Fachartikel: EIR – Das "Übergabeprotokoll" im Containerverkehr
Der Equipment Interchange Receipt (EIR) ist ein unverzichtbares Dokument im internationalen Containerverkehr. Er dient als rechtlich bindendes Protokoll über den Zustand und die Identität eines Containers (Equipment) beim Wechsel des Verantwortungsbereichs – beispielsweise bei der Übergabe vom Hafen-Terminal an einen LKW-Fahrer oder bei der Rückgabe an ein Depot. In der Logistikkette des Jahres 2026 stellt der EIR sicher, dass Schäden eindeutig dem Verursacher zugeordnet werden können und die Haftungsfrage geklärt bleibt.
Die Funktion des EIR in der Logistikkette
Das Dokument erfüllt drei wesentliche Kernaufgaben:
- Zustandsdokumentation: Es hält fest, ob der Container Beulen, Löcher oder defekte Dichtungen aufweist.
- Bestandsführung: Es dient der Reederei als Nachweis, wo sich ihr Equipment befindet und wer aktuell dafür haftet.
- Haftungsübergang: Mit der Unterschrift auf dem EIR bestätigt der Übernehmende (z. B. der Frachtführer), dass er den Container in dem beschriebenen Zustand übernommen hat. Später entdeckte Schäden, die nicht im EIR vermerkt wurden, gehen zu Lasten des aktuellen Besitzers.
[Image: A terminal checker at a port gate inspecting a sea container, marking damage on a digital tablet that displays a schematic view of all six sides of the container.]
Typische Inhalte eines EIR
Ein moderner EIR im Jahr 2026 enthält eine Vielzahl präziser Datenpunkte, um die Transparenz in der Supply Chain zu erhöhen:
1. Identifikationsdaten
- Containernummer: Die eindeutige Kennung (z. B. ABCD1234567).
- Equipment-Typ: Angabe über Größe und Bauart (z. B. 40' High Cube).
- Nummer des Siegels (Seal Number): Dokumentation, ob das Zollsiegel unversehrt ist.
2. Zustandsbericht (Damage Report)
- Schematische Darstellung: Eine Skizze des Containers (Dach, Boden, Seitenwände, Türen), in der Mängel markiert werden.
- Schadenscodes: Standardisierte Kürzel für die Art des Schadens (z. B. "D" für Delle, "H" für Loch).
- Sauberkeit: Vermerk, ob der Innenraum frei von Gerüchen oder Rückständen der Vorfracht ist.
3. Transport- und Zeitdaten
- Kennzeichen des Fahrzeugs: Identifikation des abholenden LKWs.
- Zeitstempel: Exakte Uhrzeit der Ein- oder Ausfahrt (Gate-in / Gate-out).
- Terminal-Standort: Ort der Übergabe.
Praxis-Relevanz 2026: Der Übergang zum digitalen EIR
Im Jahr 2026 ist der papiergebundene EIR fast vollständig verschwunden. Digitale Lösungen haben den Prozess revolutioniert:
- Automatisierte Gate-Checks: Kamerasysteme (OCR-Technologie) erfassen beim Durchfahren des Hafentors automatisch die Containernummer und den äußeren Zustand. Der digitale EIR wird in Millisekunden erstellt und an das Transport Management System (TMS) gesendet.
- KI-Schadenserkennung: Künstliche Intelligenz vergleicht Bilder der aktuellen Übergabe mit Aufnahmen früherer Stationen der Logistikkette, um neue Schäden sofort zu identifizieren.
- Blockchain-Integration: Um Manipulationen am Zustandsprotokoll auszuschließen, werden EIR-Daten zunehmend in dezentralen Registern gespeichert. Dies schafft absolutes Vertrauen zwischen Reederei, Terminal und Spediteur.
Wichtiger Hinweis für Fahrer: Prüfen Sie den Container immer physisch, bevor Sie den EIR unterzeichnen. Sobald Sie das Terminalgelände verlassen haben, gilt der Container als im Zustand des EIR übernommen. Nachträgliche Reklamationen werden von den Terminals fast nie akzeptiert.
Fazit
Der Equipment Interchange Receipt (EIR) ist die Quittung für die Unversehrtheit des Ladungsträgers. Er schützt alle Beteiligten vor ungerechtfertigten Haftungsansprüchen und sorgt für Ordnung im komplexen globalen Warenstrom. Wer seine digitalen EIR-Daten sorgfältig archiviert, spart im Schadensfall Zeit, Geld und rechtliche Auseinandersetzungen innerhalb der Supply Chain.