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Optimaler Lagerbestand: Kennzahlen, Steuerung & Strategien 2026

Fachartikel: Optimaler Lagerbestand – Die Balance der Vorräte

Der optimale Lagerbestand bezeichnet die Menge an Vorräten, die gerade groß genug ist, um die Lieferbereitschaft sicherzustellen, aber gleichzeitig so klein wie möglich gehalten wird, um die Kapitalbindung und Lagerkosten zu minimieren. In der Logistikkette des Jahres 2026 ist die Erreichung dieses Bestandsniveaus ein kritischer Wettbewerbsvorteil im Supply Chain Management, da sie direkt die Liquidität und Rentabilität eines Unternehmens beeinflusst.

Zentrale Kennzahlen zur Steuerung

Um den optimalen Bestand in der Hochregaltechnik oder im Freilager zu steuern, nutzt die Logistik mathematische Modelle und Kennzahlen:

1. Mindestbestand (Sicherheitsbestand)

Dieser Puffer dient dazu, Unsicherheiten bei der Lieferzeit oder plötzliche Mehrbedarfe abzufangen. Er sollte im Idealfall nie angebrochen werden.

Die Formel lautet:

$$Sicherheitsbestand = Durchschnittlicher \text{ } Tagesverbrauch \cdot Sicherheitszuschlag \text{ (in Tagen)}$$

2. Meldebestand (Bestellpunkt)

Der Bestand, bei dessen Erreichen eine neue Bestellung ausgelöst werden muss, um den Zeitraum bis zur Lieferung zu überbrücken.

$$Meldebestand = (Tagesverbrauch \cdot Lieferzeit \text{ in Tagen}) + Sicherheitsbestand$$

3. Höchstbestand

Die Obergrenze des Lagervorrats, die aus wirtschaftlichen oder physischen Kapazitätsgründen (Lagerplatz) nicht überschritten werden sollte.

$$Höchstbestand = Sicherheitsbestand + Optimale \text{ } Bestellmenge$$

Einflussfaktoren auf das Bestandsniveau

Der optimale Lagerbestand ist keine statische Zahl, sondern wird von dynamischen Faktoren beeinflusst:

  • Logistikqualität: Eine hohe Liefertreue der Modullieferanten erlaubt es, den Sicherheitsbestand zu senken.
  • Wiederbeschaffungszeit: Je schneller die Ware nach einer Bestellung an der Rampe zur Heckbeladung bereitsteht, desto geringer kann der Meldebestand ausfallen.
  • Lagerkosten: Hierzu zählen nicht nur die Raumkosten, sondern auch Energie (z. B. im Frigotransport), Versicherung und das Risiko von Veralterung.
  • Kapitalkosten: Der Zinssatz, zu dem das im Lager gebundene Kapital finanziert wird.

Praxis-Relevanz 2026: Intelligente Bestandsführung

Im Jahr 2026 wird der optimale Lagerbestand durch hochvernetzte Systeme in Echtzeit optimiert:

  • Predictive Analytics: KI-Algorithmen analysieren 2026 globale Markttrends, Wetterdaten und politische Ereignisse, um den Bedarf präziser vorherzusagen und Bestände proaktiv anzupassen.
  • Echtzeit-Transparenz: Durch Identifizierungssysteme (RFID/IoT) ist jeder Artikel in der Logistikkette sichtbar. "Geisterbestände" werden eliminiert, was die Genauigkeit der Bestandssteuerung massiv erhöht.
  • Middleware-Integration: Lösungen wie GM-DocuStream automatisieren den Informationsfluss zwischen Lager und Einkauf. Sobald der Meldebestand unterschritten wird, erfolgt die Bestellung inklusive aller nötigen Dokumente ohne manuellen Eingriff.
  • Dynamic Safety Stock: Anstatt fester Puffer berechnet das System 2026 täglich neu, wie viel Sicherheit wirklich nötig ist, basierend auf der aktuellen Performance der Transportpartner in der Transportplanung.

Experten-Tipp: Führen Sie regelmäßig eine ABC/XYZ-Analyse durch. Konzentrieren Sie Ihre Bemühungen zur Bestandsoptimierung auf AX-Artikel (hoher Wert, konstanter Verbrauch), da hier die größte Hebelwirkung für die Kapitalfreisetzung liegt.

Fazit

Den optimalen Lagerbestand zu halten, ist im Jahr 2026 eine datengetriebene Hochleistungsdisziplin. Durch die Kombination aus klassischer Betriebswirtschaft und moderner KI-Steuerung gelingt es Unternehmen, ihre Resilienz zu steigern und gleichzeitig unnötige Kosten in der Intralogistik zu vermeiden.

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