Logistikausschreibung: Ablauf, Unterlagen, Vergabe
Logistikausschreibung: Ablauf mit RFI, RFQ und RFP, Lastenheft, Mengengerüst und Preisblatt, Unterschied zwischen Transport- und Kontraktlogistik.
Logistikausschreibung: Ablauf mit RFI, RFQ und RFP, Lastenheft, Mengengerüst und Preisblatt, Unterschied zwischen Transport- und Kontraktlogistik.
Eine Logistikausschreibung, auch Logistik-Tender genannt, ist die strukturierte Anfrage eines Unternehmens an mehrere Logistikdienstleister, um Angebote für Transport- oder Lagerleistungen nach einheitlichen Vorgaben einzuholen und zu vergleichen. Grundlage sind Lastenheft, Mengengerüst und Preisblatt. Am Ende steht die Vergabe, etwa als Vertrag mit fester Laufzeit.
Eine Logistikausschreibung ist das strukturierte Verfahren, mit dem ein Unternehmen Transport- oder Lagerleistungen bei mehreren Dienstleistern anfragt. Andere Bezeichnungen sind Ausschreibung in der Logistik, Logistik-Tender oder bei reinen Transportleistungen Transportausschreibung. Auftraggeber sind Verlader aus Industrie und Handel, aber auch Speditionen, die Nahverkehre oder Linienverkehre an Frachtführer vergeben. Bieter sind Speditionen, Frachtführer und Kontraktlogistiker.
Ziel ist ein Vergleich auf gleicher Grundlage. Alle Bieter erhalten dieselben Daten und Vorgaben, damit sich Preise und Leistungen gegenüberstellen lassen. Der Preis ist dabei ein Kriterium neben Qualität, Kapazität, Netzabdeckung und IT-Anbindung.
Abzugrenzen ist die Ausschreibung vom Spotmarkt. Dort werden einzelne Ladungen kurzfristig zu Tagespreisen vergeben, etwa über eine Frachtbörse. Die Ausschreibung legt Preise und Leistungen dagegen für einen längeren Zeitraum fest. Verlader können beides kombinieren: vereinbarte Raten für das planbare Grundvolumen und den Spotmarkt für Spitzen.
Eine Transportausschreibung betrifft klar abgegrenzte Transporte, etwa Komplettladungen, Teilladungen oder Sammelgut auf festgelegten Relationen. Die Leistung lässt sich gut beschreiben, der Vergleich läuft vor allem über den Preis je Relation. Einzelne Relationen können an unterschiedliche Dienstleister vergeben werden.
Bei einer Ausschreibung in der Kontraktlogistik geht es um ein Paket aus Lagerung, Kommissionierung, Mehrwertdiensten und teils auch Transport, teils mit Immobilie, Personal und IT. Die Bieter erarbeiten ein Konzept, besichtigen die Abläufe und kalkulieren Fixkosten und mengenabhängige Preise.
Öffentliche Auftraggeber wie Bund, Länder und Kommunen müssen das Vergaberecht beachten. Oberhalb der EU-Schwellenwerte gelten Teil 4 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (§§ 97 ff. GWB) und die Vergabeverordnung (VgV), die Aufträge werden europaweit bekannt gemacht. Unterhalb der Schwellenwerte gilt Haushaltsrecht mit unterschiedlichen Vorgaben bei Bund und Ländern, etwa der Unterschwellenvergabeordnung (UVgO). Fristen, Form der Angebote und Bewertungskriterien sind dort streng vorgegeben. Private Unternehmen sind grundsätzlich nicht an das Vergaberecht gebunden.
Die Spedition prüft zuerst, ob Relationen, Mengen und Anforderungen zum eigenen Netz und zu den Kapazitäten passen. Das Mengengerüst wird in die eigene Kalkulation übertragen, unklare Angaben werden in der Rückfragenphase geklärt. Ebenso wichtig sind die IT-Vorgaben: In welchem Format kommen die Aufträge, welche Statusmeldungen werden erwartet, und kann das TMS sie liefern?
Ein Beispiel: Ein Baustoffhersteller schreibt seine Teilladungen von zwei Werken in alle deutschen Postleitzahlgebiete aus. Eine regionale Spedition bietet nur auf die Gebiete, die sie mit eigenen Fahrzeugen und Partnern zuverlässig bedienen kann, statt das ganze Paket zu kalkulieren.
Tender ist der englische Begriff für Ausschreibung. Ein Logistik-Tender ist also eine Ausschreibung, bei der ein Unternehmen mehrere Dienstleister zur Abgabe von Angeboten für Transport- oder Lagerleistungen auffordert.
Das hängt von Umfang und Verfahren ab. Eine Ausschreibung einzelner Transportrelationen ist deutlich schneller abgeschlossen als eine Kontraktlogistik-Ausschreibung mit Konzept, Besichtigungen und mehreren Verhandlungsrunden. Hinzu kommt die Zeit für die Einführung beim neuen Dienstleister.
Private Unternehmen laden ausgewählte Dienstleister direkt ein, etwa über eine Einkaufs- oder Ausschreibungsplattform. Öffentliche Auftraggeber machen ihre Ausschreibungen über Vergabeplattformen bekannt, oberhalb der EU-Schwellenwerte zusätzlich im Amtsblatt der EU (TED).
Einen festen Rhythmus gibt es nicht. Anlässe können das Ende der Vertragslaufzeit, deutliche Änderungen bei Mengen oder Relationen sowie anhaltende Qualitätsprobleme sein. Zu häufige Ausschreibungen belasten die Zusammenarbeit und den eigenen Aufwand.