Logistik lexikon

FORTRAS: Definition, Formate & Datenaustausch-Standard

Fachartikel: FORTRAS – Der Datenaustausch-Standard im Sammelgutverkehr

In der vernetzten Welt der Speditionen ist eine reibungslose Kommunikation zwischen Partnern und Systemen das A und O. Während EDIFACT der globale Allrounder ist, hat sich im europäischen Sammelgutverkehr ein spezieller Standard etabliert: FORTRAS (Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft für Transportwesen). Dieser Standard wurde speziell entwickelt, um die komplexen Prozesse bei der Übergabe von Sammelgutsendungen zwischen verschiedenen Speditionssoftware-Systemen zu vereinheitlichen. FORTRAS ermöglicht es, Sendungsdaten, Verladelisten und Statusmeldungen in einem fest definierten Format zu übertragen, sodass sie ohne manuelles Eingreifen direkt in das Transport Management System (TMS) des Empfängers eingelesen werden können.

Funktionsweise & Details: Feste Satzstrukturen für höchste Präzision

Im Gegensatz zu flexiblen Formaten wie XML basieren klassische FORTRAS-Dateien auf einer festen Satzlängenstruktur. Das bedeutet, dass jede Information (z. B. Postleitzahl, Gewicht oder Packstückanzahl) einen exakt definierten Platz innerhalb einer Textzeile einnimmt.

Die wichtigsten FORTRAS-Nachrichtentypen

Innerhalb des FORTRAS-Standards gibt es verschiedene Formate, die unterschiedliche Phasen des Transports abdecken:

  • BORD (z. B. BORD512): Das Bordero. Dies ist die elektronische Ladeliste, die alle Sendungen eines LKWs vom Versanddepot zum Empfangsdepot (siehe auch: Depot) überträgt. Sie enthält Details zu Absendern, Empfängern und den einzelnen Frachtstücken.
  • STAT: Die Statusnachricht. Hiermit werden Informationen über den Verlauf der Sendung zurückgemeldet (z. B. "erfolgreich entladen" oder "Ablieferhindernis").
  • ENTL: Die Entlademeldung. Sie gibt Aufschluss darüber, welche Sendungen tatsächlich physisch am Depot eingetroffen sind.

[Image showing a visual representation of a FORTRAS BORD file being translated from a sending TMS to a receiving TMS]

Praxis-Relevanz: Warum FORTRAS für Speditionen unverzichtbar ist

Obwohl modernere API-Schnittstellen und XML-Formate auf dem Vormarsch sind, bleibt FORTRAS aufgrund seiner extremen Zuverlässigkeit und weiten Verbreitung der "Industriestandard" in der europäischen Sammelgutlogistik.

Die Vorteile im Überblick

  • Systemunabhängigkeit: Speditionen können unterschiedliche Softwarelösungen nutzen und dennoch problemlos Sendungsdaten austauschen, solange beide Systeme den FORTRAS-Standard beherrschen.
  • Geschwindigkeit: Da Daten nicht mehr manuell abgetippt werden müssen, stehen Informationen über ankommende LKW bereits im System zur Verfügung, bevor das Fahrzeug das Depot erreicht.
  • Automatisierung: FORTRAS ermöglicht die automatische Erstellung von Rollkarten und die Tourenplanung in der Disposition, basierend auf den vorab gesendeten Bordero-Daten.
  • Fehlerreduktion: Die feste Struktur verhindert Missverständnisse bei der Datenübernahme und sorgt für eine hohe Datenqualität entlang der gesamten Transportkette.

Herausforderungen und Wandel

Die starre Struktur von FORTRAS macht es schwierig, neue, unvorhergesehene Datenfelder hinzuzufügen. Aus diesem Grund entwickeln sich die Standards ständig weiter (z. B. hin zu FORTRAS 100 oder XML-basierten Varianten), um auch Anforderungen wie detaillierte Sendungsverfolgung oder Gefahrgutdaten nach ADR noch besser abzubilden.

Fazit

FORTRAS ist der "stille Held" im Hintergrund des Sammelgutverkehrs. Er sorgt dafür, dass die physische Ware stets von ihrem digitalen Abbild begleitet wird. Für Logistikdienstleister bedeutet die Unterstützung dieses Standards die Fähigkeit zur nahtlosen Kooperation in nationalen und internationalen Netzwerken. In einer Branche, in der Effizienz durch Daten getrieben wird, bleibt FORTRAS ein unverzichtbarer Baustein für automatisierte und fehlerfreie Prozesse zwischen den Partnern der Supply Chain.

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