschlossen. Der Ablauf in der Transportplanung gestaltet sich dann wie folgt:
[Image: A document showing a logistics contract with a highlighted paragraph titled "Aufrechnungsverbot", symbolizing the legal separation of freight payment and damage claims.]
Die rechtliche Durchsetzung einer Frachtrückhalteklausel ist an strenge Bedingungen geknüpft, da sie den Auftraggeber benachteiligt:
1. AGB-Recht (BGB)In Deutschland unterliegen solche Klauseln der Inhaltskontrolle. Ein generelles Aufrechnungsverbot in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ist oft unwirksam, wenn es auch unbestrittene oder rechtskräftig festgestellte Forderungen betrifft.
2. Die Regelung der ADSpIn den Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp) ist ein differenziertes Aufrechnungsverbot enthalten. Hiernach ist eine Aufrechnung nur mit fälligen, unbestrittenen oder rechtskräftig festgestellten Forderungen zulässig. Dies schützt die Supply Chain vor willkürlichen Zahlungsstopps.
3. Internationales Recht (CMR)Im internationalen Straßengüterverkehr sieht die CMR keine explizite Frachtrückhalteklausel vor. Hier entscheiden oft nationale Gesetze. Viele Gerichte urteilen jedoch auch hier im Sinne des Frachtführers, um den Grundsatz "Fracht gegen Leistung" zu wahren.
Im Jahr 2026 hat sich der Umgang mit Zahlungsströmen in der Logistikkette weiter professionalisiert:
Wichtiger Hinweis: Eine Frachtrückhalteklausel entbindet den Frachtführer nicht von seiner Haftung. Sie regelt lediglich die Reihenfolge der Zahlungsströme. Der Schaden muss dennoch reguliert werden, nur eben separat von der ursprünglichen Frachtrechnung.
Die Frachtrückhalteklausel ist ein wichtiges Instrument zur finanziellen Stabilität in der Logistikbranche. Sie verhindert, dass Frachtführer durch einseitige Kürzungsentscheidungen der Auftraggeber unter Druck gesetzt werden. Für eine funktionierende Supply Chain ist es essenziell, dass Dienstleister ihre Betriebskosten decken können, während Versicherungen die Klärung von Haftungsfragen übernehmen.