Logistik lexikon

Gliederzug: Aufbau, Maße und Unterschied zum Sattelzug

Gliederzug: Aufbau aus Motorwagen und Anhänger, zulässige Länge und Gewicht nach StVZO, Einsatz mit Wechselbrücken und Unterschied zum Sattelzug.

Ein Gliederzug ist eine Fahrzeugkombination aus einem Lkw mit eigener Ladefläche, dem Motorwagen, und einem angekoppelten Anhänger. In Deutschland darf er bis zu 18,75 m lang sein und mit mehr als vier Achsen 40 t Gesamtgewicht erreichen. Gliederzüge fahren häufig mit Wechselbrücken im Stückgut- und Sammelgutverkehr.

Was ist ein Gliederzug?

Ein Gliederzug, auch Lastzug, Hängerzug oder Lkw mit Anhänger genannt, besteht aus zwei Fahrzeugen: einem Motorwagen mit eigenem Aufbau und einem Anhänger, der über eine Deichsel an der Anhängerkupplung hängt. Beide Fahrzeuge tragen Ladung. Der Motorwagen ist ein gerader Lkw, der auch ohne Anhänger eingesetzt werden kann. Den Gegenbegriff bildet der Sattelzug aus Zugmaschine und Auflieger. Einen Überblick über Bauarten und Fahrzeugklassen gibt der Eintrag Lkw.

Wie ist ein Gliederzug aufgebaut?

Der Motorwagen trägt den ersten Aufbau, der Anhänger den zweiten. Für den Anhänger gibt es zwei Bauarten:

  • Deichselanhänger: Die Vorderachse ist lenkbar, meist über einen Drehschemel, und mit einer beweglichen Deichsel verbunden. Der Anhänger steht ohne Zugfahrzeug sicher auf eigenen Achsen. Er wird deshalb auch Drehschemelanhänger genannt.
  • Zentralachsanhänger: Die Achsen liegen nahe der Mitte des Anhängers, die Deichsel ist starr. Nur eine geringe Stützlast ruht auf der Kupplung des Motorwagens. Diese Bauart erlaubt einen kurzen Abstand zwischen den beiden Ladeflächen.

Als Aufbauten kommen Plane, Koffer, Kühlaufbau oder Wechselbrücke in Frage. Sogenannte Durchladezüge haben eine Überladebrücke zwischen Motorwagen und Anhänger. Sie lassen sich an der Rampe von hinten durchgehend beladen, ohne den Anhänger abzukuppeln.

Welche Maße und Gewichte gelten für einen Gliederzug?

Die zulässigen Abmessungen regelt § 32 StVZO. Ein Zug aus Lkw und Anhänger zur Güterbeförderung darf höchstens 18,75 m lang, 2,55 m breit und 4,00 m hoch sein. Zusätzlich begrenzt die Vorschrift die Ladelänge: Vom vordersten Punkt der Ladefläche hinter dem Führerhaus bis zum hintersten Punkt der Anhängerladefläche sind höchstens 16,40 m zulässig. Zieht man den Abstand zwischen Motorwagen und Anhänger ab, dürfen es höchstens 15,65 m sein.

Das Gesamtgewicht regelt § 34 StVZO. Fahrzeugkombinationen mit mehr als vier Achsen dürfen 40 t wiegen, sofern die zulässigen Achslasten und die Gewichte der Einzelfahrzeuge eingehalten sind. Besteht der Gliederzug aus einem Lkw der Klasse C und einem Anhänger mit mehr als 750 kg zulässiger Gesamtmasse, ist die Fahrerlaubnisklasse CE erforderlich.

Was ist der Unterschied zwischen Gliederzug und Sattelzug?

Beim Sattelzug liegt der Auflieger auf der Sattelkupplung der Zugmaschine auf, die selbst keine Ladefläche hat. Beim Gliederzug trägt der Motorwagen eigene Ladung, der Anhänger hängt an einer Anhängerkupplung. Daraus ergeben sich typische Unterschiede:

  • Länge: Nach § 32 StVZO darf ein Sattelzug höchstens 16,50 m lang sein, ein Gliederzug höchstens 18,75 m. Beim Gliederzug verteilt sich die Ladelänge auf zwei Ladeflächen.
  • Flexibilität: Der Motorwagen kann allein zu Empfängern mit engen Zufahrten fahren, während der Anhänger abgestellt bleibt. Motorwagen und Anhänger können unterschiedliche Sendungen führen.
  • Rangieren: Rückwärtsfahren mit Deichselanhänger ist schwieriger als mit Auflieger.
  • Wechsel: Beim Sattelzug lässt sich der ganze Auflieger tauschen, beim Gliederzug werden Anhänger oder Wechselbrücken getauscht.

Gliederzüge werden dort eingesetzt, wo Volumen, Wechselbrücken oder zwei getrennte Ladeflächen gebraucht werden.

Wie werden Gliederzüge mit Wechselbrücken eingesetzt?

Im Stückgut- und Sammelgutverkehr fahren viele Gliederzüge als Wechselbrückenzüge. Motorwagen und Anhänger tragen je eine Wechselbrücke, die auf eigenen Stützbeinen abgestellt werden kann. Verbreitet ist das BDF-System mit genormten Wechselbrücken der Klasse C, etwa in 7,45 m oder 7,82 m Länge. Eine Brücke mit 7,45 m nimmt bis zu 18 Europaletten auf, ein Zug mit zwei solchen Brücken also bis zu 36.

Der Vorteil liegt im Ablauf: Der Fahrer setzt im Umschlaglager die beladenen Brücken ab und nimmt vorbereitete Brücken auf. Be- und Entladung laufen unabhängig vom Fahrzeug. So wird der Hauptlauf im Sammelgutverkehr zwischen den Depots häufig nachts mit Wechselbrückenzügen gefahren.

Beispiel: Gliederzug in der Disposition

Eine Spedition fährt im Nachtsprung zwischen zwei Umschlaglagern mit einem Wechselbrückenzug. In der Disposition werden die Sendungen auf beide Brücken verteilt: Die erste enthält Sendungen für das eigene Zielgebiet, die zweite für ein Partnerdepot auf derselben Strecke. Am Zwischenstopp wird nur die zweite Brücke abgesetzt. Im TMS sind Motorwagen und Anhänger beziehungsweise beide Brücken deshalb als eigene Ladeeinheiten mit eigenen Lademetern und Gewichten hinterlegt. Für die Planung zählen nicht nur die 40 t Gesamtgewicht, sondern auch die Verteilung der Last auf die Achsen von Motorwagen und Anhänger.

Rechtsgrundlagen

  • § 32 StVZO: Abmessungen von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen, Länge von Zügen, Ladelängen
  • § 34 StVZO: Achslast und Gesamtgewicht, 40 t für Kombinationen mit mehr als vier Achsen

Häufige Fragen

Wie viele Paletten passen auf einen Gliederzug?

Das hängt von den Aufbauten ab. Ein Wechselbrückenzug mit zwei Brücken von je 7,45 m fasst bis zu 36 Europaletten.

Welchen Führerschein braucht man für einen Gliederzug?

Besteht der Gliederzug aus einem Lkw der Klasse C und einem Anhänger mit mehr als 750 kg zulässiger Gesamtmasse, ist die Fahrerlaubnisklasse CE erforderlich. Im gewerblichen Güterverkehr brauchen Fahrer zusätzlich die Berufskraftfahrerqualifikation mit regelmäßiger Weiterbildung.

Ist ein Hängerzug dasselbe wie ein Gliederzug?

Ja. Hängerzug, Lastzug und Lkw mit Anhänger sind gebräuchliche Bezeichnungen für dieselbe Fahrzeugkombination. Gemeint ist immer ein Motorwagen mit eigener Ladefläche und angekoppeltem Anhänger, im Unterschied zum Sattelzug.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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