Logistik lexikon

Nulldurchgang in der Logistik: Definition & Vorteile

Fachartikel: Nulldurchgang – Der Moment der Wahrheit in der Lagerlogistik

In der modernen Lagerhaltung ist die Übereinstimmung von physischem Bestand und Systembestand (Soll-Bestand) von höchster Bedeutung. Ein zentrales Instrument zur Sicherstellung dieser Genauigkeit ist der Nulldurchgang. In der Logistik beschreibt dieser Begriff den Moment, in dem ein bestimmter Lagerplatz durch eine Entnahme physisch komplett geleert wird – der Bestand also auf „Null“ sinkt. Dieser scheinbar simple Vorgang ist für das Bestandsmanagement ein wertvoller Kontrollpunkt, um Inventurprozesse zu vereinfachen und Fehler in der Intralogistik sofort aufzudecken.

Funktionsweise & Details: Nulldurchgang als Inventur-Trigger

Der Nulldurchgang ist ein wesentlicher Bestandteil der permanenten Inventur. Anstatt einmal im Jahr den gesamten Lagerbestand mühsam zu zählen, wird die Inventur kontinuierlich während des laufenden Betriebs durchgeführt.

Der Prozess der Nulldurchgangskontrolle:

  1. Entnahme: Ein Mitarbeiter (Kommissionierer) entnimmt den letzten Artikel von einem Lagerplatz.
  2. Bestätigung: Das System (WMS) fragt den Mitarbeiter via Handscanner oder Voice-System: „Ist der Platz jetzt leer?“
  3. Abgleich: Bestätigt der Mitarbeiter den Nullbestand, gilt dieser Platz als inventarisiert. Stellt der Mitarbeiter fest, dass entgegen der Systemvorgabe noch Ware am Platz liegt (oder der Platz schon vor der letzten Entnahme leer war), wird sofort eine Differenzbuchung ausgelöst.
  4. Korrektur: Das Lagerverwaltungssystem korrigiert den Bestand in Echtzeit, was die Datenqualität für die gesamte Logistikkette sichert.

Voraussetzungen für die Nutzung

Damit der Nulldurchgang effektiv genutzt werden kann, ist eine chaotische Lagerhaltung oder ein dynamisches Platzsystem von Vorteil, da hierbei Plätze häufiger komplett geleert und neu belegt werden als bei festen Lagerplätzen.

[Image: A warehouse worker pointing a handheld scanner at an empty shelf space, with a green checkmark icon on the screen symbolizing a successful zero-stock verification]

Praxis-Relevanz: Warum der Nulldurchgang Kosten spart

Unternehmen, die den Nulldurchgang konsequent in ihre Prozesse integrieren, profitieren von einer deutlich höheren Prozesssicherheit.

Die zentralen Vorteile:

  • Reduzierung des Inventuraufwands: Da Plätze beim Leerwerden laufend geprüft werden, sinkt der Aufwand für die Stichtagsinventur am Jahresende massiv.
  • Hohe Bestandsqualität: Fehler durch falsche Buchungen oder Schwund werden zeitnah entdeckt, bevor sie zu Lieferproblemen führen.
  • Optimierte Flächennutzung: Ein verifizierter Nulldurchgang meldet dem System sofort, dass der Platz für neue Einlagerungen (z. B. auf einer Europalette) wieder zur Verfügung steht.
  • Vermeidung von Fehl-Picks: Nichts ist für die Effizienz schädlicher, als wenn ein Kommissionierer zu einem Platz geschickt wird, der laut System Bestand hat, in der Realität aber leer ist.

Integration in die Logistiksoftware

Ein modernes Warehouse Management System (WMS) nutzt den Nulldurchgang als intelligenten Filter. Es steuert Entnahmen so, dass Plätze bevorzugt komplett geleert werden („Restmengenbereinigung“), um möglichst viele Nulldurchgänge zu provozieren. Dies hält das Lager „sauber“ und die Daten aktuell.

Fazit

Der Nulldurchgang ist eines der effektivsten und kostengünstigsten Werkzeuge zur Bestandsüberwachung. Er nutzt die ohnehin stattfindenden Bewegungen im Lager, um quasi „nebenbei“ eine permanente Inventur durchzuführen. In einer Zeit, in der Just-in-Time-Prozesse und hohe Liefergeschwindigkeiten Standard sind, können sich Unternehmen keine ungenauen Bestandsdaten leisten. Wer den Nulldurchgang prozessual verankert, schafft die Basis für eine fehlerfreie Lagerlogistik und eine belastbare Supply Chain.

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