Logistik lexikon

Haulage: Carrier und Merchant Haulage im Vergleich

Haulage im Containerverkehr: Unterschied zwischen Carrier und Merchant Haulage, Vor- und Nachlauf, Kostenverantwortung und Risiko von Detention.

Haulage bezeichnet im Containerverkehr den Landtransport eines Seecontainers zwischen Hafen oder Terminal und dem Standort des Verladers oder Empfängers. Je nachdem, wer diesen Vor- oder Nachlauf organisiert, unterscheidet man Carrier Haulage durch die Reederei und Merchant Haulage durch Verlader, Empfänger oder deren Spedition.

Was ist Haulage?

Das englische Wort Haulage bedeutet allgemein Beförderung, im britischen Sprachgebrauch auch Straßengüterverkehr (Road Haulage). In der Seefracht steht Haulage für den Landtransport eines Containers vor oder nach dem Seeweg: den Vorlauf vom Verlader zum Abgangshafen (Pre-Carriage) und den Nachlauf vom Bestimmungshafen zum Empfänger (On-Carriage). Das Unternehmen, das den Container fährt, heißt im Englischen Haulier. In den USA wird der Containertransport auf der Straße auch Drayage genannt.

Der Landtransport kann per Lkw, Bahn oder Binnenschiff erfolgen und lässt sich kombinieren, etwa Bahn bis zum Binnenterminal und Lkw auf der letzten Strecke. Für die Abwicklung entscheidend ist aber weniger das Verkehrsmittel als die Frage, wer den Transport beauftragt.

Was ist der Unterschied zwischen Carrier Haulage und Merchant Haulage?

Bei Carrier Haulage (CH) organisiert die Reederei den Landtransport. Sie beauftragt Fuhrunternehmen, Bahn- oder Binnenschiffsoperateure selbst und stellt den Landtransport zusammen mit der Seefracht in Rechnung. Der Container bleibt bis zur Zustellung in ihrer Organisation. Mehr zur Rolle der Reederei als Beförderer steht unter Carrier.

Bei Merchant Haulage (MH) organisiert der Merchant den Landtransport selbst. Gemeint ist der Verlader, der Empfänger oder die Spedition, die in ihrem Auftrag handelt. Die Reederei befördert dann nur von Hafen zu Hafen. Sie gibt den vollen Container im Terminal an das Fuhrunternehmen des Kunden frei und benennt das Depot, an dem der leere Container abzuholen oder zurückzugeben ist. Die Rechnung für den Landtransport stellt das beauftragte Fuhrunternehmen, nicht die Reederei.

Beide Varianten lassen sich kombinieren, etwa Merchant Haulage im Vorlauf und Carrier Haulage im Nachlauf. Bei einer Buchung Door-to-Door übernimmt die Reederei beide Landstrecken. Bei Port-to-Port bleiben beide Strecken beim Kunden.

Welche Vorteile und Nachteile haben Carrier und Merchant Haulage?

  • Carrier Haulage: ein Ansprechpartner und eine Rechnung, weniger Planungsaufwand, die Reederei kann Landtransporte bei Störungen im Hafen selbst umplanen. Dafür hat der Kunde weniger Einfluss auf Fuhrunternehmen, Termine und Route, und das Angebot ist nicht an jedem Ort verfügbar.
  • Merchant Haulage: freie Wahl des Fuhrunternehmens, Nutzung eigener Rahmenverträge und direkte Abstimmung von Ladezeiten. Dafür mehr Koordinationsaufwand, mehrere Rechnungen und die Verantwortung für Abholung und Rückgabe des Containers.

Für Speditionen mit eigenem Fuhrpark oder festen Partnern ist Merchant Haulage ein eigenes Geschäftsfeld: Sie fahren Container im Auftrag von Verladern, Empfängern oder Seefrachtspediteuren zwischen Terminal und Rampe.

Wer trägt Kosten und Detention-Risiko bei Haulage?

Bei Carrier Haulage sind die Kosten für den Landtransport Teil des Angebots der Reederei. Bei Merchant Haulage vereinbart der Kunde die Fracht direkt mit dem Fuhrunternehmen. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für Gensets bei Kühlcontainern, für Wartezeiten oder für Leerfahrten zum Depot.

Unabhängig von der Variante gelten für den Container die Freizeiten (Free Time) der Reederei. Werden sie überschritten, fallen Demurrage und Detention an. Demurrage betrifft die Standzeit des vollen Containers im Terminal, Detention die Nutzung außerhalb des Terminals bis zur Rückgabe des Leercontainers. Bei Merchant Haulage liegt dieses Risiko beim Kunden und seinem Fuhrunternehmen, weil sie Abholung, Entladung und Rückgabe selbst steuern. Bei Carrier Haulage plant die Reederei die Fahrten.

Beispiel: Haulage im Import

Ein Importeur in Süddeutschland erhält einen 40-Fuß-Container über Hamburg. Bucht er Carrier Haulage, organisiert die Reederei den Nachlauf per Bahn zu einem Binnenterminal und von dort per Lkw zur Rampe. Der Importeur stimmt nur den Liefertermin ab. Bei Merchant Haulage beauftragt er eine Spedition. Diese meldet den Container im Terminal an, holt ihn nach Freistellung durch die Reederei ab, liefert ihn im vereinbarten Zeitfenster und bringt den leeren Container anschließend zum vorgegebenen Depot. Die Übergaben werden jeweils im Equipment Interchange Receipt (EIR) dokumentiert.

Wie kommen Haulage-Aufträge ins TMS?

Aufträge für Containertransporte erreichen Speditionen etwa per E-Mail, als PDF-Anhang oder als Excel-Liste. Für die Auftragserfassung sind mehr Angaben nötig als beim normalen Lkw-Transport: Containernummer und -typ, Gewicht, Abhol- und Rückgabeterminal, Freistellreferenz, Lade- oder Entladezeitfenster, Zollstatus und bei Kühlcontainern die Solltemperatur. Fehlt eine dieser Angaben im TMS, droht eine Leerfahrt zum Terminal oder eine verspätete Rückgabe mit Detention-Kosten.

GM-DocuStream liest solche Aufträge aus PDF-Anhängen, Excel-Listen und E-Mail-Texten, gleicht Adressen mit den Stammdaten des TMS ab und legt jeden Auftrag dem Disponenten zur Prüfung und Freigabe vor. Anschließend wird er per API oder als XML-, JSON- oder CSV-Datei an das TMS übergeben.

Häufige Fragen

Was bedeutet Haulage auf Deutsch?

Haulage heißt wörtlich Beförderung oder Transport. In der Seefracht ist damit der Landtransport des Containers gemeint, also Vor- und Nachlauf zwischen Hafen und Kunde. Im britischen Englisch steht Road Haulage allgemein für den Straßengüterverkehr.

Was ist ein Haulier?

Ein Haulier ist ein Fuhrunternehmen, das Güter auf der Straße befördert. Im Containerverkehr ist es das Unternehmen, das den Container zwischen Terminal, Kunde und Depot fährt. Bei Merchant Haulage wird es vom Kunden beauftragt, bei Carrier Haulage von der Reederei.

Was bedeuten CH und MH in der Seefracht?

CH steht für Carrier Haulage, MH für Merchant Haulage. Die Kürzel zeigen in Buchungen und Ratenangeboten, ob die Reederei oder der Kunde den Vor- beziehungsweise Nachlauf organisiert. Davon hängt ab, wer den Landtransport abrechnet und wer Abholung und Rückgabe des Containers steuert.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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