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HIFO-Verfahren: Definition & Einsatz in der Lagerbewertung

Fachartikel: HIFO – Strategische Bewertung nach dem Höchstpreisprinzip

Das HIFO-Verfahren steht für Highest In – First Out (Höchster Einkaufspreis zuerst raus). Es handelt sich dabei um ein Verbrauchsfolgeverfahren der Lagerbuchhaltung, bei dem unterstellt wird, dass die Vorräte, die zu den höchsten Anschaffungskosten eingekauft wurden, das Lager als Erstes wieder verlassen. In der Logistikkette dient HIFO primär der bilanziellen Bewertung und weniger der physischen Warenbewegung.

Funktionsweise und Logik

Anders als bei FIFO (First In – First Out) oder LIFO (Last In – First Out) spielt der zeitliche Aspekt des Wareneingangs beim HIFO-Verfahren keine Rolle. Entscheidend ist allein der Preis:

  1. Wareneingang: Alle eingegangenen Waren werden mit ihrem jeweiligen Einstandspreis erfasst.
  2. Lagerabgang: Unabhängig davon, welches physische Teil entnommen wird, bucht die Buchhaltung den Abgang des teuersten im Bestand befindlichen Artikels.
  3. Endbestand: Der verbleibende Lagerbestand wird am Ende der Periode mit den niedrigsten Preisen bewertet (Niederstwertprinzip).

Rechtliche und steuerliche Aspekte

Im Rahmen des Supply Chain Managements und der Finanzbuchhaltung ist die Anwendung von HIFO streng reglementiert:

  • Handelsrecht (HGB): In Deutschland ist das HIFO-Verfahren nach § 256 HGB für den Jahresabschluss grundsätzlich zulässig, sofern es den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht.
  • Steuerrecht: Steuerlich ist HIFO in Deutschland in der Regel nicht zulässig. Für die Steuerbilanz müssen meist Durchschnittswerte oder das LIFO-Verfahren angewendet werden.
  • Vorsichtsprinzip: HIFO führt dazu, dass der Lagerbestand in der Bilanz eher niedrig bewertet wird. Dies unterstreicht das kaufmännische Vorsichtsprinzip, da stille Reserven gebildet werden können.

Vor- und Nachteile des HIFO-Verfahrens

Die Wahl der Bewertungsmethode beeinflusst die Kennzahlen der Logistikkette massiv:

Vorteile:

  • Gewinnminimierung: Durch die Verbuchung hoher Kosten sinkt der ausgewiesene Gewinn, was (handelsrechtlich) die Ausschüttungen begrenzen kann.
  • Bestandsbewertung: Der Bilanzwert des Lagers ist sehr konservativ und frei von "Preisausreißern" nach oben.

Nachteile:

  • Hoher Aufwand: Das System muss jeden Wareneingang einzeln mit Preisen verknüpfen und bei jedem Abgang den aktuell höchsten Preis identifizieren.
  • Realitätsferne: Die physische Transportplanung folgt fast nie dem HIFO-Prinzip, da meist nach Verfallsdatum oder Erreichbarkeit ausgelagert wird.

Praxis-Relevanz 2026: Dynamische Bewertungssysteme

Im Jahr 2026 wird das HIFO-Verfahren durch moderne Software automatisiert gesteuert:

  • Echtzeit-Bewertung: ERP-Systeme berechnen 2026 bei jedem Pick sofort den HIFO-Wert, was eine permanente Inventur und unterjährige Bilanztransparenz ermöglicht.
  • Marktpreis-Abgleich: Bei volatilen Rohstoffpreisen hilft HIFO den Unternehmen 2026 dabei, die Auswirkungen von Preissprüngen in der Supply Chain sofort in der Kostenrechnung abzubilden.
  • KI-gestützte Auswahl: Algorithmen simulieren 2026 verschiedene Bewertungsverfahren (FIFO, LIFO, HIFO), um die steuerlich und bilanziell optimalste Strategie für das Unternehmen zu finden.

Experten-Tipp: Nutzen Sie HIFO primär für interne Kalkulationen bei Rohstoffen mit stark schwankenden Preisen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Preiskalkulation gegenüber dem Kunden immer auf den teuersten Einkäufen basiert und Ihre Marge geschützt bleibt.

Fazit

Das HIFO-Verfahren ist ein spezialisiertes Werkzeug der Lagerbewertung, das vor allem in Branchen mit großen Preisschwankungen Sinn ergibt. Während es für die physische Logistikkette kaum Relevanz hat, bietet es in der Buchhaltung eine wertvolle Methode, um Bestände vorsichtig zu bewerten und die Kapitalbindung transparent zu machen. Im Jahr 2026 ermöglichen digitale Zwillinge des Lagers eine mühelose Anwendung dieses komplexen Verfahrens.

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