Logistik lexikon

Leerfahrt: Definition, Kosten & Wege zur Vermeidung

Fachartikel: Leerfahrt – Der Effizienzkiller in der Transportlogistik

In der Welt der Logistik ist eine Leerfahrt der Albtraum eines jeden Disponenten. Sie beschreibt die Bewegung eines Transportmittels (meist eines LKW, aber auch Schiffe oder Waggons) ohne Ladung. Während der Vorlauf zum Beladeort oder der Weg zurück zum Depot nach der Entladung oft unvermeidbare Leerkilometer beinhalten, sind ungeplante Leerfahrten zwischen zwei Aufträgen ein reiner Kostenfaktor. Sie verbrauchen Treibstoff, binden Personalzeit und verschleißen das Fahrzeug, ohne dass dem ein Umsatz gegenübersteht. Die Reduzierung von Leerfahrten ist daher eines der primären Ziele der Transportplanung und ein zentraler Hebel für die ökologische Nachhaltigkeit ("Green Logistics").

Funktionsweise & Details: Warum entstehen Leerfahrten?

Trotz modernster Technik ist die Quote der Leerfahrten im europäischen Straßengüterverkehr nach wie vor hoch (oft über 20 %). Die Gründe hierfür sind vielfältig:

Ursachen für Leerkilometer:

  • Ungleichgewicht der Warenströme: Es wird oft mehr Ware von Industriezentren in ländliche Regionen transportiert als umgekehrt.
  • Spezialisierte Fahrzeuge: Ein Kühl-LKW für den Transport von Kühlgut kann auf dem Rückweg oft keine trockenen Industriegüter laden, wenn die Hygieneanforderungen oder die Ausstattung dies verhindern.
  • Zeitdruck: Wenn ein Anschlussauftrag (siehe Just-in-Time) wartet, lohnt es sich oft nicht, Zeit in die Suche nach einer Rückladung zu investieren.
  • Mangelnde Transparenz: Disponenten wissen oft nicht in Echtzeit, welche Frachtangebote in der Nähe des Entladeortes verfügbar sind.

Die wirtschaftlichen Folgen

Eine Leerfahrt kostet fast so viel wie eine beladene Fahrt (Maut, Diesel, Fahrerlohn), bringt aber 0 € Ertrag. Dies drückt massiv auf die Marge. Zudem belasten unnötige Fahrten die Infrastruktur und erhöhen den CO2-Ausstoß pro transportierter Tonne.

[Image: A split graphic showing a fully loaded truck ("Profit") vs. an empty truck trailer ("Loss"), with icons for wasted fuel and CO2 emissions]

Praxis-Relevanz: Strategien zur Vermeidung von Leerfahrten

Um die Auslastung zu steigern und Leerfahrten zu minimieren, setzen moderne Logistikunternehmen auf eine Kombination aus Kooperation und Technologie.

Wege zu mehr Effizienz:

  • Einsatz von Frachtenbörsen: Digitale Marktplätze helfen dabei, kurzfristig Rückladungen zu finden, um den LKW auf dem Heimweg wieder zu füllen.
  • Ladungskonsolidierung: Durch die Konsolidierung von mehreren LTL-Sendungen (Teilladungen) zu einer Komplettladung (FTL) werden Fahrten gebündelt.
  • Kollaborative Logistik: Wettbewerber teilen sich Laderaum, um gemeinsame Netzwerke effizienter auszulasten.
  • Intermodaler Verkehr: Die Verlagerung langer Strecken auf die Schiene im Kombinierten Verkehr kann helfen, die LKW-Einsätze auf kurze Distanzen zu konzentrieren, wo Leerfahrten leichter planbar sind.

Die Rolle des TMS

Ein modernes Transport Management System (TMS) ist das wichtigste Werkzeug gegen Leerfahrten. Es analysiert alle verfügbaren Aufträge und schlägt dem Disponenten automatisch Touren vor, die die Anzahl der Leerkilometer minimieren. Durch die Verknüpfung mit Telematik-Daten wird die Position des Fahrzeugs in Echtzeit mit neuen Frachtanfragen abgeglichen.

Fazit

Die Leerfahrt ist das Symbol für ungenutzte Potenziale in der Logistik. In einem Markt mit steigendem Kostendruck und strengeren Umweltauflagen können es sich Unternehmen nicht mehr leisten, "Luft zu fahren". Durch die Digitalisierung der Transportkette und den Einsatz intelligenter Algorithmen zur Laderaumoptimierung lässt sich die Leerfahrtenquote signifikant senken. Dies schont nicht nur das Budget, sondern ist auch ein unverzichtbarer Beitrag zum Klimaschutz in der Logistik. Wer Leerfahrten vermeidet, fährt profitabler und nachhaltiger.

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