In der internationalen Schifffahrt ist der Bunkerzuschlag, meist als BAF (Bunker Adjustment Factor) bezeichnet, einer der bedeutendsten Zuschläge auf die Basisfrachtrate. Er dient dazu, die Reedereien (Carrier) gegen die starken Preisschwankungen für Schiffstreibstoff (Bunkeröl) abzusichern. Da die Treibstoffkosten bis zu $50\%$ der gesamten Betriebskosten eines Schiffes ausmachen können, ist eine Kalkulation mit festen Raten über lange Zeiträume kaum möglich. Der Bunkerzuschlag wird in der Regel monatlich oder quartalsweise angepasst und pro Container-Einheit (TEU) oder pro Tonne Fracht erhoben.
Der maritime Sektor reagiert extrem sensibel auf geopolitische Ereignisse und Ölpreisschwankungen. Ohne den BAF müssten Reedereien ihre Basisraten ständig ändern, was die Transportplanung für Verlader extrem intransparent machen würde.
Die genaue Formel für den Bunkerzuschlag variiert je nach Reederei und Fahrtgebiet, folgt aber meist einem standardisierten Prinzip. Die Basis bildet oft der Durchschnittspreis an wichtigen Bunkerplätzen wie Rotterdam, Singapur oder Fujairah.
$$BAF = \text{Treibstoffpreis pro Tonne} \times \text{Handelsfaktor (Trade Factor)}$$
Der Trade Factor berücksichtigt dabei den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch auf einer bestimmten Route im Verhältnis zur Gesamtkapazität des Schiffes und der Auslastung.
RouteDurchschnittlicher TreibstoffpreisTrade FactorBAF pro TEUAsien - Nordeuropa650 USD/t0.1597,50 USDTranspazifik680 USD/t0.22149,60 USD
Für Verlader und Speditionen ist der Bunkerzuschlag ein „variabler Posten“, der die Gesamtkalkulation der Logistikkette massiv beeinflussen kann.
Der Bunkerzuschlag ist ein unverzichtbares Instrument zur Stabilisierung der maritimen Wirtschaft. In einer Zeit, in der die Dekarbonisierung der Schifffahrt voranschreitet, wandelt sich der BAF von einer reinen Ölpreis-Kompensation zu einem komplexen Mechanismus für ökologische Energiekosten. Unternehmen, die ihre Supply Chain effizient steuern wollen, müssen die Dynamik hinter dem BAF verstehen und in ihre Budgetplanung einbeziehen, um vor Überraschungen bei der Frachtabrechnung geschützt zu sein.