In der Lagerlogistik bezeichnet eine Anbruchpalette eine Ladeeinheit (meist eine Europalette), von der bereits ein Teil der ursprünglichen Ware entnommen wurde. Im Gegensatz zu einer Vollpalette, die noch die komplette, vom Hersteller definierte Packungseinheit umfasst, enthält die Anbruchpalette lediglich eine Teilmenge. Anbruchpaletten entstehen typischerweise während des Kommissionierprozesses, wenn Kundenaufträge keine ganze Palette, sondern nur einzelne Kartons oder Lagen eines Artikels umfassen. Für das Warehouse Management System (WMS) stellt die Verwaltung dieser Einheiten eine besondere Aufgabe dar, um Bestandsgenauigkeit und Platzeffizienz zu gewährleisten.
Der Übergang einer Palette zum Status „Anbruch“ erfolgt meist in der Kommissionierzone. Sobald die erste Versiegelung oder die Stretchfolie entfernt und Ware entnommen wird, ändern sich die logistischen Parameter der Palette.
[Image: A warehouse shelf showing a full, shrink-wrapped pallet next to an "Anbruchpalette" where several boxes have been removed, with a worker scanning a barcode to update the partial quantity in the system]
Die effiziente Verwaltung von Anbruchpaletten ist entscheidend, um den verfügbaren Lagerraum optimal zu nutzen und Suchzeiten zu minimieren.
Beim Versand von Anbruchpaletten muss besonders auf die Ladungssicherung geachtet werden. Da die Palette nicht mehr formschlüssig gepackt ist, besteht die Gefahr, dass die verbliebenen Kartons während des Transports verrutschen. Hier kommen oft Füllmaterialien oder zusätzliche Umreifungen zum Einsatz.
Die Anbruchpalette ist ein unvermeidbares Element in Lagern mit hoher Pick-Aktivität. Während sie einerseits die Flexibilität in der Auftragsabwicklung erhöht, erfordert sie andererseits eine präzise digitale Führung und physische Disziplin. Unternehmen, die ihre Anbruchmengen durch intelligente Software und regelmäßige Konsolidierung im Griff haben, reduzieren ihre Lagerkosten und vermeiden „Ladenhüter“ sowie unnötige Suchvorgänge in der Logistikkette.