Logistik lexikon

Frachtführer: Definition, Pflichten & Haftung nach HGB

Fachartikel: Frachtführer – Der ausführende Akteur der Transportlogistik

Im komplexen Geflecht der Logistik nimmt der Frachtführer eine zentrale Rolle ein. Rechtlich gesehen ist er derjenige, der sich durch einen Frachtvertrag verpflichtet, das Gut zum Bestimmungsort zu befördern und dort an den Empfänger abzuliefern. Im Gegensatz zum Spediteur, der primär den Transport organisiert (Besorgung der Versendung), führt der Frachtführer den Transport physisch mit eigenen oder angemieteten Transportmitteln durch. Er ist der operative Motor der Supply Chain, der dafür sorgt, dass die Ware tatsächlich von A nach B gelangt. Die rechtlichen Grundlagen für sein Handeln finden sich im Handelsgesetzbuch (HGB) sowie im internationalen Bereich in der CMR.

Funktionsweise & Details: Rechte und Pflichten des Frachtführers

Die Position des Frachtführers ist mit weitreichenden Verantwortlichkeiten verbunden, die bereits bei der Übernahme des Gutes beginnen.

Zentrale Pflichten nach HGB

  • Beförderungspflicht: Der Frachtführer muss die Ware sicher und termingerecht zum Zielort transportieren.
  • Obhutspflicht: Während der Zeit, in der sich das Gut in seiner Gewalt befindet, haftet er für Verlust oder Beschädigung.
  • Überprüfungspflicht: Bei der Übernahme muss er die Anzahl der Packstücke (Colli) sowie deren äußerlichen Zustand prüfen und eventuelle Mängel im Frachtbrief vermerken.
  • Ablieferungspflicht: Er muss das Gut am Bestimmungsort gegen eine Empfangsquittung (POD) an den berechtigten Empfänger aushändigen.

Abgrenzung: Frachtführer vs. Spediteur

Oft werden die Begriffe synonym verwendet, doch es gibt einen klaren juristischen Unterschied:

  1. Spediteur: Er schuldet die Organisation des Transports. Er sucht den passenden Frachtführer aus und schließt Verträge ab.
  2. Frachtführer: Er schuldet den Transporterfolg. Er sitzt (bildlich gesprochen) selbst am Steuer oder stellt das Fahrzeug bereit.Hinweis: Handelt ein Spediteur im „Selbsteintritt“, übernimmt er die Rolle des Frachtführers und haftet auch als solcher.

Praxis-Relevanz: Haftung und Versicherung im Fokus

Warum ist die Definition des Frachtführers für Unternehmen so wichtig? Der Grund liegt in der strengen Haftung.

Die Frachtführerhaftung

Der Frachtführer haftet für Schäden, die zwischen der Übernahme und der Ablieferung entstehen (Obhutshaftung).

  • Haftungsbegrenzung: Nach HGB ist die Haftung bei Güterschäden in der Regel auf 8,33 Sonderziehungsrechte (SZR) pro Kilogramm des Rohgewichts begrenzt.
  • Haftungsausschluss: Er haftet nicht, wenn der Schaden durch unvermeidbare Umstände (höhere Gewalt), Mängel der Verpackung durch den Absender oder die natürliche Beschaffenheit des Gutes entstanden ist.

Bedeutung für die Disposition

In der täglichen Praxis nutzen viele Speditionen Frachtbörsen, um Subunternehmer (Frachtführer) für ihre Aufträge zu finden. Hierbei ist die Prüfung der Zuverlässigkeit und der Versicherung (Verkehrshaftungsversicherung) des Frachtführers essenziell, um Regressansprüche im Schadensfall abzusichern.

Fazit

Der Frachtführer ist das ausführende Organ jeder Handelsbeziehung. Seine Zuverlässigkeit und Fachkenntnis entscheiden darüber, ob Lieferversprechen eingehalten werden. Durch die klare rechtliche Definition seiner Aufgaben und Haftung bietet das Frachtrecht einen sicheren Rahmen für den globalen Warenverkehr. In einer Zeit, in der die Anforderungen an Schnelligkeit und Transparenz (z. B. durch Echtzeit-ETA) steigen, wandelt sich der Frachtführer vom reinen Transporteur zum integrierten Servicepartner der digitalen Supply Chain. Wer die Rechte und Pflichten des Frachtführers versteht, kann Transportrisiken besser einschätzen und seine Logistikprozesse rechtssicher gestalten.

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