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Blindsendung: Definition & Anwendungsfälle

Fachartikel: Blindsendung – Diskreter Warenfluss im Dreiecksgeschäft

In der modernen Logistik bezeichnet eine Blindsendung (international oft als Blind Shipment bekannt) einen Transportprozess, bei dem die Identität des tatsächlichen Versenders (Lieferanten), des Empfängers oder beider Parteien voreinander verborgen bleibt. Dieser Prozess wird in der Regel von einem Zwischenhändler oder Broker initiiert, der verhindern möchte, dass der Endkunde direkt beim Hersteller kauft oder der Hersteller den Endkunden direkt kontaktiert. Die Blindsendung ist somit ein entscheidendes Instrument zur Sicherung von Handelsmargen und zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen innerhalb der Logistikkette.

Funktionsweise: Die Steuerung über Frachtpapiere

Der Kern einer Blindsendung liegt in der Manipulation bzw. dem Austausch der Transportdokumente. Der Frachtführer (Spediteur) spielt hierbei eine zentrale Rolle, da er zwei verschiedene Sätze von Frachtbriefen verwalten muss.

Die Akteure im Dreiecksgeschäft:

  1. Partei A (Hersteller/Lieferant): Versendet die Ware, erfährt aber oft nicht den tatsächlichen Endkunden.
  2. Partei B (Händler/Broker): Der Initiator der Blindsendung. Er kauft bei A und verkauft an C.
  3. Partei C (Endkunde): Erhält die Ware, sieht auf den Begleitpapieren jedoch nur den Händler (Partei B) als Absender.

MerkmalStandardversandBlindsendungTransparenzVollständig (Absender bekannt)Eingeschränkt (Anonymisiert)DokumentationEin Satz FrachtbriefeZwei Sätze (Switch-Verfahren)ZweckDirekter WarenflussQuellenschutz / MarkenschutzKomplexitätGeringHoch (erfordert präzise Steuerung)

[Image: A schematic diagram of a "Blind Shipment" showing a truck moving from a generic Factory (A) to an End Customer (C), with the Middleman (B) digitally swapping the shipping labels in the middle to hide the factory's identity]

Anwendungsfälle in der Praxis

Im Jahr 2026 ist die Blindsendung aufgrund des boomenden E-Commerce und globaler Broker-Netzwerke wichtiger denn je.

1. Dropshipping (Streckengeschäft)

Ein Online-Händler bietet Produkte an, die er nicht selbst lagert. Bei einer Bestellung weist er den Hersteller an, die Ware direkt an den Kunden zu senden. Die Blindsendung stellt sicher, dass der Kunde den Händler weiterhin als seine Primärquelle wahrnimmt und nicht direkt beim günstigeren Produzenten bestellt.

2. Quellenschutz im Großhandel

Ein Broker vermittelt Rohstoffe zwischen einem Produzenten in Übersee und einem Industriebetrieb. Um seine Position als Vermittler nicht zu verlieren, anonymisiert er den Transport, damit beide Parteien nicht „hinter seinem Rücken“ direkt verhandeln können.

3. Schutz von Markengeheimnissen

Wenn Unternehmen Prototypen oder sensible Bauteile zwischen verschiedenen Entwicklungsstandorten versenden, werden Blindsendungen genutzt, um Neugierige oder Wettbewerber über den tatsächlichen Ursprung und Bestimmungsort der Fracht im Unklaren zu lassen.

Herausforderungen und Compliance

Eine Blindsendung erfordert ein hohes Maß an Vertrauen in den Logistikdienstleister. Da der Spediteur beide Identitäten kennt, muss er strikte Vertraulichkeit wahren. Zudem müssen zollrechtliche Vorschriften beachtet werden: In der Zollabwicklung müssen gegenüber den Behörden die korrekten Daten angegeben werden, auch wenn diese auf den kundenrelevante Papieren geschwärzt oder ersetzt sind. Moderne Transport Management Systeme (TMS) automatisieren diesen „Switch“-Prozess heute, um menschliche Fehler – wie das Vergessen der Originalrechnung im Paket – zu vermeiden.

Fazit

Die Blindsendung ist ein strategisches Werkzeug im globalen Handel. Sie ermöglicht es Zwischenhändlern, ihre Wertschöpfung in einer immer transparenteren Welt zu schützen. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist jedoch eine lückenlose digitale Koordination und ein erfahrener Partner in der Transportplanung unerlässlich. Wer die Kunst der Blindsendung beherrscht, sichert sich dauerhaft seine Position als unverzichtbares Glied in der Supply Chain.

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