In der Seefracht, insbesondere bei der Befrachtung von Schiffen (Chartering), regeln Akronyme wie FIOS und FIOT die Verteilung der Kosten und Verantwortlichkeiten zwischen dem Schiffseigner (Owner) und dem Befrachter (Charterer). Diese Klauseln sind essenzieller Bestandteil einer Charterparty. Sie definieren präzise, welche Leistungen in der vereinbarten Frachtrate enthalten sind und welche Kosten separat vom Befrachter getragen werden müssen. In der Logistikkette des Jahres 2026 sind diese Kürzel entscheidend für die Preiskalkulation im Projektgeschäft und bei Massenguttransporten.
Die Klausel FIOS besagt, dass der Schiffseigner von den Kosten für das Laden (In), das Löschen (Out) und das fachgerechte Sichern der Ladung im Schiffsbauch (Stowed) befreit ist.
Für den Schiffseigner bedeutet FIOS eine reine "Sea-to-Sea"-Frachtrate. Er stellt lediglich den Laderaum zur Verfügung, während das Risiko und die Kosten der Hafenarbeit beim Befrachter liegen. Dies ist besonders bei Stückgut und Projektladung die gängige Praxis in der Transportplanung.
[Image: A heavy-lift vessel being loaded with industrial components. Workers are shown securing the cargo with chains (stowing), while a caption explains that these costs are borne by the charterer under FIOS terms.]
Die Klausel FIOT ist eine Variante, die speziell im Bereich der Schüttgutlogistik (Bulk) Anwendung findet. Hier tritt anstelle des Verstauens (Stowed) das sogenannte Trimmen (Trimmed).
Unter FIOT-Bedingungen muss der Befrachter also für das Beladen, das Entladen und das Trimmen der Fracht aufkommen. Der Schiffseigner ist von diesen Kosten "free".
Die Wahl zwischen FIOS/FIOT und anderen Klauseln (wie z. B. Liner Terms) hat massive Auswirkungen auf die Supply Chain:
1. KalkulationssicherheitDer Schiffseigner kann eine feste Rate anbieten, da er nicht dem Risiko schwankender Hafengebühren oder variabler Lohnkosten für Stauereibetriebe ausgesetzt ist. Der Befrachter hingegen muss diese Kosten in seiner lokalen Logistikkette genau einplanen.
2. Zeitrisiko (Laytime)Häufig sind FIOS/FIOT-Klauseln mit Regelungen zur Liegezeit gekoppelt. Wenn der Befrachter das Laden oder Löschen nicht in der vereinbarten Zeit schafft, muss er dem Eigner Demurrage (Liegegeld) zahlen.
3. HaftungDa der Befrachter die Stauereiunternehmen (Stevedores) beauftragt, haftet er unter FIOS-Bedingungen oft auch für Schäden am Schiff, die während des Ladevorgangs durch unsachgemäßes Handling entstehen.
Im Jahr 2026 werden FIOS- und FIOT-Vereinbarungen zunehmend digital überwacht:
Experten-Tipp: Achten Sie in der Charterparty genau auf die Nuancen. "FIOS" bedeutet nicht automatisch, dass der Schiffseigner keine Aufsichtspflicht hat. Der Kapitän hat immer das letzte Wort, wenn es um die Sicherheit des Schiffes geht (Safety of Navigation), auch wenn der Befrachter das Stauen bezahlt.
FIOS und FIOT sind die klaren Trennlinien der Kostenverantwortung im Seetransport. Sie ermöglichen eine transparente Aufteilung zwischen dem reinen Transportweg auf See und den komplexen Dienstleistungen im Hafen. Für Logistikmanager im Außenhandel ist das Verständnis dieser Klauseln die Voraussetzung für eine fehlerfreie Frachtkalkulation und ein effizientes Risikomanagement in der globalen Logistikkette.