Closing in der Seefracht: CY-, SI- und VGM-Closing
Closing in der Seefracht: was CY-Closing, Dokumenten-, VGM- und Zoll-Closing bedeuten, wer die Fristen festlegt und was bei verpasstem Closing passiert.
Closing in der Seefracht: was CY-Closing, Dokumenten-, VGM- und Zoll-Closing bedeuten, wer die Fristen festlegt und was bei verpasstem Closing passiert.
Closing ist in der Seefracht der Annahmeschluss für eine bestimmte Schiffsabfahrt. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen Container am Terminal angeliefert, Versanddaten und Gewicht an die Reederei übermittelt und Zollformalitäten erledigt sein. Wird eine Frist verpasst, kann die Sendung nicht wie gebucht verladen werden und wird auf ein späteres Schiff umgebucht.
Das Closing, auch Cut-off oder Annahmeschluss genannt, ist die letzte Frist, bis zu der eine Sendung für eine bestimmte Schiffsabfahrt angenommen wird. Reederei und Terminal brauchen zwischen Annahmeschluss und Abfahrt Zeit, um den Stauplan zu erstellen, die Container zu verladen und die Ladungsdaten an Behörden zu melden. Deshalb liegt das Closing vor der geplanten Abfahrt, der ETD. Es gibt nicht nur ein Closing, sondern mehrere Fristen für Ware, Dokumente, Gewicht und Zoll. Sie werden je Abfahrt von Reederei und Terminal festgelegt und stehen in der Buchungsbestätigung oder in den Segellisten.
Für Gefahrgut, Kühlcontainer und Ladung mit Übermaß können Reedereien eigene, frühere Fristen setzen, weil Anmeldung und Stauplanung zusätzlichen Aufwand erfordern.
Seit dem 1. Juli 2016 verlangt das SOLAS-Übereinkommen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation für jeden gepackten Container, der auf ein Seeschiff verladen wird, ein verifiziertes Bruttogewicht (Verified Gross Mass, VGM). Verantwortlich ist der im Konnossement als Shipper genannte Versender. Das Gewicht wird entweder durch Wiegen des gepackten Containers ermittelt (Methode 1) oder durch Wiegen aller Packstücke, Verpackungen und Ladungssicherungsmittel zuzüglich des Leergewichts des Containers (Methode 2). Ohne gemeldetes VGM darf der Container nicht verladen werden.
Bis zum Zoll-Closing müssen die zollrechtlichen Formalitäten für die Ausfuhr erledigt sein, in Deutschland über ATLAS. Je nach Bestimmungsland kommen Vorabmeldungen hinzu. Für Sendungen in die USA verlangt der US-Zoll die Ladungsdaten 24 Stunden vor der Verladung im Abgangshafen (AMS-Anmeldung). Die Reedereien setzen ihre Fristen so, dass sie diese Meldungen rechtzeitig abgeben können.
Wird eine Frist versäumt, kann die Reederei den Container zurückweisen. Er wird dann auf die nächste Abfahrt umgebucht, im Fachjargon gerollt (Roll-over). Folgen sind eine spätere Ankunft, Kosten für Umbuchung oder Lagerung am Terminal und bei längeren Standzeiten Kosten aus Demurrage und Detention. Eine Annahme nach dem Closing (Late Gate oder Late Acceptance) ist nur mit Zustimmung von Reederei und Terminal möglich, einen Anspruch darauf gibt es nicht. Umgekehrt schützt ein eingehaltenes Closing nicht in jedem Fall: Bei Überbuchung kann eine Reederei Container ebenfalls auf ein späteres Schiff verschieben.
Die Closing-Fristen bestimmen die Planung rückwärts. Aus dem CY-Closing ergibt sich, wann der Container beim Versender beladen und im Vorlauf zum Hafen gebracht werden muss. Die Fristen sollten deshalb mit der Buchung im TMS erfasst werden, damit Disposition, Zollabteilung und Dokumentenerstellung mit denselben Terminen arbeiten. Ein Fehler ist, die Shipping Instructions erst nach der Anlieferung vorzubereiten, obwohl das Dokumenten-Closing vor dem CY-Closing liegen kann.
Exportaufträge erreichen Speditionen oft per E-Mail oder als PDF, mit Ladetermin, Containertyp, Warenbeschreibung und Gewicht. GM-DocuStream liest solche Aufträge aus PDF-Anhängen, Excel-Listen und E-Mail-Text und gleicht die Adressen mit den Stammdaten des TMS ab. Der Disponent prüft und gibt jeden Auftrag frei, danach wird er per API oder als Datei an das TMS übergeben. So stehen die Auftragsdaten früh im System.
Dafür gibt es keinen einheitlichen Wert. Reederei und Terminal legen die Fristen je Hafen und Abfahrt fest, die verbindlichen Zeiten stehen in der Buchungsbestätigung. Fristen für Dokumente, Gefahrgut oder Kühlcontainer können früher liegen als das CY-Closing.
Cut-off ist ein anderer Begriff für Closing, also den Annahmeschluss für eine Schiffsabfahrt. Entsprechend spricht man von Cargo Cut-off, Documentation Cut-off oder VGM Cut-off.
Verantwortlich ist der im Konnossement als Shipper genannte Versender. Die beauftragte Spedition kann das Gewicht in seinem Auftrag übermitteln, die Verantwortung für die Richtigkeit bleibt aber beim Shipper.
Nur wenn Reederei und Terminal zustimmen. Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Ohne Zustimmung wird der Container auf die nächste Abfahrt umgebucht.