In der metallverarbeitenden Industrie und der Automobilproduktion ist der Coil (englisch für „Spule“ oder „Rolle“) das zentrale logistische Objekt. Es handelt sich dabei um aufgewickelte Bänder aus Metall, meist Stahl oder Aluminium, die nach dem Walzvorgang für den Transport und die Weiterverarbeitung in diese kompakte, zylindrische Form gebracht werden. Trotz ihrer kompakten Maße stellen Coils aufgrund ihrer enormen Masse und der runden Form extreme Anforderungen an die Logistikkette. Ein einzelner Stahlcoil kann zwischen 15 und über 30 Tonnen wiegen, was den Coil Transport zu einer hochspezialisierten Disziplin der Schwerlastlogistik macht.
Die logistische Handhabung eines Coils beginnt bereits bei der Wahl des richtigen Equipments. Aufgrund der hohen Punktlasten und der Rollgefahr können Standard-Auflieger nur unter strengen Auflagen genutzt werden. Die Branche setzt daher auf spezialisierte Lösungen.
Das wichtigste Instrument im Straßentransport ist der Coilmulden-LKW. In den Boden des Aufliegers ist eine rinnenförmige Vertiefung – die sogenannte Mulde – eingelassen.
Im Lager werden Coils oft in speziellen Hochregalen oder in Bodenlagerplätzen mit Keilsicherungen aufbewahrt. Der Umschlag erfolgt mittels schwerer Brückenkräne, die mit C-Haken oder Coil-Zangen ausgestattet sind, oder durch spezialisierte Gabelstapler (Coil-Handler), die einen massiven Dorn anstelle von Gabelzinken besitzen. Hierbei ist höchste Präzision gefragt, da bereits kleinste Beschädigungen an den Kanten des aufgewickelten Metallbands das Material für die automatisierte Weiterverarbeitung (z. B. in Presswerken) unbrauchbar machen können.
Warum ist das Thema Coil für Speditionen und Logistiker heute so wichtig? Die Antwort liegt in der Kombination aus Masse und Dynamik. Ein unzureichend gesicherter Stahlcoil entwickelt bei einer Notbremsung oder in Kurven kinetische Energien, die das Führerhaus oder die Bordwände wie Papier durchschlagen können.
Die Ladungssicherung bei Coils unterliegt strengen Richtlinien (z. B. VDI 2700). Neben der formschlüssigen Sicherung in der Mulde müssen Schwerlast-Zurrgurte mit hohen Vorspannkräften eingesetzt werden.
Moderne Stahllogistik nutzt heute das Internet of Things (IoT), um Coils zu tracken. Da jeder Coil eine eindeutige Identifikationsnummer (oft via Barcode oder RFID) besitzt, können Verarbeiter genau nachverfolgen, welche Materialgüte sich gerade auf welchem LKW befindet. Dies ermöglicht eine Just-in-Time-Anlieferung direkt an die Produktionslinie, wodurch teure Lagerflächen in den Werken eingespart werden.
Der Coil ist weit mehr als nur eine Rolle Blech; er ist eine logistische Hochleistungseinheit. Die Anforderungen an den Coil Transport definieren die Grenze zwischen Standard-Spedition und spezialisierter Schwerlastlogistik. Durch den Einsatz von Coilmulden, zertifizierter Ladungssicherung und moderner Umschlagtechnik wird sichergestellt, dass dieses industrielle Grundprodukt sicher und unbeschädigt sein Ziel erreicht. Für Logistikdienstleister ist die Expertise in der Stahllogistik ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal, das höchste Ansprüche an Sicherheit, Equipment und Personal stellt.