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EUR.1: Ursprung, Zollvorteile & Beantragung

Fachartikel: EUR.1 – Der Schlüssel zur Zollfreiheit im Außenhandel

Die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 ist ein formeller Ursprungsnachweis, der im internationalen Handel zwischen der EU und Ländern verwendet wird, mit denen Freihandels-, Präferenz- oder Assoziationsabkommen bestehen. Das Dokument dient dazu, den Präferenzursprung einer Ware nachzuweisen. In der Logistikkette des Jahres 2026 ist die EUR.1 eines der wichtigsten Instrumente, um die Einfuhrabgaben beim Empfänger drastisch zu reduzieren oder sogar vollständig zu eliminieren.

Warum ist die EUR.1 so wichtig?

Handeln Unternehmen mit Partnerstaaten (z. B. Schweiz, Norwegen, Ägypten oder Marokko), fallen ohne Ursprungsnachweis die regulären Drittlandszollsätze an. Durch Vorlage einer gültigen EUR.1 bei der Einfuhrverzollung im Bestimmungsland wird der Präferenzzollsatz angewendet. Dies führt zu:

  • Wettbewerbsvorteilen: Da die Ware für den Käufer günstiger wird.
  • Kostenersparnis: Direkte Reduktion der Kalkulationsgrundlage in der Transportplanung.
  • Rechtssicherheit: Eindeutige Dokumentation der Handelsbeziehungen gemäß geltenden Abkommen.

Voraussetzungen für den Präferenzursprung

Nicht jede Ware, die aus der EU versendet wird, erhält automatisch eine EUR.1. Damit die Ware als "Ursprungserzeugnis der EU" gilt, müssen spezifische Kriterien erfüllt sein:

  1. Vollständige Gewinnung oder Herstellung: Die Ware wurde komplett in der EU erzeugt (z. B. Agrarprodukte).
  2. Ausreichende Be- oder Verarbeitung: Rohstoffe aus Drittländern wurden in der EU so stark verarbeitet, dass ein neues Produkt entstanden ist (oft definiert durch einen Sprung der Tarifnummer oder eine bestimmte Wertschöpfungsquote).
  3. Minimalbehandlungen: Einfaches Umpacken oder Etikettieren reicht nicht aus, um einen Präferenzursprung zu begründen.

Der Prozess der Beantragung

Im Jahr 2026 erfolgt die Beantragung der EUR.1 meist hybrid oder voll digital über die Zollportale (z. B. ATLAS in Deutschland). Der Ablauf gestaltet sich wie folgt:

  • Erstellung des Antrags: Der Exporteur füllt das Formular sowie den Antrag auf der Rückseite aus.
  • Nachweispflicht: Dem Zoll müssen Belege vorgelegt werden, die den Ursprung belegen (z. B. Lieferantenerklärungen).
  • Zollamtliche Bescheinigung: Das zuständige Binnenzollamt prüft die Unterlagen, stempelt die EUR.1 ab und gibt sie dem Exporteur zurück.
  • Versand: Das Originaldokument muss physisch oder digital zusammen mit den restlichen Versandpapieren den Empfänger erreichen, um bei der Einfuhrverzollung vorgelegt zu werden.

Praxis-Relevanz 2026: Vereinfachungen und Stolperfallen

Im modernen Außenhandel gibt es wichtige Alternativen und Regeln, die Logistikmanager kennen müssen:

1. Ermächtigter Ausführer (EA) und Registrierter Ausführer (REX)Unternehmen mit hohem Exportvolumen können sich als "Ermächtigter Ausführer" zertifizieren lassen. Sie dürfen den Ursprungstext einfach auf die Rechnung drucken und benötigen für viele Länder keine physische EUR.1 mehr. Das beschleunigt die Supply Chain massiv.

2. WertgrenzenBis zu einem Warenwert von aktuell 6.000 EUR ist keine EUR.1 nötig – hier reicht eine einfache Ursprungserklärung auf der Rechnung aus.

3. Nachträgliche AusstellungSollte die EUR.1 beim Export vergessen worden sein, kann sie "nachträglich" (Issued Retrospectively) beantragt werden. Dies ist jedoch oft mit hohem administrativem Aufwand und Verzögerungen verbunden.

Wichtiger Hinweis: Die EUR.1 ist ein Wertdokument. Ein Verlust des Originals während des Transports führt dazu, dass der Empfänger zunächst den vollen Zollsatz zahlen muss, bis ein Duplikat mühsam beschafft wurde. Eine digitale Archivierung der Kopie ist für die interne Revision zwingend erforderlich.

Fazit

Die EUR.1 bleibt auch 2026 ein zentraler Baustein für kosteneffiziente globale Lieferketten. Sie erfordert jedoch eine saubere Dokumentation im Hintergrund. Wer die Ursprungsregeln beherrscht und die Beantragungsprozesse digitalisiert, optimiert nicht nur seine Zollkosten, sondern stärkt auch die Resilienz seiner gesamten Logistikkette.

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