Logistik lexikon

No-Read: Nicht lesbare Barcodes im Lager

No-Read in Lager und Umschlag: was ein No-Read ist, warum Scanner Barcodes nicht lesen, wie der Klärplatz arbeitet und wie man vorbeugt.

Ein No-Read ist ein Lesevorgang, bei dem ein automatischer Scanner den Barcode, das Label oder den RFID-Tag eines Packstücks oder Teils nicht erfassen kann. No-Read-Teile kann das System keinem Auftrag oder Ziel zuordnen, sodass sie ausgeschleust und manuell geklärt werden müssen.

Was ist ein No-Read?

Ein No-Read (englisch für „nicht gelesen“) entsteht, wenn ein automatisches Identifikationssystem ein Packstück, einen Behälter oder ein Teil nicht erkennt. Das kann ein stationärer Barcode-Leser an der Fördertechnik sein, ein Kamerasystem an einem Sorter oder ein RFID-Gate. Die betroffenen Objekte heißen No-Read-Teile oder No-Read-Packstücke. Auch Paketdienste verwenden den Begriff, wenn ein Paketschein in ihrem System nicht lesbar ist.

Vom No-Read zu unterscheiden ist die Fehllesung (englisch Misread): Dabei liest der Scanner einen Wert, aber einen falschen. Eine Fehllesung ist kritischer, weil das System sie zunächst nicht bemerkt. Ein No-Read dagegen ist sofort als Fehler sichtbar. Der Anteil erfolgreicher Lesungen an allen Lesevorgängen heißt Leserate.

Was sind die Ursachen von No-Reads?

  • Etikett: beschädigt, verschmutzt, zerknittert, nass oder von glänzender Folie überdeckt.
  • Druck: zu geringer Kontrast, verblasster Thermodruck, zu kleine oder unscharf gedruckte Codes.
  • Position: Das Label liegt außerhalb des Lesefelds, ist durch Umreifungsband oder Stretchfolie verdeckt oder das Packstück liegt verdreht auf dem Band.
  • Mehrere Etiketten: Alte Labels aus früheren Sendungen erschweren die eindeutige Zuordnung.
  • Technik: verschmutzte Optik, falsche Einstellung des Lesegeräts, defekte Beleuchtung.
  • RFID: Metall und Flüssigkeiten können Funksignale abschirmen oder stören.

Was passiert mit No-Read-Teilen in der Fördertechnik?

Kann die Fördertechnik einem Packstück kein Ziel zuordnen, wird es auf eine Sonderendstelle oder an einen Klärplatz ausgeschleust. Dort erfassen Mitarbeiter den Code mit einem Handscanner, lesen die Klarschrift auf dem Etikett ab oder etikettieren das Packstück neu. Danach wird es wieder in den Materialfluss eingeschleust oder manuell weitergeleitet. Jede Klärung sollte im System gebucht werden, damit Status und Bestand stimmen.

Manche Sortieranlagen nutzen Video Coding: Kameras nehmen das Packstück auf, ein Mitarbeiter liest die Angaben am Bildschirm ab und gibt Zielcode oder Adresse ein.

Welche Folgen haben No-Reads für Lager und Umschlag?

  • Manueller Aufwand: Jedes No-Read-Teil muss einzeln geklärt werden.
  • Verzögerung: Im Umschlag von Sammelgut kann ein ungeklärtes Packstück den Anschluss an den Hauptlauf verpassen.
  • Lücken im Status: Fehlt ein Scan, fehlt auch der entsprechende Statuseintrag im Tracking und Tracing.
  • Bestandsfehler: Wird ein No-Read nicht nachgebucht, stimmen Bestand oder Lagerplatz im System nicht.

Wie lässt sich die No-Read-Quote senken?

  • Etiketten nach einheitlichem Standard verwenden, etwa GS1-128 mit der NVE (SSCC) als eindeutiger Packstücknummer.
  • Druckqualität, Etikettenmaterial und Größe der Codes regelmäßig prüfen.
  • Klebeposition des Labels verbindlich festlegen und Verdecken durch Folie oder Bänder vermeiden.
  • Alte Etiketten entfernen oder überkleben.
  • Lesestellen so anordnen, dass mehrere Seiten des Packstücks erfasst werden.
  • Scanner reinigen und warten, No-Reads nach Versender, Drucker und Lesestelle auswerten.

Ein lesbarer Code allein reicht nicht. Zu jeder gescannten Nummer müssen im System auch die Sendungsdaten vorliegen. Diese entstehen bei der Auftragserfassung oder kommen per Datenübertragung vom Versender. Fehlen sie, ist das Packstück zwar gelesen, kann aber trotzdem keinem Auftrag zugeordnet werden.

Häufige Fragen

Was bedeutet No-Read bei einem Paket?

No-Read heißt, dass der Paketschein im Sortierzentrum nicht automatisch gelesen werden konnte. Das Paket muss dann manuell erfasst werden, was den Transport verzögern kann.

Was ist der Unterschied zwischen No-Read und Fehllesung?

Beim No-Read liefert der Scanner kein Ergebnis, der Fehler ist sofort erkennbar. Bei einer Fehllesung liest er einen falschen Wert, sodass das Packstück unbemerkt falsch zugeordnet werden kann.

Was ist eine Leserate?

Die Leserate ist der Anteil erfolgreicher Lesungen an allen Lesevorgängen einer Lesestelle. Sie dient als Kennzahl für die Qualität von Etiketten und Identifikationstechnik.

Was ist ein Klärplatz?

Ein Klärplatz ist ein Arbeitsplatz an der Fördertechnik, an dem ausgeschleuste Packstücke manuell bearbeitet werden. Dort werden Codes nacherfasst, Labels ersetzt oder Fehler geklärt, bevor die Packstücke wieder in den Materialfluss gehen.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

Verwandte Begriffe

GM-DocuStream

Transportaufträge aus E-Mails automatisch ins TMS übernehmen

GM-DocuStream liest Auftragsmails, PDF-Anhänge und Excel-Listen aus, prüft sie gegen Ihre Stammdaten und übergibt den Auftrag nach der Freigabe an Ihr Speditionsprogramm.