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Lagerhaltungsstrategien: Überblick, Konzepte & Entscheidungshilfen

Fachartikel: Lagerhaltungsstrategien – Die Ordnung hinter dem Materialfluss

Unter Lagerhaltungsstrategien versteht man die organisatorischen Regeln und Konzepte, nach denen Waren in ein Lager einsortiert, dort verwaltet und wieder entnommen werden. Sie bilden das Fundament der Intralogistik und bestimmen maßgeblich die Effizienz der gesamten Logistikkette. Im Jahr 2026 ist die Wahl der richtigen Strategie entscheidend, um Durchlaufzeiten zu minimieren und die Kapitalbindung im Supply Chain Management zu optimieren.

Strategien zur Ein- und Auslagerung

Die Wahl der Entnahmestrategie hat direkten Einfluss auf die Haltbarkeit und Qualität der Bestände:

  • First-In-First-Out (FiFo): Die zuerst eingelagerte Ware wird auch zuerst wieder entnommen. Dies ist der Standard für verderbliche Güter oder Produkte mit Verfallsdatum, oft eingesetzt im Frigotransport.
  • Last-In-First-Out (LiFo): Die zuletzt eingelagerte Ware wird zuerst entnommen. Dies findet häufig Anwendung in Kanalregalen oder bei Schüttgütern, bei denen ein Umschichten zu aufwendig wäre.
  • First-Expired-First-Out (FEFO): Hier entscheidet nicht das Einlagerungsdatum, sondern das Mindesthaltbarkeitsdatum. Ein Muss in der Pharma- und Lebensmittellogistik.
  • Highest-In-First-Out (HiFo) / Lowest-In-First-Out (LoFo): Diese Strategien basieren auf dem Warenwert, um die Bestandsbewertung in der Bilanz zu optimieren.

Strategien der Lagerplatzordnung

Neben der Entnahme muss auch der Ort der Lagerung strategisch gewählt werden:

1. Festplatzsystem (Statische Lagerhaltung)Jedem Artikel ist ein fester Platz im Regal (z. B. in der Hochregaltechnik) zugewiesen.

  • Vorteil: Hohe Orientierung auch ohne IT-Systeme.
  • Nachteil: Geringe Flächenausnutzung, da Plätze bei Nullbestand leer bleiben.

2. Freiplatzsystem (Chaotische Lagerhaltung)Die Ware wird dort eingelagert, wo gerade Platz ist. Die Steuerung erfolgt zwingend über ein Warehouse Management System (WMS).

  • Vorteil: Maximale Raumausnutzung und Flexibilität.
  • Nachteil: Hohe Abhängigkeit von funktionierenden Identifizierungssystemen wie RFID oder Barcodes.

3. ABC-ZonungWaren werden nach ihrer Zugriffshäufigkeit gelagert. A-Güter (Schnelldreher) liegen nahe an der Kommissionierzone oder der Heckbeladung, C-Güter in entlegeneren Bereichen.

[Image showing a heat map of a warehouse with A-items stored near the shipping docks and C-items in the back]

Entscheidungshilfe: Welche Strategie passt?

Die Auswahl der optimalen Strategie hängt von spezifischen Parametern Ihrer Transportplanung ab:

  • Haltbarkeit: Erfordert zwingend FiFo oder FEFO.
  • Umschlagshäufigkeit: Bestimmt, ob eine ABC-Zonung oder chaotische Lagerhaltung effizienter ist.
  • Lagertechnik: Ein Kanalregal erzwingt oft LiFo, während Durchlaufregale FiFo unterstützen.
  • Digitalisierungsgrad: Chaotische Lagerhaltung ist ohne ein modernes WMS nicht prozesssicher umsetzbar.

Praxis-Relevanz 2026: Intelligente und dynamische Strategien

Im Jahr 2026 werden Lagerhaltungsstrategien nicht mehr starr vorgegeben, sondern durch KI dynamisch angepasst:

  • Predictive Slotting: Die KI erkennt 2026 Trends und ordnet Lagerplätze proaktiv neu an, bevor die Pick-Welle beginnt, um Wegezeiten zu minimieren.
  • Autonome Optimierung: Fahrerlose Transportsysteme führen 2026 in auftragsarmen Zeiten selbstständig Umlagerungen durch, um das Lager für den nächsten Tag zu optimieren (Hol-Prinzip).
  • Nachhaltigkeitsmetriken: Strategien werden 2026 auch nach energetischen Gesichtspunkten gewählt (Green Logistics), um beispielsweise die Verfahrwege schwerer Lasten in der Hochregaltechnik zu minimieren.

Experten-Tipp: Prüfen Sie regelmäßig Ihre ABC-Struktur. Artikel, die heute Schnelldreher sind, können morgen Ladenhüter sein. Eine dynamische Anpassung der Lagerplätze kann die Kommissionierleistung um bis zu 20 % steigern.

Fazit

Die richtige Lagerhaltungsstrategie ist der unsichtbare Taktgeber einer effizienten Logistik. Im Jahr 2026 ermöglichen digitale Tools den Wechsel von starren Systemen hin zu einer hochflexiblen, datengesteuerten Lagerführung. Wer seine Strategie exakt auf sein Produktspektrum und seine Kundenanforderungen abstimmt, sichert sich einen entscheidenden Vorsprung in der globalen Supply Chain.

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