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Durchschnittliche Lagerdauer: Berechnung & Aussagekraft

Fachartikel: Durchschnittliche Lagerdauer – Das Zeitmaß der Kapitalbindung

Die durchschnittliche Lagerdauer ist eine der zentralen Kennzahlen (KPIs) in der Lagerlogistik und im Bestandsmanagement. Sie gibt an, wie viele Tage ein Artikel oder das gesamte Warensortiment im Durchschnitt vom Zeitpunkt des Wareneingangs bis zum Warenausgang im Lager verbleibt. In der Logistikkette dient diese Kennzahl als Gradmesser für die Effizienz der Bestandsführung: Sie zeigt auf, wie lange Kapital in Form von Vorräten gebunden ist, bevor es durch den Verkauf wieder zu liquiden Mitteln wird.

Die logische Herleitung der Lagerdauer

Auch ohne mathematische Formeln lässt sich das Prinzip leicht verstehen: Die Lagerdauer steht in direktem Zusammenhang mit dem Lagerumschlag.Wenn ein Lager beispielsweise viermal im Jahr komplett "geleert" und wieder gefüllt wird (Umschlagshäufigkeit), bleibt die Ware im Schnitt drei Monate (ca. 90 Tage) liegen. Erhöht man die Geschwindigkeit des Umschlags, sinkt automatisch die Zeit, die ein einzelnes Produkt im Regal verbringt.

Aussagekraft und Interpretation

Die durchschnittliche Lagerdauer liefert wertvolle Erkenntnisse für die Transportplanung und das betriebswirtschaftliche Controlling:

1. Liquidität und CashflowEine hohe Lagerdauer bedeutet, dass finanzielle Mittel lange "tot" im Regal liegen. Dieses Geld steht nicht für andere Investitionen, wie etwa die Entwicklung neuer Produkte oder Marketing, zur Verfügung. Eine Senkung der Lagerdauer setzt gebundenes Kapital frei und verbessert die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens.

2. Lagerkosten und RisikenJe länger Ware lagert, desto höhere Kosten verursacht sie. Dazu gehören Miete für die Fläche, Energiekosten für Kühlung oder Beleuchtung sowie Versicherungsprämien. Zudem steigt mit jedem Tag das Risiko für:

  • Verderb: Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (besonders in der Pharma- und Lebensmittelbranche).
  • Veralterung: Produkte werden technisch überholt oder kommen aus der Mode (Obsoleszenz-Risiko).
  • Schwund: Beschädigungen durch häufiges Umlagern oder Diebstahl.

3. Identifikation von "Ladenhütern"Durch die Analyse der Lagerdauer lassen sich Artikel identifizieren, die sich nur sehr langsam bewegen (Langsamdreher). Diese blockieren wertvollen Platz, der für Schnelldreher mit höherer Gewinnmarge genutzt werden könnte.

Praxis-Relevanz 2026: Dynamische Optimierung

Im Jahr 2026 wird die durchschnittliche Lagerdauer nicht mehr nur rückblickend betrachtet, sondern aktiv durch moderne Technik gesteuert:

  • Predictive Analytics: KI-gestützte Systeme nutzen Marktdaten, um die Nachfrage so präzise vorherzusagen, dass die Lagerdauer auf das absolute Minimum reduziert wird (Just-in-Time-Prinzip).
  • Automatisierte Nachschubsteuerung: Sensoren und Software lösen Bestellungen genau so aus, dass die Ware erst kurz vor dem tatsächlichen Versand eintrifft.
  • Nachhaltigkeit (Green Logistics): Eine optimierte Lagerdauer reduziert den Bedarf an Lagerfläche. Weniger Fläche bedeutet weniger versiegelter Boden und ein geringerer Energieverbrauch für den Gebäudebetrieb.

Wichtiger Hinweis: Eine extrem kurze Lagerdauer ist nicht in jedem Fall ideal. Ist sie zu niedrig, deutet das auf mangelnde Sicherheitsbestände hin. Bei kleinsten Störungen in der Supply Chain kann es dann sofort zu Lieferunfähigkeiten (Out-of-Stock) kommen. Das Ziel ist eine "optimale" Balance, kein blinder Rekordwert.

Fazit

Die durchschnittliche Lagerdauer ist das Fieberthermometer der Lagerwirtschaft. Sie zeigt an, wie gesund der Materialfluss ist. Unternehmen, die diese Kennzahl im Griff haben, arbeiten effizienter, senken ihre Kosten und minimieren das Risiko von Warenverlusten. In einer vernetzten und schnellen Handelswelt ist die Zeit im Regal ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

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