Im modernen Güterverkehr ist der Transport von gefährlichen Stoffen alltäglich, erfordert jedoch ein Höchstmaß an Präzision und Fachwissen. Als Gefahrgut werden Stoffe und Gegenstände bezeichnet, von denen aufgrund ihrer Beschaffenheit Gefahren für die öffentliche Sicherheit, für Menschen, Tiere oder die Umwelt ausgehen können. Um diese Risiken zu minimieren, unterliegt der Transport von Gefahrgut strengen internationalen und nationalen Vorschriften, allen voran dem ADR (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) und der deutschen GGVSEB. Jede Sendung muss korrekt klassifiziert, verpackt und gekennzeichnet werden, bevor sie die Reise auf der Straße, Schiene oder See antritt.
Damit alle Beteiligten in der Transportkette sofort erkennen, mit welcher Art von Risiko sie es zu tun haben, wird Gefahrgut in neun verschiedene Klassen unterteilt. Diese Klassifizierung bestimmt auch die Anforderungen an die Fahrzeugausrüstung und die Schutzkleidung der Fahrer.
[Image showing the 9 ADR hazard class diamonds/placards with their distinctive colors and symbols]
Ein zentrales Element der Gefahrgut Kennzeichnung ist die UN-Nummer. Dabei handelt es sich um eine vierstellige Zahl (z. B. UN 1203 für Benzin), die den Stoff weltweit eindeutig identifiziert. Zusammen mit der Gefahrnummer (Kempler-Zahl) auf den orangefarbenen Warntafeln am LKW gibt sie Rettungskräften im Falle eines Unfalls sofort Auskunft über die notwendigen Maßnahmen.
Für Speditionen und Verlader ist die Abwicklung von Gefahrguttransporten eine operative Herausforderung, die keinen Spielraum für Fehler lässt.
Jeder Gefahrguttransport muss von speziellen Papieren begleitet werden. Das wichtigste Dokument ist die Gefahrgut-Begleitpapier (oft integriert in den Frachtbrief), das genaue Angaben zur UN-Nummer, Klasse, Verpackungsgruppe und Tunnelbeschränkungscode enthalten muss. Ohne diese Dokumente darf ein LKW das Werksgelände nicht verlassen.
Moderne TMS (Transport Management Systeme) unterstützen Disponenten heute durch automatische Prüfungen. Das System erkennt sofort, ob bestimmte Stoffe zusammen geladen werden dürfen (Zusammenladeverbote) oder ob ein Fahrer über die notwendigen Qualifikationen verfügt. Dies erhöht die Sicherheit und reduziert das Risiko von Bußgeldern durch die GGVSEB.
Gefahrgut ist ein unverzichtbarer Teil unserer Industriegesellschaft, erfordert aber ein Höchstmaß an Verantwortung. Durch die strikte Einhaltung der ADR-Vorschriften und eine lückenlose Kennzeichnung wird der Transport dieser sensiblen Güter sicher und kalkulierbar. Für Logistikdienstleister bedeutet die Kompetenz im Umgang mit Gefahrgut eine wichtige Spezialisierung, die Vertrauen bei Kunden schafft und zur allgemeinen Sicherheit auf unseren Verkehrswegen beiträgt. Wer Gefahrgut versteht und digital steuert, macht Sicherheit zum Wettbewerbsvorteil.