Fachartikel: Schleudersteuerung – Präzision in der automatisierten Fördertechnik
Die Schleudersteuerung ist ein spezialisiertes Steuerungsprinzip in der Intralogistik, das vor allem bei Rollenförderern und in der Sortiertechnik eingesetzt wird. Sie dient dazu, einzelne Ladeeinheiten (wie Kartons, Behälter oder Tablare) mit einer definierten Beschleunigung aus einem Förderstrom auszuschleusen oder in diesen einzuschleusen. Der Begriff leitet sich von der kontrollierten "Schleuderbewegung" ab, die notwendig ist, um die Trägheit der Last zu überwinden, ohne das Transportgut zu beschädigen oder die Taktzeit der Logistikkette zu unterbrechen.
Funktionsweise und technische Umsetzung
Im Gegensatz zu einer einfachen Start-Stopp-Automatik arbeitet die Schleudersteuerung mit variablen Frequenzumrichtern und Sensoren:
- Erkennung: Lichtschranken oder Scanner erfassen die Position und das Gewicht der herannahenden Ware.
- Beschleunigungsphase: Die Steuerung berechnet die notwendige "Schleuderkraft", um das Paket punktgenau auf eine Querbahn oder in eine Sorter-Endstelle zu befördern.
- Synchronisation: Die Geschwindigkeit des ausschleusenden Elements (z. B. ein Schwenkarm oder eine Allseitenrolle) wird exakt mit der Geschwindigkeit des Hauptbandes abgeglichen.
- Sanfter Stopp: Nach dem Ausschleusvorgang bremst die Steuerung das Element kontrolliert ab, um mechanischen Verschleiß zu minimieren.
Einsatzbereiche im modernen Lager
Die Schleudersteuerung ist das Herzstück leistungsfähiger Distributionszentren:
- Versandsortierung: Hinter der Null-Fehler-Kommissionierung sorgt die Schleudersteuerung dafür, dass Pakete basierend auf der Transportplanung in die richtigen Versandbahnen für die Heckbeladung geleitet werden.
- Retourenabwicklung: In der Reverse Logistics werden zurückgesendete Waren nach der Prüfung schnell auf verschiedene Bearbeitungsstationen verteilt.
- Puffer-Management: Zur Entkopplung von Prozessen werden Waren mittels Schleudersteuerung effizient in Pufferlager ein- und wieder ausgeschleust.
- Gefahrgut-Handling: Hier ermöglicht die Steuerung ein besonders sanftes Handling, um Erschütterungen der empfindlichen Güter zu vermeiden.
Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Algorithmen und vorausschauende Wartung
Im Jahr 2026 hat sich die klassische Schleudersteuerung zu einem "Smart Handling"-System weiterentwickelt:
- KI-basierte Lastanpassung: Die Steuerung lernt 2026 autonom. Sie erkennt anhand der Oberflächenbeschaffenheit (z. B. rutschige Folie vs. rauer Karton), wie viel Grip für den Schleudervorgang nötig ist, und passt die Motorleistung in Millisekunden an.
- Middleware-Integration: Lösungen wie GM-DocuStream liefern der Steuerung 2026 vorab Informationen über den Inhalt. Schwere Ladeeinheiten werden anders beschleunigt als hochempfindliche Elektronikkomponenten.
- Green Logistics: Moderne Schleudersteuerungen nutzen 2026 die Bremsenergie der Motoren (Rekuperation), um sie zurück in das Lagerstromnetz zu speisen.
- Predictive Maintenance: Sensoren überwachen die Vibrationen während des Schleuderns. Abweichungen deuten 2026 frühzeitig auf Lagerverschleiß hin, bevor es zum Stillstand der Intralogistik kommt.
Experten-Tipp: Achten Sie bei der Konfiguration Ihrer Schleudersteuerung auf die "Lücke" (Gap). Eine zu geringe Lücke zwischen den Paketen führt trotz bester Steuerung zu Kollisionen. Moderne Systeme regeln diese Lücke heute vollautomatisch durch vorgeschaltete Taktbänder.
Fazit
Die Schleudersteuerung ist im Jahr 2026 unverzichtbar für Hochleistungslager. Sie ermöglicht extreme Sortiergeschwindigkeiten bei gleichzeitig maximaler Warenschonung. Durch die Verknüpfung mit intelligenter Middleware und KI wird sie zum Garanten für einen reibungslosen Materialfluss und eine effiziente Logistikkette.