Fachartikel: Optimaler Bestellzeitpunkt – Das Timing der Warenbeschaffung
Der optimale Bestellzeitpunkt ist der Moment innerhalb der Lagerhaltung, an dem eine neue Bestellung ausgelöst werden muss, um eine lückenlose Lieferfähigkeit zu garantieren, ohne die Lagerbestände unnötig aufzublähen. Er markiert den kritischen Punkt in der Logistikkette, an dem der aktuelle Bestand gerade noch ausreicht, um den Verbrauch während der Lieferzeit abzudecken. Im Supply Chain Management des Jahres 2026 ist das präzise Timing entscheidend für die Senkung der Kapitalbindung.
Zentrale Methoden zur Bestimmung
In der Praxis haben sich zwei grundlegende Ansätze etabliert, um den Bestellzeitpunkt festzulegen:
1. Das Bestellpunktverfahren (Ereignisorientiert)Hierbei wird für jeden Artikel ein fester Meldebestand (Reorder Point) definiert. Sobald dieser Schwellenwert durch Entnahmen aus der Hochregaltechnik erreicht oder unterschritten wird, löst das System automatisch eine Bestellung aus.
- Vorteil: Hohe Sicherheit bei unvorhersehbaren Bedarfsschwankungen.
- Praxis: Ideal für wertvolle A-Güter mit unregelmäßigem Verbrauch.
2. Das Bestellrhythmusverfahren (Terminorientiert)Bestellungen werden in festen Zeitintervallen getätigt (z. B. jeden Montag). Der Bestellzeitpunkt ist also kalendarisch fixiert. Die Bestellmenge variiert dabei je nach aktuellem Lagerstand.
- Vorteil: Geringer administrativer Aufwand und bessere Planbarkeit der Heckbeladung für den Frachtführer.
- Praxis: Besonders effizient bei C-Artikeln oder bei der Belieferung durch einen Milk Run.
Einflussfaktoren auf das Timing
Die Bestimmung des idealen Zeitpunkts ist keine statische Aufgabe, sondern hängt von dynamischen Faktoren ab:
- Wiederbeschaffungszeit: Die Zeitspanne von der Bestellauslösung bis zur Verfügbarkeit der Ware an der Rampe. Hierzu zählen Bearbeitungszeit, Transportzeit und die Zeit für die Qualitätsprüfung im Wareneingang.
- Verbrauchsgeschwindigkeit: Wie schnell wird der Artikel in der Produktion oder vom Kunden abgerufen?
- Sicherheitsbestand: Ein Puffer, der Unwägbarkeiten wie Lieferverzögerungen des Modullieferanten oder plötzliche Mehrbedarfe abfedert.
- Logistikqualität: Die Zuverlässigkeit der Partner in der Transportplanung beeinflusst, wie knapp der Bestellzeitpunkt kalkuliert werden kann.
Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Bestellauslösung
Im Jahr 2026 wird der optimale Bestellzeitpunkt durch hochvernetzte IT-Systeme in Echtzeit angepasst:
- Predictive Maintenance & AI: Künstliche Intelligenz analysiert 2026 globale Datenströme. Droht ein Streik im Hafen oder ein Wetterereignis die Logistikkette zu unterbrechen, zieht das System den Bestellzeitpunkt automatisch vor.
- Middleware-Integration: Lösungen wie GM-DocuStream sorgen dafür, dass die Bestellanforderung ohne Zeitverzug in die richtigen digitalen Dokumente übersetzt wird, was die administrative Vorlaufzeit gegen Null senkt.
- Echtzeit-Inventur: Durch den Einsatz von Identifizierungssystemen (RFID/IoT) kennt das WMS 2026 jede Warenbewegung sofort. Der Meldebestand wird dadurch präziser und Fehlmengen werden vermieden.
- Kollaborative Planung: Lieferant und Abnehmer teilen 2026 ihre Bestandsdaten. Der Lieferant sieht den Bestand des Kunden und löst die Lieferung im Sinne eines Vendor Managed Inventory (VMI) selbstständig zum optimalen Zeitpunkt aus.
Experten-Tipp: Prüfen Sie regelmäßig Ihre Stammdaten zur Lieferzeit. Oft sind in ERP-Systemen veraltete, zu lange Lieferzeiten hinterlegt. Dies führt dazu, dass der Bestellzeitpunkt zu früh gewählt wird, was Ihre Bestände in der Hochregaltechnik unnötig erhöht.
Fazit
Den optimalen Bestellzeitpunkt zu finden, ist im Jahr 2026 eine datengetriebene Disziplin. Während die grundlegenden Verfahren (Punkt vs. Rhythmus) bestehen bleiben, ermöglicht die digitale Transformation eine bisher ungekannte Präzision. Unternehmen, die ihr Timing beherrschen, profitieren von maximaler Liquidität bei gleichzeitig höchster Lieferbereitschaft.