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Green Logistics: Maßnahmen, Vorteile & Beispiele

Fachartikel: Green Logistics – Die ökologische Transformation der Supply Chain

Green Logistics (deutsch: Grüne Logistik) beschreibt alle Bemühungen, die ökologischen Auswirkungen von Logistikaktivitäten zu messen und zu minimieren. Dabei geht es nicht nur um den reinen Transport, sondern um die gesamte Logistikkette – von der Produktgestaltung über die Lagerung bis hin zur Entsorgung und dem Recycling (Reverse Logistics). Im Jahr 2026 ist Green Logistics kein freiwilliges "Add-on" mehr, sondern durch strikte ESG-Richtlinien und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz eine ökonomische Notwendigkeit.

Zentrale Maßnahmen der Green Logistics

Um eine nachhaltige Transportplanung zu realisieren, setzen Unternehmen an verschiedenen Hebeln an:

  • Alternative Antriebe: Umstellung der Flotte von Diesel auf batterieelektrische LKWs (eHGVs), Wasserstoff-Brennstoffzellen oder Bio-LNG.
  • Modale Verlagerung (Modal Split): Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf umweltfreundlichere Verkehrsträger wie Schiene oder Binnenschiff.
  • Laderaumoptimierung: Einsatz von KI-Software zur Vermeidung von Leerfahrten und zur Maximierung der Auslastung (Bündelung von LTL zu FTL).
  • Energieeffiziente Lagerhaltung: Einsatz von Photovoltaikanlagen auf Lagerdächern, LED-Beleuchtung und Wärmerückgewinnung in Kühlhäusern (Frigotransport).
  • Nachhaltige Verpackung: Reduktion von Plastikmüll durch Mehrwegsysteme und biologisch abbaubare Polstermaterialien.

Vorteile für Unternehmen

Nachhaltigkeit in der Supply Chain zahlt sich im Jahr 2026 mehrfach aus:

1. KosteneinsparungenHöhere Effizienz bedeutet geringerer Ressourcenverbrauch. Weniger Kraftstoffverbrauch und optimierte Routen senken direkt die operativen Kosten. Zudem werden CO2-Abgaben (Emissionshandel) minimiert.

2. Compliance und ReportingUnternehmen müssen ihre Treibhausgasemissionen (Scope 1, 2 und 3) lückenlos nachweisen. Green Logistics liefert die notwendigen Daten für das CSR-Reporting.

3. Wettbewerbsvorteil und ImageKunden (B2B und B2C) bevorzugen zunehmend Partner mit einer grünen Bilanz. Ein nachhaltiger Fußabdruck wird zum entscheidenden Kriterium bei Ausschreibungen.

Praxisbeispiele und Innovationen 2026

Wie Green Logistics heute in der Praxis umgesetzt wird:

  • Synchromodaler Transport: Eine KI entscheidet in Echtzeit, ob eine Sendung per Zug oder LKW befördert wird, basierend auf der aktuellen CO2-Bilanz und der Verkehrslage.
  • Urban Hubs & Last Mile: In Innenstädten werden Pakete von großen LKW in Micro-Hubs umgeladen und die "Letzte Meile" mit elektrischen Lastenrädern oder autonomen Lieferrobotern zugestellt.
  • Circular Supply Chain: Unternehmen wie Möbelhersteller oder Elektronikproduzenten nutzen ihre Logistikkette, um Altgeräte direkt bei der Auslieferung von Neuware zurückzunehmen und dem Recyclingkreislauf zuzuführen.

Praxis-Relevanz 2026: Der digitale Product Passport

Im Jahr 2026 ist die Transparenz das wichtigste Gut:

  • Carbon Footprint Tracking: Jedes Versandstück verfügt über einen digitalen Zwilling, der den exakten CO2-Ausstoß jedes einzelnen Transportabschnitts speichert.
  • Grüne Korridore: Internationale Handelsrouten, auf denen Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (Ladesäulen, H2-Tankstellen) priorisiert ausgebaut wird, um emissionsfreie Fernverkehre zu ermöglichen.

Experten-Tipp: Beginnen Sie mit der "Low Hanging Fruit": Die Optimierung der Reifenluftdrücke und Fahrerschulungen für eine vorausschauende Fahrweise können den Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß sofort um 5–10 % senken, ohne hohe Investitionskosten.

Fazit

Green Logistics ist der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Durch die intelligente Verknüpfung von Technologie, alternativen Antrieben und effizienter Transportplanung gelingt es Unternehmen im Jahr 2026, ökologische Verantwortung mit ökonomischem Erfolg zu verbinden. Wer seine Logistikkette heute konsequent auf "Grün" trimmt, sichert sich seinen Platz in der globalen Handelswelt von morgen.

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