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Dreidimensionale Belastung: Bedeutung für Verpackung & Ladungssicherung

Fachartikel: Dreidimensionale Belastung – Physikalische Kräfte im Transportwesen

Unter dreidimensionaler Belastung versteht man in der Logistik die gleichzeitige Einwirkung physikalischer Kräfte aus drei verschiedenen Raumrichtungen auf eine Ware oder deren Verpackung während des Transports. Diese Kräfte wirken entlang der vertikalen, horizontalen (längs) und transversalen (quer) Achsen. Im Gegensatz zur statischen Lagerung im Regal ist die Ware während der Beförderung dynamischen Impulsen ausgesetzt, die sich gegenseitig verstärken können. Ein tiefes Verständnis dieser Belastungen ist die Voraussetzung für eine rechtssichere Ladungssicherung und die Entwicklung belastbarer Verpackungskonzepte.

Die drei Achsen der Belastung

Um die Stabilität einer Sendung in der Logistikkette zu gewährleisten, müssen Ingenieure und Logistikplaner die Kräfte auf allen drei Ebenen analysieren:

1. Vertikale Belastung (Z-Achse)Diese Kräfte wirken von oben nach unten (Druckkraft durch Stapelung) sowie von unten nach oben (Stöße und Vibrationen durch Fahrbahnunebenheiten oder Seegang). Besonders bei der Luftfracht oder beim LKW-Transport auf schlechten Straßen können vertikale Beschleunigungen das Mehrfache des Eigengewichts erreichen.

2. Horizontale Belastung in Fahrtrichtung (X-Achse)Diese Kräfte entstehen primär durch Bremsvorgänge oder Beschleunigung. Beim LKW-Transport muss die Ladungssicherung so ausgelegt sein, dass sie im Falle einer Vollbremsung 80 % des Ladungsgewichts nach vorne absichert.

3. Transversale Belastung (Y-Achse)Hierbei handelt es sich um seitlich wirkende Kräfte, die bei Kurvenfahrten (Fliehkräfte) oder durch das Rollen eines Schiffes entstehen. In der Regel müssen 50 % des Ladungsgewichts gegen seitliches Verrutschen gesichert werden.

[Image: A 3D diagram of a shipping crate with arrows pointing in six directions (up/down, left/right, front/back), labeled with X, Y, and Z axes to visualize multi-directional transport forces.]

Bedeutung für die Verpackungsentwicklung

Eine Verpackung, die nur für den Stapeldruck im Lager ausgelegt ist, versagt oft im Transportprozess. Die dreidimensionale Belastung erfordert spezifische Lösungen:

  • Stauchwiderstand: Der Karton oder die Kiste muss nicht nur das Gewicht der darüberliegenden Ware tragen, sondern auch die dynamischen Lastspitzen bei Schlaglöchern abfangen.
  • Verbundstabilität: Die Packstücke innerhalb einer Palette müssen so miteinander verzahnt oder gesichert sein (z. B. durch Stretchfolie oder Umreifung), dass sie sich bei seitlichen Kräften nicht gegeneinander verschieben.
  • Polsterung: Das Innenleben einer Verpackung muss das Produkt vor Stößen aus allen Richtungen schützen. Ein Produkt darf innerhalb der Umverpackung nicht "wandern".

Praxis-Relevanz 2026: Simulation und Sensorik

Im Jahr 2026 wird die Beherrschung dreidimensionaler Belastungen zunehmend durch Technologie unterstützt:

Digitale Transportsimulation:Bevor eine neue Verpackung in Serie geht, wird sie in virtuellen Testumgebungen simuliert. Mittels Finite-Elemente-Methoden (FEM) wird berechnet, an welcher Stelle die Verpackung bei einer kombinierten Belastung aus Kurvenfahrt und gleichzeitigem vertikalen Stoß nachgeben würde.

Smart Packaging & Datenlogger:In die Supply Chain integrierte Datenlogger zeichnen Beschleunigungswerte in allen drei Dimensionen in Echtzeit auf. Überschreitet ein Stoß (G-Kraft) auf einer bestimmten Achse den Grenzwert, wird dies sofort im System vermerkt. Dies ist besonders bei der Haftungsklärung von Transportschäden essenziell.

Ladungssicherung 2.0:Moderne Anti-Rutsch-Matten und Zurrgurte werden heute so kombiniert, dass sie das Reibungsverhalten unter dynamischer Belastung optimieren. Ziel ist es, die Eigenfrequenz der Ladung so zu beeinflussen, dass sie sich nicht mit der Schwingung des Fahrzeugs aufschaukelt.

Experten-Tipp: Denken Sie bei der Transportplanung daran, dass Schienentransporte (Rangierstöße) und Seeschiffe (Längs- und Querneigung) deutlich höhere Anforderungen an die dreidimensionale Belastbarkeit stellen als der Standard-Straßentransport.

Fazit

Die dreidimensionale Belastung ist die physikalische Realität jedes Transports. Wer diese Kräfte ignoriert, riskiert teure Warenverluste und gefährdet die Verkehrssicherheit. Durch die Kombination aus robuster Verpackung, zertifizierter Ladungssicherung und moderner Überwachungstechnologie lässt sich das Risiko jedoch präzise steuern und minimieren.

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