Just-in-Sequence (JIS): Ablauf und Unterschied zu JIT
Just-in-Sequence (JIS): Was die sequenzgenaue Anlieferung ist, wie Sequenzabrufe ablaufen und worin sich JIS von Just-in-Time unterscheidet.
Just-in-Sequence (JIS): Was die sequenzgenaue Anlieferung ist, wie Sequenzabrufe ablaufen und worin sich JIS von Just-in-Time unterscheidet.
Just-in-Sequence (JIS) ist ein Anlieferkonzept, bei dem Teile zum richtigen Zeitpunkt und zusätzlich in der Reihenfolge an das Montageband geliefert werden, in der sie verbaut werden. Es ist eine Weiterentwicklung von Just-in-Time und wird vor allem in der Automobilindustrie für variantenreiche Bauteile wie Sitze oder Cockpits eingesetzt.
Just-in-Sequence, kurz JIS, bezeichnet die sequenzgenaue Anlieferung von Teilen an die Produktion. Gebräuchlich sind auch die Begriffe reihenfolgegenaue oder sequenzgerechte Anlieferung. Die Teile kommen nicht nur in der benötigten Menge zum benötigten Zeitpunkt, sondern bereits in der Reihenfolge, in der die Produkte am Band aufeinanderfolgen. Ist das nächste Fahrzeug ein Kombi mit Ledersitzen und das übernächste eine Limousine mit Stoffsitzen, liegen die Sitze genau in dieser Reihenfolge im Ladungsträger.
JIS lohnt sich bei Bauteilen, die viele Varianten haben, groß sind und am Band viel Platz beanspruchen würden. Typische Beispiele aus der Automobilindustrie sind Sitze, Cockpitmodule, Stoßfänger, Türverkleidungen und Kabelsätze.
Bei Just-in-Time kommt die richtige Menge zum richtigen Zeitpunkt an. Welches Teil in welches Produkt eingebaut wird, entscheidet sich erst am Band. Bei Just-in-Sequence ist diese Zuordnung schon vor der Anlieferung erledigt.
Vom Kitting unterscheidet sich JIS ebenfalls. Beim Kitting werden verschiedene Teile zu einem Satz für einen Arbeitsschritt zusammengestellt, bei JIS werden gleichartige Teile in verschiedenen Varianten in Reihenfolge gebracht. Beides lässt sich kombinieren.
Weil zwischen Abruf und Verbau nur wenig Zeit bleibt, liegen JIS-Lieferanten oder ihre Sequenzierzentren in der Nähe des Werks. Das Sequenzieren können auch Logistikdienstleister in eigenen Hallen nahe am Werk übernehmen. Das Konzept ist damit ein Teil der Produktionslogistik des Herstellers.
Zu den Vorteilen gehören:
Dem stehen hohe Anforderungen gegenüber. Ein fehlendes oder falsch sequenziertes Teil kann das Band anhalten oder Nacharbeit verursachen. Ändert der Hersteller kurzfristig die Reihenfolge, etwa weil ein Fahrzeug ausgeschleust wird, muss der Lieferant nachziehen. Hinzu kommen hoher Abstimmungs- und IT-Aufwand sowie die Abhängigkeit von pünktlichen Transporten. Für Störungen halten viele Beteiligte kleine Reservemengen oder ein Pufferlager vor.
JIS-Verkehre werden als Pendelverkehre mit festen Abfahrtszeiten gefahren zwischen Sequenzierzentrum und Werk. Die Disposition plant Fahrzeuge und Fahrer mit Reserve, damit auch bei Ausfällen jede Abfahrt bedient werden kann. Zum Auftrag kann auch die Rückführung der leeren Sequenzgestelle gehören. Laufende Statusmeldungen und Sendungsverfolgung helfen, Verzögerungen früh zu erkennen und das Werk zu informieren.
Ein Beispiel: Ein Sitzhersteller fertigt in einem Werk nahe einem Automobilwerk. Sobald der Sequenzabruf eingeht, werden die Sitze in der vorgegebenen Reihenfolge gefertigt und in Gestelle geladen. Ein Lkw fährt im festen Takt zum Montagewerk und nimmt auf dem Rückweg die leeren Gestelle mit.
Ein Sequenzabruf ist die Mitteilung des Herstellers an den Lieferanten, welche Teilevarianten in welcher Reihenfolge benötigt werden. Er wird kurzfristig vor dem Verbau übermittelt, etwa elektronisch per EDI.
Vor allem große, variantenreiche Module, die einem bestimmten Fahrzeug zugeordnet sind. Typisch sind Sitze, Cockpits, Stoßfänger, Türverkleidungen und Kabelsätze. Gleichteile wie Schrauben werden dagegen nach Just-in-Time oder aus dem Lager bereitgestellt.
Fehlt am Band das passende Teil, muss das Produkt ohne dieses Teil weiterlaufen und später nachgearbeitet werden oder das Band hält an. Deshalb prüfen Lieferanten die Sequenz vor dem Versand, etwa durch Scannen, und halten Reserveteile für Notfälle bereit.
Die Automobilindustrie ist der wichtigste Anwender. Das Prinzip eignet sich aber grundsätzlich für jede Serienfertigung mit vielen Varianten, bei der Teile einem bestimmten Auftrag zugeordnet sind.