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Lieferkettenmanagement (SCM): Aufgaben, Ziele & Strategien 2026

Fachartikel: Lieferkettenmanagement – Die integrierte Steuerung der Wertschöpfung

Lieferkettenmanagement (Supply Chain Management, SCM) bezeichnet die prozessorientierte Planung, Steuerung und Kontrolle aller Waren-, Informations- und Geldflüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dies reicht von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zur Auslieferung an den Endkunden und schließt auch die Entsorgungslogistik (Reverse Logistics) mit ein. Im Jahr 2026 ist das SCM das Herzstück resilienter Unternehmen, um in einer volatilen Weltwirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Kernaufgaben des SCM

Das Lieferkettenmanagement koordiniert verschiedene Funktionsbereiche, um eine nahtlose Logistikkette zu gewährleisten:

  • Bedarfsplanung (Demand Planning): Prognose künftiger Kundenbedarfe mittels KI-gestützter Analysen, um Überbestände oder Fehlmengen zu vermeiden.
  • Beschaffungsmanagement: Auswahl und Steuerung von Lieferanten sowie die Sicherstellung der Materialverfügbarkeit.
  • Produktionslogistik: Synchronisation der Fertigungsprozesse mit dem Materialzufluss, oft gesteuert nach dem Pull-Prinzip.
  • Distributionslogistik: Optimierung der Auslieferung an den Kunden, inklusive der strategischen Transportplanung und Lagerung in der Hochregaltechnik.
  • Informationsmanagement: Sicherstellung der Datentransparenz zwischen allen Partnern durch vernetzte Systeme wie ERP und Transport Management Systeme (TMS).

Strategische Ziele im Lieferkettenmanagement

Ein professionelles SCM verfolgt im Jahr 2026 primär drei Zieldimensionen:

1. Wirtschaftlichkeit (Kosteneffizienz)Reduzierung der Prozesskosten durch Vermeidung von Verschwendung (Lean Management), Senkung der Bestände zur Minimierung der Kapitalbindung und Optimierung der Transportauslastung.

2. Lieferqualität und KundenzufriedenheitErhöhung der Liefertreue und Lieferfähigkeit. Kunden erwarten 2026 maximale Transparenz durch Echtzeit-Tracking und kurze Durchlaufzeiten.

3. Resilienz und AgilitätDie Fähigkeit der Lieferkette, flexibel auf Störungen (z. B. Naturkatastrophen, Streiks oder geopolitische Krisen) zu reagieren. Dies wird oft durch Strategien wie Multi-Sourcing oder regionales "Nearshoring" erreicht.

4. Nachhaltigkeit (Green Logistics)Die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks über die gesamte Kette hinweg ist 2026 nicht mehr nur freiwillig, sondern durch regulatorische Anforderungen (z. B. Lieferkettengesetz) zwingend erforderlich.

Praxis-Relevanz 2026: Technologische Enabler

Im Jahr 2026 wird das Lieferkettenmanagement durch Digitalisierung auf ein neues Level gehoben:

  • Digitaler Zwilling (Digital Twin): Unternehmen erstellen 2026 virtuelle Abbilder ihrer Lieferketten, um Szenarien in Echtzeit zu simulieren und Risiken proaktiv zu managen.
  • Blockchain-Technologie: Sie sorgt für eine fälschungssichere Dokumentation von Herkunftsnachweisen und automatisiert Zahlungsflüsse über Smart Contracts.
  • IoT und Identifizierungssysteme: Sensoren und RFID-Tags ermöglichen eine lückenlose Überwachung von Standort und Zustand (z. B. Temperatur im Frigotransport) der Waren.
  • Autonome Logistik: Der Einsatz von fahrerlosen Transportsystemen und Drohnen optimiert die letzte Meile und die innerbetriebliche Logistik.

Experten-Tipp: Erfolgreiches SCM im Jahr 2026 bedeutet "Collaborative Planning". Teilen Sie Ihre Absatzprognosen proaktiv mit Ihren Lieferanten und Logistikdienstleistern. Nur durch diesen Informationsaustausch kann die gesamte Kette synchronisiert und der gefürchtete "Peitscheneffekt" (Bullwhip-Effect) vermieden werden.

Fazit

Das Lieferkettenmanagement hat sich von einer rein operativen Abwicklungsfunktion zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil entwickelt. Durch die Integration moderner Technologien und den Fokus auf Nachhaltigkeit und Resilienz sichert das SCM im Jahr 2026 die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen in einer global vernetzten Welt.

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