Logistik lexikon

Liner In / Free Out (LIFO): Bedeutung & Kostenverteilung

Fachartikel: Liner In / Free Out – Klare Grenzen in der maritimen Kostenverteilung

Liner In / Free Out (LIFO) ist eine spezifische Klausel in Seefrachtverträgen, die regelt, welche Kosten für den Umschlag (Laden und Löschen) im Frachtpreis enthalten sind und welche vom Befrachter (Ablader/Empfänger) separat getragen werden müssen. In der Logistikkette ist diese Klausel entscheidend für die Preiskalkulation und die Haftungsübergänge im Supply Chain Management.

Definition und Kostenaufteilung

Die Klausel setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, die den Prozess im Ladehafen und im Löschhafen definieren:

  • Liner In (Liner Terms beim Laden): Die Kosten für das Einladen der Ware in das Schiff sowie die Stauung und Sicherung an Bord sind bereits in der Seefracht enthalten. Der Reeder trägt hier das finanzielle Risiko und organisiert den Umschlag an der Ladekante.
  • Free Out (Frei aus dem Schiff): Der Reeder ist von den Kosten des Entladens (Löschens) im Zielhafen befreit ("free of expense to the vessel"). Diese Kosten sowie das Risiko des Entladevorgangs müssen vom Empfänger oder Befrachter getragen werden.

Anwendung und Bedeutung für die Transportplanung

Die Wahl der LIFO-Klausel hat direkte Auswirkungen auf die operative Abwicklung und die Transportplanung:

1. KalkulationssicherheitFür den Exporteur bietet "Liner In" den Vorteil, dass die Kosten im Abgangshafen fix kalkulierbar sind, da sie Teil der vereinbarten Frachtrate sind.

2. Flexibilität im Empfangshafen"Free Out" wird oft gewählt, wenn der Empfänger im Zielhafen über eigene Umschlagskapazitäten verfügt oder lokale Rahmenbedingungen (z. B. spezielle Terminals für Schwergut) einen direkten Vertrag zwischen Empfänger und Hafenbetreiber erfordern.

3. HaftungsübergangMit der Kostenverteilung geht oft auch eine vertragliche Regelung zum Gefahrenübergang einher. Beim "Free Out" endet die Verantwortlichkeit des Reeders für den physischen Umgang mit der Ware meist in dem Moment, in dem das schiffseigene oder landseitige Hebezeug die Ware im Löschhafen greift.

Praxis-Relevanz 2026: Transparenz durch digitale Frachtbriefe

Im Jahr 2026 wird die Abwicklung von LIFO-Kontrakten durch moderne IT-Infrastrukturen unterstützt:

  • Smart Contracts: Die Kostenverteilung wird 2026 in der Blockchain hinterlegt. Sobald der eCMR oder das digitale Konnossement den Status "Ankunft im Löschhafen" meldet, werden die Abrechnungsprozesse für die Entladungskosten automatisch zwischen Hafenbetreiber und Empfänger gestartet.
  • Echtzeit-Kostenkontrolle: Über das Transport Management System (TMS) können Verlader 2026 die lokalen Entladegebühren in verschiedenen Häfen weltweit vergleichen, um zu entscheiden, ob eine LIFO-Klausel oder eine Full Liner Term-Vereinbarung wirtschaftlich sinnvoller ist.
  • Identifizierungssysteme: Sensoren an der Ladeeinheit dokumentieren 2026 exakt den Moment des Löschens, um bei etwaigen Beschädigungen während des "Free Out"-Vorgangs die Haftungsfrage zweifelsfrei zu klären.

Experten-Tipp: Achten Sie bei "Free Out" Vereinbarungen besonders auf die sogenannten "Terminal Handling Charges" (THC). Oft ist unklar, ob diese Gebühren bereits unter die Free-Out-Regelung fallen oder separat berechnet werden. Eine präzise Definition im Frachtvertrag verhindert unvorhersehbare Zusatzkosten am Ende der Logistikkette.

Fazit

Liner In / Free Out ist ein bewährtes Instrument zur Kostensteuerung im Seeverkehr. Während der Reeder die Verantwortung für die Beladung übernimmt, liegt das Heft des Handelns (und die Kostenlast) beim Löschen beim Warenempfänger. Im Jahr 2026 sorgt die digitale Vernetzung dafür, dass diese Schnittstellen nahtlos in die gesamte Supply Chain integriert werden.

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