Modullieferant: Aufgaben, Abgrenzung und Belieferung
Modullieferant: was er liefert, wie er sich vom Systemlieferanten unterscheidet und wie die Belieferung per JIT und JIS abläuft, mit Beispiel.
Modullieferant: was er liefert, wie er sich vom Systemlieferanten unterscheidet und wie die Belieferung per JIT und JIS abläuft, mit Beispiel.
Ein Modullieferant ist ein Zulieferer, der einem Hersteller einbaufertige Baugruppen statt einzelner Teile liefert, etwa Cockpits, Türmodule oder Sitze in der Automobilindustrie. Er beschafft die Einzelteile bei eigenen Unterlieferanten, montiert und prüft die Module und kann sie bedarfsgenau und in Verbaureihenfolge an das Montageband liefern.
Ein Modullieferant ist ein Zulieferer, der einem Hersteller keine Einzelteile, sondern einbaufertige Baugruppen liefert. Beispiele für Module in der Automobilindustrie sind Cockpits, Türmodule, Frontends oder Sitze. Der Hersteller, auch als OEM (Original Equipment Manufacturer) bezeichnet, baut das Modul in einem Arbeitsschritt ein, statt viele Einzelteile selbst zu montieren. Die Beschaffungsstrategie dahinter heißt Modular Sourcing.
Liefert der Modullieferant direkt an den Hersteller, steht er in der Zulieferpyramide auf der Tier-1-Ebene. Unter ihm stehen Tier-2-Lieferanten mit Komponenten wie Elektronik oder Kunststoffteilen und Tier-3-Lieferanten mit Rohmaterial und Normteilen. Ein Teile- oder Komponentenlieferant fertigt dagegen einzelne Teile nach Vorgabe des Kunden und montiert sie nicht zu größeren Einheiten.
Die Begriffe werden in der Praxis nicht einheitlich verwendet. Eine mögliche Unterscheidung lautet:
Ein Systemlieferant kann zusätzlich die Entwicklungsverantwortung für die Funktion des Systems tragen. Ein Modullieferant kann auch nach den Konstruktionsvorgaben des Herstellers montieren. Ein Zulieferer kann auch beide Rollen einnehmen.
Mit dem Modul übernimmt der Lieferant einen Teil der Wertschöpfung und der Logistik, die vorher beim Hersteller lagen:
Module sind groß, variantenreich und aufwendig zu lagern. Deshalb bietet sich die Belieferung nach dem Prinzip Just-in-Time (JIT) an, also bedarfsgenau zum benötigten Zeitpunkt. Bei vielen Varianten kommt Just-in-Sequence (JIS) hinzu: Die Module treffen in genau der Reihenfolge ein, in der die Fahrzeuge am Band gebaut werden.
Der Ablauf ist eng mit der Produktionslogistik des Herstellers verzahnt. Der Hersteller übermittelt einen Abruf mit der geplanten Produktionsfolge. Der Lieferant montiert die Module in dieser Folge, lädt sie sequenzgerecht in Gestelle und liefert sie im vereinbarten Takt an. Damit die Wege kurz bleiben, können sich Modullieferanten in Werksnähe oder in einem Lieferantenpark ansiedeln. Fehler in der Reihenfolge oder Verspätungen können die Montage beim Hersteller unterbrechen.
Für den Hersteller ergeben sich vor allem diese Vorteile:
Dem stehen Nachteile gegenüber:
Ein Zulieferer montiert in einem Werk nahe einem Automobilwerk Cockpitmodule. Dafür bezieht er Instrumententafeln, Kabelsätze, Lüftungskanäle und Bedienteile von mehreren Unterlieferanten. Diese Teile holt eine beauftragte Gebietsspedition in festen Touren ab, zum Teil als Milk Run. Der Automobilhersteller sendet laufend die Produktionsfolge. Der Modullieferant montiert die passenden Varianten, sortiert sie in Sequenzgestelle und liefert sie im Takt an den Verbauort am Band.
Für die beteiligten Speditionen bedeutet das feste Abholzeitfenster und wenig Spielraum bei Verzögerungen. Abholaufträge müssen schnell und fehlerfrei im Speditionssystem stehen. Eine saubere Auftragserfassung mit korrekten Ladestellen, Referenznummern und Terminen ist dafür die Voraussetzung.
Ja, wenn er direkt an den Hersteller liefert. Er steht dann auf der ersten Stufe der Zulieferpyramide und hat selbst Unterlieferanten auf der Tier-2- und Tier-3-Ebene.
Modular Sourcing ist eine Beschaffungsstrategie, bei der ein Unternehmen komplette Baugruppen statt einzelner Teile einkauft. Der Lieferant übernimmt Beschaffung, Montage und Prüfung der Einzelteile. Das einkaufende Unternehmen verringert so die Zahl der direkten Lieferanten und die eigene Fertigungstiefe.
Bekannt ist das Konzept vor allem aus der Automobilindustrie, etwa bei Cockpits, Türen, Sitzen oder Frontends. Es lässt sich auch in anderen Branchen mit Serienmontage anwenden.
Werden Module in der Reihenfolge der Produktion geliefert, ist die Zeit zwischen Abruf und Verbau kurz. Kurze Transportwege machen diese Belieferung planbar und senken das Risiko, dass das Montageband auf Teile warten muss. Deshalb gibt es auch Lieferantenparks direkt am Werk.