Logistik lexikon

Lenk- und Ruhezeiten LKW: Regeln, Tabelle & Pausen (2025)

Fachartikel: Lenk- und Ruhezeiten – Sicherheit und Recht im Fokus

Die Einhaltung der gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten ist eines der zentralen Themen im Arbeitsalltag von Berufskraftfahrern und Disponenten. Diese Regelungen dienen primär der Verkehrssicherheit, dem Arbeitsschutz der Fahrer und dem fairen Wettbewerb innerhalb der europäischen Logistikbranche. Verstöße gegen diese Vorschriften werden in Deutschland streng durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) kontrolliert und können sowohl für den Fahrer als auch für das Unternehmen (im Rahmen der Halterhaftung) empfindliche Bußgelder nach sich ziehen. Eine präzise Transportplanung, die diese Zeiten berücksichtigt, ist daher die Basis für eine zuverlässige Transportkette.

Funktionsweise & Details: Die wichtigsten Regeln im Überblick

Die Vorschriften für LKW-Fahrer (Fahrzeuge über 3,5 t zGG) sind in der EU-Verordnung (EG) Nr. 561/2006 und dem Fahrpersonalgesetz (FPersG) festgeschrieben.

1. Lenkzeiten

Die tägliche Lenkzeit darf grundsätzlich 9 Stunden nicht überschreiten. Zweimal pro Woche ist eine Verlängerung auf 10 Stunden zulässig.

  • Wöchentliche Lenkzeit: Maximal 56 Stunden.
  • Doppelwoche: In zwei aufeinanderfolgenden Wochen darf die Gesamtlenkzeit 90 Stunden nicht überschreiten.

2. Lenkzeitunterbrechungen (Pausen)

Nach einer Lenkdauer von 4,5 Stunden muss der Fahrer eine Pause von mindestens 45 Minuten einlegen. Diese kann in zwei Abschnitte gesplittet werden: zuerst mindestens 15 Minuten, gefolgt von mindestens 30 Minuten.

3. Ruhezeiten

Die tägliche Ruhezeit beträgt im Regelfall 11 Stunden innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums. Sie kann unter bestimmten Bedingungen auf 9 Stunden verkürzt werden (maximal dreimal zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten).

  • Wöchentliche Ruhezeit: Nach spätestens sechs 24-Stunden-Zeiträumen muss eine wöchentliche Ruhezeit von mindestens 45 Stunden eingelegt werden (verkürzbar auf 24 Stunden mit entsprechendem Ausgleich).

[Image: A clear table/infographic showing: Driving (4.5h) -> Break (45 min) -> Driving (4.5h) -> Daily Rest (11h). Plus a visual for the "splitting" rule of breaks.]

Praxis-Relevanz: Warum die Einhaltung für Speditionen kritisch ist

Für Disponenten bedeutet die Berücksichtigung der Lenk- und Ruhezeiten eine komplexe Rechenaufgabe, die direkten Einfluss auf die ETA (voraussichtliche Ankunftszeit) beim Kunden hat.

Die zentralen Herausforderungen:

  • Präzise Kalkulation: Liefertermine wie Just-in-Time-Vorgaben müssen so geplant werden, dass der Fahrer seine gesetzlichen Pausen einhalten kann, ohne den Zeitplan zu gefährden.
  • Parkplatznot: Besonders an Autobahnen ist es oft schwierig, zum exakten Zeitpunkt der fälligen Ruhezeit einen sicheren Stellplatz für den LKW zu finden.
  • Dokumentationspflicht: Dank des digitalen Tachographen werden alle Zeiten sekundengenau aufgezeichnet. Daten müssen regelmäßig ausgelesen und archiviert werden.
  • Strafrisiken: Bußgelder bei Überschreitungen können vierstellige Beträge erreichen. Ein modernes TMS (Transport Management System) warnt den Disponenten frühzeitig vor drohenden Zeitüberschreitungen.

Digitale Unterstützung

Moderne Telematik-Systeme übermitteln die aktuellen Lenkzeit-Daten des Fahrers in Echtzeit an die Zentrale. So kann die Disposition sofort reagieren, falls ein Stau die restliche Lenkzeit aufbraucht, und den Kunden proaktiv über Verzögerungen informieren.

Fazit

Die Lenk- und Ruhezeiten sind kein Hindernis, sondern eine notwendige Leitplanke für eine sichere und faire Logistik. Sie schützen den Fahrer vor Übermüdung und das Unternehmen vor rechtlichen Konsequenzen. Durch den Einsatz moderner Software und eine vorausschauende Planung lassen sich die gesetzlichen Vorgaben nahtlos in die operativen Abläufe integrieren. Wer die Zeiten im Griff hat, sorgt nicht nur für die Sicherheit auf den Straßen, sondern auch für die Stabilität und Professionalität seiner gesamten Lieferkette.

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