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Begaste Paletten: Vorschriften, Risiken & Kennzeichnung

Fachartikel: Begaste Paletten – Pflanzenschutz und Sicherheit im Welthandel

Im internationalen Warenverkehr spielen Holzverpackungen eine zentrale Rolle. Um die Verschleppung von Holzschädlingen (wie dem Asiatischen Laubholzbockkäfer) über Kontinentalgrenzen hinweg zu verhindern, müssen Holzpaletten gemäß dem internationalen Standard ISPM 15 (International Standards for Phytosanitary Measures No. 15) behandelt werden. Eine Methode hierfür ist die Begasung. Begaste Paletten wurden in einer abgeschlossenen Kammer mit gasförmigen Insektiziden – meist Methylbromid (MB) – behandelt. Während diese Methode in vielen Regionen (wie der EU) aufgrund von Umweltschutzvorgaben weitgehend durch die Hitzebehandlung (HT) ersetzt wurde, begegnen Logistikern im Import aus Drittländern nach wie vor begaste Ladungsträger.

Vorschriften & Kennzeichnung: Der IPPC-Standard

Jede ISPM 15-konforme Palette muss dauerhaft und gut sichtbar gekennzeichnet sein. Diese Kennzeichnung wird oft als „IPPC-Stempel“ bezeichnet und enthält spezifische Informationen über die Art der Behandlung.

Bestandteile der Kennzeichnung:

  • IPPC-Symbol: Das Logo der Internationalen Pflanzenschutzkonvention (Ähre-Symbol).
  • Länder-Code: ISO-Code des Landes (z. B. DE für Deutschland, TR für Türkei).
  • Regionale Kennung: Kennnummer des Forstschutzamtes oder des Herstellers.
  • Behandlungsmethode: * MB: Steht für Methylbromid (Begasung).
    • HT: Steht für Heat Treatment (Hitzebehandlung – die umweltfreundlichere Alternative).
    • DH: Steht für Dielectric Heating (Dielektrische Erwärmung).

[Image: A close-up of a wooden pallet block showing a clear IPPC stamp with the letters "MB" for Methyl Bromide, next to a digital sensor measuring air quality in a shipping container]

Risiken und Arbeitssicherheit beim Umgang

Begaste Paletten und insbesondere die damit beladenen Container stellen ein erhebliches Risiko für die Gesundheit des Lagerpersonals dar. Restgase können über lange Zeit aus dem Holz entweichen und sich in geschlossenen Räumen anreichern.

Wichtige Sicherheitshinweise:

  1. Gasaustritt in Containern: Beim Öffnen von Importcontainern aus Übersee (z. B. Asien oder Südamerika) ist höchste Vorsicht geboten. Oft ist das Gas geruchlos und unsichtbar.
  2. Messpflicht: Im Jahr 2026 gehört die Freimessung von Containern durch zertifizierte Fachkräfte oder automatisierte Sensoren zum Standard der Logistikkette. Erst wenn die Grenzwerte unterschritten sind, darf das Personal den Container entladen.
  3. Gesundheitsfolgen: Methylbromid ist hochgiftig und kann Nervenschäden sowie Atemwegserkrankungen verursachen.
  4. Lagerung: Begaste Paletten sollten idealerweise in gut belüfteten Bereichen gelagert werden, um eine Anreicherung von Restgasen in der Hallenluft zu vermeiden.

Praxis-Relevanz: Alternativen und Prozesskontrolle

Für Unternehmen, die ihre Transportplanung nachhaltig und sicher gestalten wollen, ist die Kenntnis über den Behandlungsstatus ihrer Ladungsträger essenziell.

  • Bevorzugung von HT-Paletten: Wo immer möglich, sollten Hitze-behandelte Paletten (HT) eingesetzt werden. Diese sind chemiefrei und verursachen keine Ausgasungsprobleme.
  • Kunststoffpaletten: Für hochsensible Bereiche (Pharma, Lebensmittel) bieten Kunststoffpaletten eine vollkommene Befreiung von den ISPM 15-Vorschriften, da sie keinen Wirt für Holzschädlinge darstellen.
  • Digitale Dokumentation: Moderne Transport Management Systeme (TMS) erfassen heute bereits bei der Buchung, ob begastes Holz im Einsatz ist. So kann das Empfangslager proaktiv Schutzmaßnahmen einleiten.

Fazit

Begaste Paletten sind ein notwendiges Übel im globalen Kampf gegen invasive Arten, stellen jedoch hohe Anforderungen an die Arbeitssicherheit und den Umweltschutz. Durch die strikte Einhaltung der ISPM 15 Kennzeichnung und moderne Messverfahren beim Containerempfang lassen sich die Risiken für das Personal minimieren. Für zukunftsorientierte Logistiker bleibt das Ziel, die Chemie aus der Supply Chain zu verdrängen und auf sicherere Alternativen wie die Hitzebehandlung oder alternative Werkstoffe zu setzen.

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