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Gefahrgutkennzeichnung: Symbole, Vorschriften & Praxis

Fachartikel: Gefahrgutkennzeichnung – Sicherheit durch Sichtbarkeit

Die Gefahrgutkennzeichnung ist ein weltweit standardisiertes System zur Identifizierung von Stoffen und Gegenständen, von denen beim Transport Gefahren für die öffentliche Sicherheit, die Gesundheit von Mensch und Tier sowie für die Umwelt ausgehen. Die korrekte Kennzeichnung stellt sicher, dass alle Beteiligten der Logistikkette – vom Lagerarbeiter bis zum Rettungsdienst im Falle eines Unfalls – sofort erkennen können, mit welcher Art von Risiko sie es zu tun haben.

Die drei Säulen der Kennzeichnung

Eine vollständige Gefahrgutkennzeichnung im Straßentransport (gemäß ADR) besteht in der Praxis aus drei wesentlichen Elementen:

1. Gefahrzettel (Labels) & Großzettel (Placards)Dies sind auf der Spitze stehende Quadrate mit spezifischen Piktogrammen und Farbcodes. Sie geben die Gefahrenklasse an (z. B. Klasse 3 für entzündbare flüssige Stoffe). Während kleine Gefahrzettel auf den Versandstücken (Paketen) kleben, werden große Placards außen an LKWs, Containern oder Tankwagen angebracht.

2. UN-NummernJedes Gefahrgut besitzt eine vierstellige Identifikationsnummer (z. B. UN 1203 für Benzin). Diese Nummer muss deutlich auf dem Versandstück und bei Tanktransporten auf der orangefarbenen Warntafel stehen.

3. Orangefarbene WarntafelnLKWs, die Gefahrgut befördern, müssen vorne und hinten mit reflektierenden orangefarbenen Tafeln gekennzeichnet sein. Bei Tanktransporten enthalten diese Tafeln zusätzlich die Gefahrnummer (Kemler-Zahl) und die UN-Nummer.

Wichtige Vorschriften im Überblick

Die Kennzeichnung ist kein Selbstzweck, sondern durch internationale Regelwerke streng vorgegeben:

  • ADR (Straße): Das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße.
  • RID (Schiene): Regelung für den internationalen Eisenbahnverkehr.
  • IMDG-Code (See): Vorschriften für den Seetransport.
  • IATA-DGR (Luft): Regelungen für die zivile Luftfahrt.
  • GHS/CLP: Das System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien am Arbeitsplatz und im Handel (oft ergänzend zur Transportkennzeichnung).

Praxis-Check: Korrekte Anbringung und Qualität

In der täglichen Transportplanung müssen folgende Punkte beachtet werden, um Bußgelder und Verzögerungen in der Supply Chain zu vermeiden:

  • Witterungsbeständigkeit: Kennzeichnungen müssen so beschaffen sein, dass sie auch nach einer dreimonatigen Seereise oder bei starkem Regen lesbar bleiben.
  • Kontrast: Die Aufkleber müssen sich deutlich vom Hintergrund des Versandstücks abheben.
  • Sichtbarkeit: Placards an Containern müssen an allen vier Seiten angebracht werden, um aus jedem Blickwinkel erkennbar zu sein.
  • Entfernungspflicht: Sobald ein Fahrzeug ungereinigt, aber leer ist, bleiben die Kennzeichen meist dran. Nach einer vollständigen Reinigung und Entgasung müssen sie jedoch entfernt oder abgedeckt werden.

Praxis-Relevanz 2026: Digitale Gefahrgutüberwachung

Im Jahr 2026 wird die physische Kennzeichnung durch digitale Technologien ergänzt:

  • E-Labels & RFID: Viele Gefahrgutbehälter verfügen 2026 über integrierte Chips. Sensoren erfassen in Echtzeit, ob die Ladung verrutscht ist oder ob die Temperatur innerhalb der kritischen Grenzen liegt.
  • Digitales ADR-Beförderungspapier (e-DAT): Informationen zur Kennzeichnung werden automatisch an die Rettungskräfte übermittelt, noch bevor diese am Unfallort eintreffen.
  • KI-Vision-Systeme: Kameras an den Werkstoren prüfen beim Verlassen des Geländes automatisch, ob alle Placards und UN-Nummern vorschriftsmäßig und an den richtigen Positionen angebracht sind.

Experten-Tipp: Achten Sie besonders auf "Limited Quantities" (LQ). Für geringe Mengen gefährlicher Güter gelten erleichterte Kennzeichnungspflichten (die Raute mit den schwarzen Ecken), was die Kosten in der Logistikkette erheblich senken kann.

Fazit

Die Gefahrgutkennzeichnung ist die Weltsprache der Sicherheit in der Logistik. Sie ermöglicht ein schnelles Handeln in kritischen Situationen und ist die Voraussetzung für eine rechtssichere Transportplanung. Wer hier spart oder nachlässig ist, gefährdet nicht nur Menschenleben, sondern riskiert auch den Stillstand seiner gesamten Supply Chain.

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