Logistik lexikon

Direktversand: Streckengeschäft und Drop Shipping

Direktversand im Handel: wie Streckengeschäft und Drop Shipping ablaufen, Vor- und Nachteile und der Unterschied zum Direktverkehr im Transport.

Direktversand ist der Versand von Ware unmittelbar vom Hersteller oder Lieferanten an den Endabnehmer, ohne dass sie über das Lager des Händlers läuft. Im Handel spricht man von Streckengeschäft oder Direktlieferung, im Onlinehandel von Drop Shipping. Zu unterscheiden ist der Direktverkehr, also der Transport ohne Zwischenumschlag.

Was ist Direktversand?

Direktversand bedeutet, dass Ware unmittelbar vom Hersteller oder Lieferanten an den Endabnehmer geht, ohne über das Lager des Händlers zu laufen, der sie verkauft hat. Der Händler kauft und verkauft die Ware, bewegt sie aber physisch nicht selbst. Je nach Branche gibt es dafür mehrere Bezeichnungen:

  • Streckengeschäft oder Streckenlieferung: der klassische Begriff im Groß- und Baustoffhandel.
  • Direktlieferung oder Direktbelieferung: verbreitet im Einkauf, etwa wenn Lieferanten direkt an Filialen oder Baustellen liefern statt an ein Zentrallager.
  • Drop Shipping (auch Dropshipping): die Bezeichnung im Onlinehandel, wenn ein Shop Artikel verkauft, die der Lieferant direkt an den Käufer verschickt.

Umgangssprachlich wird „direkter Versand“ auch für Transporte ohne Zwischenumschlag benutzt. Dafür ist Direktverkehr der genauere Begriff.

Wie funktioniert der Direktversand im Streckengeschäft?

  1. Der Kunde bestellt beim Händler.
  2. Der Händler bestellt die Ware beim Lieferanten und gibt die Lieferadresse seines Kunden an.
  3. Der Lieferant verschickt die Ware selbst oder beauftragt eine Spedition mit dem Transport zum Kunden.
  4. Der Lieferant stellt dem Händler eine Rechnung, der Händler seinem Kunden.

Warenfluss und Rechnungsfluss laufen also getrennt. Soll der Kunde den Lieferanten nicht erfahren, wird mit neutralen Papieren versendet. Dieses Verfahren ist unter Blindsendung und Neutralversand beschrieben. Umsatzsteuerlich handelt es sich beim Streckengeschäft um ein Reihengeschäft, wenn die Ware unmittelbar vom ersten Unternehmer an den letzten Abnehmer gelangt. § 3 Abs. 6a UStG regelt dafür, welcher Lieferung in der Kette die Warenbewegung zuzuordnen ist. Das ist vor allem bei grenzüberschreitenden Lieferungen wichtig.

Was ist der Unterschied zwischen Direktversand und Direktverkehr?

Direktversand beschreibt den Warenweg zwischen Handelspartnern: Wer schickt die Ware an wen, und läuft sie über das Lager des Händlers oder nicht. Direktverkehr beschreibt die Transportform: Die Sendung fährt ohne Umschlag in einem Depot vom Absender zum Empfänger.

Beides lässt sich kombinieren, ist aber unabhängig voneinander. Eine Streckenlieferung kann als Komplettladung direkt zum Empfänger fahren oder als einzelne Palette im Sammelgutverkehr über mehrere Umschlagpunkte. Im Onlinehandel kann Drop Shipping über Paketdienste laufen. Abzugrenzen ist außerdem das Fulfillment: Dort liegt die Ware des Händlers im Lager eines Dienstleisters, der Lagerung, Kommissionierung und Versand übernimmt.

Welche Vorteile und Nachteile hat der Direktversand?

Vorteile:

  • Der Händler braucht für diese Artikel kein eigenes Lager und bindet kein Kapital im Bestand.
  • Die Ware wird seltener umgeschlagen, das senkt das Risiko von Beschädigungen.
  • Der Transportweg kann kürzer sein, weil der Umweg über das Händlerlager entfällt.

Nachteile:

  • Der Händler ist von Bestand, Lieferzeit und Verpackungsqualität des Lieferanten abhängig.
  • Eine eigene Wareneingangsprüfung vor der Auslieferung fehlt.
  • Bestellt ein Kunde Artikel mehrerer Lieferanten, kommen mehrere Teillieferungen an.
  • Rücksendungen und Reklamationen sind aufwendiger zu steuern.

Was bedeutet Direktversand für die Spedition?

Beim Direktversand können Auftraggeber, Absender und Empfänger auseinanderfallen. Der Händler beauftragt den Transport, der Lieferant lädt, der Kunde des Händlers empfängt. Im Transportauftrag müssen deshalb Ladestelle, Lieferadresse, Rechnungsempfänger und die Referenzen aller Beteiligten eindeutig zugeordnet sein. Dazu kommen Hinweise auf neutrale Papiere und ein Avis an den Empfänger, der die Ware nicht beim Absender bestellt hat und ihn unter Umständen nicht kennt.

Ein Beispiel ist der Baustoffhandel: Ein Händler verkauft Dämmstoffe an ein Bauunternehmen, der Hersteller liefert direkt auf die Baustelle. Die Spedition holt beim Hersteller ab, stellt auf der Baustelle zu und rechnet mit dem Händler ab. Fehlt im Auftrag die Baustellenadresse oder ein Ansprechpartner vor Ort, kann der Fahrer die Ware nicht zustellen. Sorgfältige Auftragserfassung ist hier besonders wichtig.

Solche Aufträge kommen oft als E-Mail mit PDF oder Excel-Liste. GM-DocuStream liest sie aus, gleicht die Adressen mit den Stammdaten des TMS ab und übergibt jeden vom Disponenten geprüften und freigegebenen Auftrag an das TMS.

Häufige Fragen

Ist Drop Shipping dasselbe wie ein Streckengeschäft?

Im Kern ja. In beiden Fällen liefert der Lieferant direkt an den Kunden des Händlers. Drop Shipping ist die im Onlinehandel übliche Bezeichnung, Streckengeschäft der Begriff aus dem Groß- und Baustoffhandel.

Wer ist beim Direktversand der Absender?

Physisch versendet der Lieferant, er ist also die Ladestelle. Den Transport beauftragt je nach Vereinbarung der Lieferant oder der Händler. Wer im Frachtbrief als Absender steht, richtet sich nach dem Frachtvertrag und den Lieferbedingungen.

Wer haftet bei Transportschäden im Direktversand?

Gegenüber dem Frachtführer gelten die Regeln des Frachtvertrags. Im Verhältnis zwischen Lieferant, Händler und Kunde entscheiden die jeweiligen Kaufverträge und vereinbarten Lieferbedingungen, wer das Transportrisiko trägt.

Kann der Kunde beim Direktversand den Lieferanten erkennen?

Nur, wenn Papiere und Verpackung den Lieferanten zeigen. Für Händler, die das vermeiden wollen, gibt es den Neutralversand mit neutralen Lieferscheinen und Etiketten.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

Verwandte Begriffe

GM-DocuStream

Transportaufträge aus E-Mails automatisch ins TMS übernehmen

GM-DocuStream liest Auftragsmails, PDF-Anhänge und Excel-Listen aus, prüft sie gegen Ihre Stammdaten und übergibt den Auftrag nach der Freigabe an Ihr Speditionsprogramm.