Logistik lexikon

Just-In-Sequence (JIS): Definition, Prozess & Vorteile

Fachartikel: Just-In-Sequence (JIS) – Die Perfektion der reihenfolgegenauen Logistik

In der modernen Massenfertigung mit hoher Variantenvielfalt – wie sie heute im Automobilbau Standard ist – reicht es oft nicht mehr aus, Bauteile nur rechtzeitig zu liefern. Hier setzt Just-In-Sequence (JIS) an. Als konsequente Weiterentwicklung des Just-In-Time-Konzepts (JIT) stellt JIS sicher, dass die benötigten Komponenten nicht nur zum richtigen Zeitpunkt am Montageband ankommen, sondern auch in der exakten Reihenfolge, in der sie verbaut werden. Das bedeutet: Wenn auf dem Montageband ein rotes Auto, dann ein blaues und schließlich ein schwarzes folgt, müssen auch die entsprechenden Türverkleidungen oder Sitze genau in dieser Abfolge vom Logistikdienstleister angeliefert werden.

Funktionsweise & Details: Synchronisation in Echtzeit

Der JIS-Prozess ist eine logistische Meisterleistung, die eine extrem enge Verzahnung zwischen den IT-Systemen von Hersteller und Zulieferer erfordert.

Der JIS-Ablauf im Detail

  1. Sequenzabruf: Sobald ein Produkt (z. B. ein Fahrzeug) in die Endmontage geht und seine finale Konfiguration feststeht, sendet der Hersteller einen elektronischen Impuls (EDI) an den Zulieferer.
  2. Kommissionierung (Sequenzierung): Der Zulieferer entnimmt die spezifischen Teile aus seinem Lager oder fertigt sie direkt an und ordnet sie in speziellen Transportgestellen (Sequenzbehältern) genau nach der übermittelten Reihenfolge an.
  3. Transport: Die Ware wird im Vorlauf zum Werk transportiert. Da die Zeitfenster extrem knapp sind, befinden sich JIS-Zulieferer oft in unmittelbarer Nähe oder in einem benachbarten Güterverteilzentrum.
  4. Verbau: Die Behälter werden direkt an das Montageband geliefert. Der Werker entnimmt das nächste Teil, das garantiert zum aktuellen Fahrzeug passt.

Unterschied: JIT vs. JIS

  • Just-In-Time (JIT): Die richtige Menge zum richtigen Zeitpunkt (z. B. 100 Standardsitze für einen Arbeitstag).
  • Just-In-Sequence (JIS): Die richtige Menge zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Reihenfolge (z. B. 100 individualisierte Sitze exakt passend zur Fahrzeugsequenz).

[Image: A diagram showing a production line with different colored car frames and a delivery truck arriving with parts sorted in exactly the same color sequence]

Praxis-Relevanz: Warum JIS für die Industrie unverzichtbar ist

Das JIS-Verfahren ermöglicht eine enorme Komplexität bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung.

Die zentralen Vorteile

  • Null Lagerhaltung am Band: Da die Teile direkt in der Sequenz ankommen, entfällt jeglicher Pufferplatz und Sortieraufwand am Montageort.
  • Reduzierung der Durchlaufzeiten: Die Produktion kann ohne Unterbrechungen fließen, da keine Zeit für das Suchen oder Zuordnen von Varianten verloren geht.
  • Fehlervermeidung: Die vordefinierte Sequenz wirkt wie ein Poka-Yoke-System (Fehlervermeidung), da Verwechslungen bei der Montage fast ausgeschlossen sind.
  • Variantenvielfalt: Erst JIS macht es möglich, dass Kunden ihre Produkte (z. B. Autos) individuell konfigurieren können, ohne die Effizienz der Massenproduktion zu gefährden.

Risiken und Voraussetzungen

Ein JIS-System ist hochgradig störungsanfällig. Ein Stau auf der Zufahrtsstraße oder ein IT-Ausfall kann innerhalb von Minuten zum Bandstillstand führen. Daher sind Echtzeit-Tracking, eine redundante IT-Infrastruktur via EDI und eine absolut zuverlässige Transportplanung zwingende Voraussetzungen. In der Praxis werden oft Notfall-Konzepte und Sicherheitsbestände in der Nähe des Werks vorgehalten, um kleine Verzögerungen abzufangen.

Fazit

Just-In-Sequence ist die Königsdisziplin der Logistik. Es verwandelt die Lieferkette in ein fließendes, hochpräzises Uhrwerk. Durch die radikale Eliminierung von Lager- und Suchzeiten am Montageband schafft JIS die Basis für eine hochflexible und dennoch wirtschaftliche Produktion. Für Logistikunternehmen bedeutet die Umsetzung von JIS-Prozessen eine tiefe Integration in die Wertschöpfungskette des Kunden. Wer JIS beherrscht, bietet weit mehr als nur Transport – er bietet operative Synchronität auf höchstem Niveau.

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