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Demurrage & Detention: Kostenfallen in der Seefracht | Logistik-Lexikon

Fachartikel: Demurrage & Detention – Wenn die Zeit im Hafen teuer wird

In der internationalen Seefracht sind Demurrage und Detention zwei der am häufigsten unterschätzten Kostenfaktoren. Beide Begriffe bezeichnen Gebühren, die Reedereien erheben, wenn Container länger als vereinbart genutzt werden. Da Container teure Vermögenswerte der Carrier sind, dient dieses Gebührenmodell dazu, den schnellen Umschlag des Equipments sicherzustellen. In der Logistikkette des Jahres 2026, in der Hafenkapazitäten oft knapp sind, können diese Kosten innerhalb weniger Tage die eigentliche Frachtrate übersteigen.

Was ist Demurrage?

Demurrage (Standgeld) fällt an, wenn ein voller Container innerhalb des Hafenterminals gelagert wird und die vereinbarte „Free Time“ (freier Zeitraum) überschritten wird.

  • Zeitraum: Die Uhr tickt ab dem Moment, in dem der Container vom Schiff gelöscht wird.
  • Grund: Verzögerungen bei der Zollabwicklung, fehlende Dokumente oder Kapazitätsengpässe beim Abtransport durch den Spediteur.

Was ist Detention?

Detention (Haltegebühr) wird berechnet, wenn der Container den Hafen bereits verlassen hat, aber nicht innerhalb der vereinbarten Zeit leer an das Depot der Reederei zurückgegeben wird.

  • Zeitraum: Die Zeit wird ab dem Verlassen des Hafengates bis zur Rückgabe des leeren Containers gezählt.
  • Grund: Lange Entladezeiten beim Empfänger oder Probleme bei der LKW-Disposition für die Rückführung.

[Image: A busy port terminal with stacked containers, with a digital stopwatch icon hovering over a single container, symbolizing the expiring "Free Time" and the onset of charges]

Die Kostenstruktur im Vergleich

Anstatt einer Tabelle finden Sie hier die wesentlichen Unterschiede übersichtlich aufgelistet:

1. Fokus der Gebühr

  • Demurrage: Bezieht sich auf die Nutzung des Platzes im Hafenterminal (Container ist voll).
  • Detention: Bezieht sich auf die Nutzung des Containers außerhalb des Hafens (Container ist beim Kunden).

2. Beginn der Berechnung

  • Demurrage: Startet nach Ablauf der Free Time im Hafen (meist 5 bis 7 Tage).
  • Detention: Startet nach Ablauf der Free Time außerhalb des Hafens (meist 3 bis 5 Tage).

3. Verantwortlichkeit

  • Demurrage: Oft verursacht durch Dokumentenfehler oder langsame Zollprozesse.
  • Detention: Oft verursacht durch Engpässe in der Lagerlogistik des Empfängers.

Praxis-Relevanz 2026: Strategien zur Kostenvermeidung

Im Jahr 2026 ist das proaktive Management dieser Gebühren ein wesentlicher Bestandteil der Transportplanung. Moderne Logistiksysteme helfen dabei, diese Kostenfallen zu umgehen:

  • Echtzeit-Monitoring: Durch IoT-Sensoren und digitale Schnittstellen (APIs) zu den Terminals erhalten Disponenten Warnmeldungen, bevor die Free Time abläuft.
  • Pre-Clearing: Die Zollabwicklung wird bereits eingeleitet, während sich das Schiff noch auf hoher See befindet, um die Zeit im Hafen (Demurrage) zu minimieren.
  • Erweiterte Free Time: Bei der Buchung der Seefracht können erfahrene Spediteure oft längere freie Zeiträume aushandeln, um Puffer für die Logistikkette zu schaffen.
  • Alternative Depots: Wenn das Hauptterminal überfüllt ist, kann die Rückgabe an ein Hinterland-Depot vereinbart werden, um Detention-Kosten zu sparen.

Rechenbeispiel (einfache Textform):Wenn eine Reederei 150 Euro pro Tag für Demurrage berechnet und die Free Time um 4 Tage überschritten wird, entstehen Zusatzkosten von 600 Euro pro Container. Bei einer Sendung von 10 Containern beläuft sich der ungeplante Verlust bereits auf 6.000 Euro.

Fazit

Demurrage & Detention sind kritische Variablen in der Kalkulation jeder Seefrachtsendung. Sie erfordern eine präzise Abstimmung zwischen dem physischen Warenfluss und der begleitenden Dokumentation. Unternehmen, die ihre Prozesse digital überwachen und Pufferzeiten in ihrer Supply Chain klug einplanen, schützen ihre Margen vor diesen vermeidbaren Zusatzkosten.

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