Logistik lexikon

Kapazitätsplanung: Lager, Fuhrpark und Kennzahlen

Kapazitätsplanung in der Logistik: Planungsebenen, Kapazitäten in Lager und Transport, Abgrenzung zur Disposition und wichtige Kennzahlen.

Die Kapazitätsplanung ist die Abstimmung der verfügbaren Kapazitäten an Fahrzeugen, Personal, Rampen und Lagerplätzen auf den erwarteten Bedarf. Sie legt fest, welche Leistung ein Logistikbetrieb in einem Zeitraum erbringen kann, und gleicht Engpässe und Überkapazitäten aus. Sie findet auf strategischer, taktischer und operativer Ebene statt.

Was ist Kapazitätsplanung?

Die Kapazitätsplanung, englisch Capacity Planning, stimmt das Leistungsvermögen eines Betriebs auf den erwarteten Bedarf ab. Kapazität bezeichnet die Leistung, die eine Ressource in einem bestimmten Zeitraum erbringen kann, etwa ein Fahrzeug, eine Schicht im Lager oder ein Rampentor. Die Planung vergleicht den Kapazitätsbedarf mit dem Kapazitätsangebot und gleicht Abweichungen aus. Dieser Schritt heißt Kapazitätsabgleich.

Der Kapazitätsbedarf ergibt sich aus Mengenprognosen und vorliegenden Aufträgen, also aus der Bedarfsermittlung. Die Kapazitätsplanung ist ein Teil des umfassenderen Ressourcenmanagements, das neben der Menge auch Beschaffung, Pflege und Kontrolle der Ressourcen umfasst.

Welche Kapazitäten plant eine Spedition?

  • Fahrzeuge und Laderaum: eigene Zugmaschinen, Auflieger, Wechselbrücken und Transporter sowie Fahrzeuge von Subunternehmern.
  • Fahrer: Ihre verfügbare Einsatzzeit ist durch die Lenk- und Ruhezeiten und das Arbeitszeitrecht begrenzt.
  • Rampen und Tore: Sie werden über Zeitfenster vergeben, siehe Dock Management.
  • Lager- und Umschlagflächen: Stellplätze, Regalplätze und Bereitstellflächen.
  • Lagerpersonal und Geräte: Mitarbeiter in Wareneingang, Kommissionierung und Umschlag sowie Stapler und Hubwagen.

Auf welchen Ebenen findet Kapazitätsplanung statt?

Strategisch geht es um langfristige Entscheidungen: Standorte, Größe von Lager und Umschlaghalle, Größe des eigenen Fuhrparks und das Verhältnis von eigenen zu fremden Fahrzeugen. Taktisch werden Kapazitäten für die kommenden Monate angepasst, etwa durch Schichtmodelle, Aushilfen, Mietfahrzeuge oder Rahmenvereinbarungen mit Subunternehmern für saisonale Spitzen. Operativ wird für die nächsten Tage geplant: Schichtbesetzung, Fahrzeugbereitstellung und kurzfristiger Zukauf von Laderaum, zum Beispiel über eine Frachtbörse.

Ein Beispiel: Eine Stückgutspedition erwartet vor Feiertagen deutlich mehr Sendungen als üblich. Sie plant eine zusätzliche Schicht im Umschlag, vereinbart mit Subunternehmern weitere Nahverkehrsfahrzeuge und vergibt die Rampenzeitfenster für die Hauptläufe neu. Nach den Feiertagen werden die Zusatzkapazitäten wieder abgebaut.

Wie wird ein Kapazitätsengpass ausgeglichen?

Reicht die Kapazität nicht aus, gibt es zwei Ansatzpunkte. Entweder wird die Kapazität erhöht, etwa durch Überstunden, Zusatzschichten, Leiharbeit oder fremde Fahrzeuge. Oder der Bedarf wird angepasst, indem Termine verschoben, Zeitfenster neu verteilt oder Aufträge an Partner abgegeben werden. Die Betriebswirtschaft unterscheidet bei der Kapazitätsanpassung zeitliche Anpassung (längere Arbeitszeit), intensitätsmäßige Anpassung (höheres Arbeitstempo) und quantitative Anpassung (mehr oder weniger Ressourcen). Bei Überkapazität gilt der umgekehrte Weg: zusätzliche Aufträge oder Rückladungen akquirieren oder Kapazität abbauen.

Was ist der Unterschied zwischen Kapazitätsplanung und Disposition?

Die Kapazitätsplanung stellt Ressourcen im Voraus bereit. Die Disposition setzt sie täglich ein: Sie ordnet Aufträge konkreten Fahrzeugen und Fahrern zu, plant Touren und reagiert auf Störungen. Die Disposition arbeitet also innerhalb der vorhandenen Kapazität. Reicht diese nicht aus, wird kurzfristig nachgesteuert, etwa durch Zukauf von Laderaum. Beide Aufgaben können in einer Hand liegen, folgen aber unterschiedlichen Fragen: Wie viel wird bereitgestellt, und wofür wird es eingesetzt?

Welche Kennzahlen nutzt die Kapazitätsplanung?

  • Auslastungsgrad: genutzte Kapazität geteilt durch verfügbare Kapazität, mal 100.
  • Laderaumauslastung: genutzte Lademeter oder genutztes Gewicht im Verhältnis zur Fahrzeugkapazität.
  • Leerkilometeranteil: Anteil der Kilometer ohne Ladung an der Gesamtfahrleistung.
  • Belegungsgrad: belegte Stellplätze oder Rampenzeiten im Verhältnis zu den verfügbaren.
  • Überstunden und Fremdvergabe: dauerhaft hohe Werte zeigen, dass die eigene Kapazität nicht zum Bedarf passt.

Ein Auslastungsgrad nahe der vollen Kapazität lässt keinen Puffer für Eilaufträge, Fahrzeugausfälle oder Verzögerungen. Wie viel Reserve sinnvoll ist, hängt vom Betrieb und seinen Kunden ab. Für die kurzfristige Planung ist entscheidend, dass Aufträge früh und vollständig im Transport Management System (TMS) stehen. Je später die Auftragserfassung erfolgt, desto später erkennt die Planung einen Engpass.

In Speditionen, die Aufträge per E-Mail, als PDF-Anhang oder als Excel-Liste erhalten, kann GM-DocuStream die Erfassung unterstützen. Die Software liest die Aufträge aus PDF-Anhängen, Excel-Listen und Freitext in E-Mails, gleicht die Adressen mit den Stammdaten des TMS ab und übergibt jeden Auftrag nach Prüfung und Freigabe durch den Disponenten per API oder als XML-, JSON- oder CSV-Datei per SFTP an das TMS.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Auslastungsgrad?

Der Auslastungsgrad ist die genutzte Kapazität geteilt durch die verfügbare Kapazität, multipliziert mit 100. Wird ein Fahrzeug an vier von fünf geplanten Einsatztagen genutzt, liegt seine zeitliche Auslastung bei 80 Prozent. Die Kennzahl lässt sich für Fahrzeuge, Lagerplätze, Rampen oder Personal bilden.

Wer ist in einer Spedition für die Kapazitätsplanung zuständig?

Das hängt von der Organisation ab. Strategische Entscheidungen über Standorte und Fuhrparkgröße trifft die Geschäftsführung oder Niederlassungsleitung. Die taktische und operative Planung liegt bei Disposition, Lagerleitung und Personaleinsatzplanung.

Warum sollte man nicht mit voller Auslastung planen?

Bei voller Auslastung führt jede Störung, etwa ein Fahrzeugausfall, ein krankheitsbedingter Ausfall oder ein Eilauftrag, sofort zu Verspätungen. Eine Reserve hält den Betrieb lieferfähig. Wie groß sie sein sollte, hängt von Auftragsschwankungen und Kundenanforderungen ab.

Welche Software unterstützt die Kapazitätsplanung in der Logistik?

Im Transport bildet ein Transport Management System Aufträge, Fahrzeuge und Fahrer ab. Im Lager übernimmt ein Lagerverwaltungssystem die Platz- und Bestandsführung, ergänzt um Personaleinsatzplanung. In der Produktion werden Kapazitäten mit ERP-Systemen oder Advanced Planning Systems geplant.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

Verwandte Begriffe

GM-DocuStream

Transportaufträge aus E-Mails automatisch ins TMS übernehmen

GM-DocuStream liest Auftragsmails, PDF-Anhänge und Excel-Listen aus, prüft sie gegen Ihre Stammdaten und übergibt den Auftrag nach der Freigabe an Ihr Speditionsprogramm.