Middleware: Systemintegration in der Logistik
Middleware in der Logistik: Aufgaben der Vermittlungsschicht zwischen TMS, WMS und ERP, Arten wie ESB und iPaaS und Abgrenzung zu API und EDI.
Middleware in der Logistik: Aufgaben der Vermittlungsschicht zwischen TMS, WMS und ERP, Arten wie ESB und iPaaS und Abgrenzung zu API und EDI.
Middleware ist Software, die als Vermittlungsschicht zwischen verschiedenen Anwendungen steht und deren Datenaustausch übernimmt. In der Logistik verbindet sie etwa TMS, WMS, ERP und die Systeme von Kunden und Partnern, übersetzt Datenformate und leitet Nachrichten an das richtige Zielsystem weiter.
Middleware bezeichnet Software, die zwischen anderen Programmen liegt und deren Zusammenarbeit ermöglicht. In der Informatik umfasst der Begriff auch Datenbank- und Kommunikationsschichten. In der Logistik ist meist Integrations-Middleware gemeint: eine Schicht, die Daten zwischen Systemen austauscht, die nicht direkt miteinander sprechen. Das sind zum Beispiel das Transport-Management-System (TMS), das Lagerverwaltungssystem (WMS), das ERP-System des Kunden oder die Software einer Partnerspedition.
Ein typischer Fall: Ein Verlader sendet Transportaufträge im Format EDIFACT, das TMS der Spedition erwartet aber ein eigenes Importformat. Die Middleware nimmt die Nachricht an, übersetzt sie und übergibt sie dem TMS. Statusmeldungen laufen auf demselben Weg zurück.
Ohne Middleware werden Systeme über Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen verbunden. Bei wenigen Partnern ist das überschaubar. Mit jedem neuen Kunden und jedem neuen Format wächst jedoch die Zahl einzelner Verbindungen, die gepflegt werden müssen.
Eine API ist eine definierte Schnittstelle eines einzelnen Systems, über die andere Programme Daten abfragen oder senden können. Middleware nutzt solche APIs, verbindet aber mehrere Systeme und steuert den Datenfluss zwischen ihnen. EDI bezeichnet den strukturierten elektronischen Austausch von Geschäftsdaten zwischen Unternehmen nach Standards wie EDIFACT oder, im deutschen Sammelgutverkehr, FORTRAS. EDI beschreibt also, was ausgetauscht wird und in welchem Format. Die Middleware ist die Software, die diesen Austausch technisch abwickelt.
In Speditionen verbindet Middleware vor allem das TMS mit der Außenwelt: Aufträge von Verladern kommen per EDI an, Borderos und Statusmeldungen gehen an Partner im Sammelgutnetz, Avise an Empfänger. Intern koppelt sie TMS, WMS, Telematik und Buchhaltung. Neue Kunden lassen sich anbinden, indem ein weiteres Mapping angelegt wird, ohne das TMS selbst anzupassen.
Nicht jeder Auftrag kommt jedoch strukturiert an. Viele Verlader senden Transportaufträge als PDF-Anhang, Excel-Liste oder Freitext per E-Mail. Für diesen Eingangskanal gibt es Software wie GM-DocuStream: Sie liest die Aufträge aus, gleicht Adressen mit den Stammdaten des TMS ab und legt jeden Auftrag dem Disponenten zur Prüfung und Freigabe vor. Danach wird er per API oder als XML-, JSON- oder CSV-Datei per SFTP an das TMS übergeben. Mehr zu diesem Schritt steht unter Auftragserfassung.
Vorteile sind die zentrale Pflege aller Schnittstellen, eine einheitliche Überwachung und die Unabhängigkeit der Kernsysteme. Wird das TMS gewechselt, müssen nicht alle Partneranbindungen neu gebaut werden, sondern nur die Verbindung zur Middleware. Nachteile sind ein zusätzliches System mit eigenen Kosten und eigenem Know-how. Fällt die Middleware aus, stehen alle angebundenen Datenflüsse. Mappings müssen gepflegt werden, wenn Partner ihre Formate ändern.
Ein EDI-Konverter, der Transportaufträge eines Verladers im Format EDIFACT empfängt, in das Importformat des TMS übersetzt und Statusmeldungen zurückschickt. Auch Integrationsplattformen, die TMS, Lagerverwaltung und ERP verbinden, sind Middleware.
Nein. Eine API ist die Schnittstelle eines einzelnen Systems. Middleware ist eine eigene Softwareschicht, die über APIs und andere Kanäle mehrere Systeme verbindet und den Datenfluss zwischen ihnen steuert.
Nicht zwingend. Bei wenigen EDI-Partnern reichen oft die Schnittstellen des TMS oder ein EDI-Dienstleister. Eine eigene Middleware lohnt sich eher, wenn viele Kunden mit unterschiedlichen Formaten angebunden werden müssen.