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Frigotransport: Anforderungen, Temperaturführung & Risiken

Fachartikel: Frigotransport – Präzision unter dem Gefrierpunkt

Ein Frigotransport (häufig auch als Kühltransport oder Thermotransport bezeichnet) ist die Beförderung von temperaturgeführten Gütern in speziell ausgerüsteten Fahrzeugen oder Containern. Ziel ist es, eine geschlossene Kühlkette von der Beladung bis zur Entladung sicherzustellen. In der Logistikkette des Jahres 2026 ist der Frigotransport die Lebensader für die Versorgung mit Lebensmitteln, pharmazeutischen Produkten und chemischen Grundstoffen, die bei falscher Temperatur ihre Wirkung verlieren oder verderben würden.

Anforderungen an das Equipment

Um die thermischen Bedingungen während der gesamten Transportplanung stabil zu halten, ist hochspezialisiertes Equipment erforderlich:

  • Isolierte Aufbauten: Kofferaufbauten mit spezieller Isolierung (meist Polyurethan-Hartschaum), um den Wärmeaustausch mit der Umgebung zu minimieren.
  • Kühlaggregate: Leistungsstarke Aggregate, die je nach Bedarf kühlen oder heizen können. Moderne Systeme im Jahr 2026 arbeiten oft hybrid oder rein elektrisch.
  • Multi-Temp-Ausstattung: Fahrzeuge mit verschiebbaren Trennwänden, die es ermöglichen, in einem Auflieger verschiedene Temperaturzonen (z. B. Tiefkühl und Frische) gleichzeitig zu führen.
  • Data-Logger: Sensoren, die die Temperatur im Innenraum lückenlos aufzeichnen und bei Abweichungen in Echtzeit Alarm schlagen.

Typische Temperaturbereiche

Die Supply Chain unterscheidet im Frigotransport verschiedene Standardbereiche, die strikt eingehalten werden müssen:

  1. Tiefkühlbereich (Frozen): Temperaturen von -18°C bis -25°C (z. B. für Speiseeis, Fleisch oder Tiefkühlgemüse).
  2. Kühlbereich (Chilled): Temperaturen zwischen +2°C und +7°C (z. B. für Milchprodukte, Obst oder Fleischwaren).
  3. Pharmabereich: Oft exakte Korridore wie +2°C bis +8°C oder +15°C bis +25°C (Ambient), die durch GDP-Richtlinien (Good Distribution Practice) streng reglementiert sind.

Risiken im Frigotransport

Das Management der Risiken ist die größte Herausforderung für das Fuhrparkmanagement und die Logistikleitung:

  • Unterbrechung der Kühlkette: Besonders kritisch sind die Schnittstellen (Rampe, Umladung). Steht die Ware zu lange ungekühlt, beginnt der Verderb.
  • Technischer Defekt: Ein Ausfall des Kühlaggregats kann innerhalb weniger Stunden zum Totalverlust der Ladung führen.
  • Menschliches Versagen: Falsche Temperatureinstellungen am Thermostat oder unzureichende Vorkühlung des Laderaums vor der Beladung.
  • Luftzirkulationsstörung: Wenn die Ware zu dicht oder falsch gestapelt wird, kann die kalte Luft nicht zirkulieren, was zu "Hot Spots" im Container führt.

Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Überwachung und Green Logistics

Im Jahr 2026 hat sich der Frigotransport technologisch stark weiterentwickelt:

  • Echtzeit-Telematik: Disponenten sehen 2026 nicht nur den Standort, sondern auch die exakte Kerntemperatur der Ware auf ihren Dashboards. Abweichungen führen zu automatisierten Notfallprotokollen.
  • Künstliche Intelligenz: KI-gestützte Transportplanung berechnet die voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) und passt die Kühlleistung proaktiv an Außentemperaturen und Stauprognosen an.
  • Nachhaltigkeit: CO2-neutrale Kühlaggregate, die über Solarpaneele auf dem Dach des Aufliegers gespeist werden, sind ein wichtiger Bestandteil der Green Logistics.
  • Digitale Nachweise: Der Temperaturbeleg wird bei Ablieferung automatisch als digitaler Datensatz an das Warehouse Management System (WMS) des Empfängers übertragen, was manuelle Kontrollen überflüssig macht.

Experten-Tipp: Achten Sie bei der Beladung darauf, dass das Kühlgut bereits die Zieltemperatur hat. Ein Kühlauflieger ist dafür konstruiert, eine Temperatur zu halten, nicht jedoch, um warme Ware effizient herunterzukühlen.

Fazit

Der Frigotransport ist die Königsdisziplin der Logistik. Er erfordert nicht nur teures Equipment, sondern auch tiefgreifendes Know-how über die Beschaffenheit der Güter und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Durch die lückenlose digitale Überwachung wird die Logistikkette 2026 sicherer denn je, was die Verschwendung von Lebensmitteln und Medikamenten drastisch reduziert.

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