Fachartikel: Verweilzeit – Der Zeitfaktor als Effizienzindikator
In der Logistik beschreibt die Verweilzeit die Zeitspanne, die ein Objekt (Ware, Ladungsträger oder Fahrzeug) an einem bestimmten Ort oder in einem definierten Prozessabschnitt verbringt. Sie ist eine der kritischsten Kennzahlen im Supply Chain Management, da eine hohe Verweilzeit meist mit gebundenem Kapital, blockierten Ressourcen und erhöhten Kosten korreliert. Im Jahr 2026 wird die Verweilzeit in Echtzeit überwacht, um Engpässe in der Logistikkette sofort zu identifizieren.
Man unterscheidet primär zwei Formen der Verweilzeit:
- Lagerverweilzeit: Die Dauer, die eine Ladeeinheit vom Wareneingang bis zum Warenausgang im Lager verbringt.
- Transportverweilzeit (Standzeit): Die Zeit, die ein Fahrzeug am Terminal oder an der Rampe während der Be- oder Entladung verbringt.
Mathematische Definition und Berechnung
Die durchschnittliche Verweilzeit eines Objekts im System lässt sich mathematisch über das Little’sche Gesetz herleiten. In der Praxis wird sie oft als Quotient aus dem durchschnittlichen Bestand und dem Durchsatz berechnet:
$$t_{v} = \frac{\bar{B}}{\dot{m}}$$
Variablen-Erklärung:
- $t_{v}$: Durchschnittliche Verweilzeit
- $\bar{B}$: Durchschnittlicher Bestand im System (z. B. Anzahl Paletten im Lager)
- $\dot{m}$: Durchsatz pro Zeiteinheit (z. B. Warenausgänge pro Tag)
Eine Reduzierung von $\bar{B}$ bei gleichbleibendem Durchsatz führt unmittelbar zu einer Senkung der Verweilzeit und damit zu einer höheren Umschlagshäufigkeit.
Optimierungsstrategien
Um die Verweilzeiten zu minimieren und die Logistikqualität zu steigern, setzen Unternehmen 2026 auf folgende Ansätze:
- Slot-Management: Durch exakte Zeitfensterbuchungen für Lkw wird die Verweilzeit an der Rampe minimiert, da Fahrzeuge punktgenau zur Heckbeladung eintreffen.
- Cross-Docking: Waren werden direkt vom Wareneingang zum Warenausgang geleitet, wodurch die Verweilzeit in der Hochregaltechnik entfällt.
- Automatisierung der Intralogistik: Schnellere Ein- und Auslagerprozesse durch Roboter reduzieren die prozessbedingten Liegezeiten.
- Trailer Drops: Die Entkopplung von Zugmaschine und Auflieger ermöglicht es, die Verweilzeit des Fahrers gegen Null zu senken, während der Auflieger flexibel beladen wird.
Praxis-Relevanz 2026: Echtzeit-Monitoring und Middleware
Im Jahr 2026 ist die Verweilzeit keine historische Kennzahl mehr, sondern ein dynamisches Steuerungsinstrument:
- Predictive Dwell Time: KI-Systeme prognostizieren 2026 basierend auf Wetter, Verkehr und Lagerkapazität die voraussichtliche Verweilzeit, noch bevor ein Lkw das Werksgelände erreicht.
- Middleware-Integration: Lösungen wie GM-DocuStream erfassen 2026 über Geofencing automatisch die ATA (Actual Time of Arrival) und die ATD (Actual Time of Departure). Die Differenz ergibt die exakte Verweilzeit an der Rampe, die ohne manuelles Eingreifen dokumentiert wird.
- Automatisierte Mahnwesen: Überschreitet die Verweilzeit eines Containers im Hafen ein definiertes Limit, löst das System 2026 automatisch Warnmeldungen aus, um Demurrage- und Detention-Gebühren zu vermeiden.
- Transparenz in der Supply Chain: Partner teilen ihre Verweilzeit-Daten über Cloud-Plattformen, um die gesamte Transportplanung aufeinander abzustimmen und "Warte-Inseln" zu eliminieren.
Experten-Tipp: Analysieren Sie die Verweilzeit differenziert nach "Wertschöpfend" (Bearbeitung) und "Nicht-Wertschöpfend" (Warten). Oft entfallen 80 % der gesamten Durchlaufzeit auf nicht-wertschöpfende Verweilzeiten, die durch einfache prozessuale Anpassungen oder bessere Middleware-Kommunikation eliminiert werden können.
Fazit
Die Verweilzeit ist im Jahr 2026 das Fieberthermometer der Logistik. Eine konsequente Minimierung dieser Kennzahl führt zu liquideren Mitteln und einer agileren Supply Chain. Durch den Einsatz intelligenter Middleware wird die Verweilzeit transparent und steuerbar, was Unternehmen einen entscheidenden Zeitvorteil im globalen Wettbewerb verschafft.