Mehrweglogistik: Pooling, Tauschpool und Mietpool
Mehrweglogistik und Pooling: wie Tauschpool und Mietpool funktionieren, welche Ladungsträger genutzt werden und welche Vor- und Nachteile es gibt.
Mehrweglogistik und Pooling: wie Tauschpool und Mietpool funktionieren, welche Ladungsträger genutzt werden und welche Vor- und Nachteile es gibt.
Mehrweglogistik ist die Organisation von Kreisläufen, in denen wiederverwendbare Ladungsträger wie Paletten, Gitterboxen oder Kunststoffbehälter nach dem Entleeren zurückgeführt, geprüft und erneut eingesetzt werden. Beim Pooling nutzen mehrere Unternehmen einen gemeinsamen Bestand dieser Ladungsträger, entweder im Tausch untereinander oder gemietet von einem Poolbetreiber.
Mehrweglogistik umfasst alle Aufgaben, die nötig sind, damit wiederverwendbare Verpackungen und Lademittel mehrfach im Umlauf bleiben: Bereitstellung, Versand mit der Ware, Rückführung des Leerguts, Prüfung, Reinigung, Reparatur und erneute Ausgabe. Das Gegenstück ist die Einwegverpackung, die nach einem Transport entsorgt oder verwertet wird. Typische Mehrwegladungsträger sind die Europalette, die Gitterbox, Kleinladungsträger (KLT) und Großladungsträger (GLT) aus Kunststoff sowie Mehrwegsteigen im Lebensmittelhandel.
Pooling beschreibt das Organisationsmodell dahinter: Die Ladungsträger gehören nicht fest zu einer Sendung, sondern zu einem gemeinsamen Bestand, aus dem mehrere Teilnehmer schöpfen. Davon abzugrenzen ist das Logistik-Pooling im Transport, bei dem Verlader ihre Sendungen bündeln, um Laderaum gemeinsam zu nutzen. Mit Mehrwegbehältern hat dieser Begriff nichts zu tun.
In der Praxis gibt es drei Grundmodelle:
Die wichtigsten Vorteile:
Dem stehen Nachteile gegenüber:
Ob sich Mehrweg rechnet, hängt vor allem von der Zahl der Umläufe, den Entfernungen und den Möglichkeiten zur Rückführung ab. Bei weiten, einseitigen Verkehren ohne passende Rücktransporte kann eine Einwegverpackung wirtschaftlicher sein.
Für Speditionen zeigt sich Mehrweglogistik vor allem im Palettentausch und in der Leergutrückführung. Im Auftrag steht, ob Lademittel getauscht werden, wie viele Ladungsträger welcher Art übergeben werden und wer das Leergut zurückbringt. Diese Angaben müssen bei der Auftragserfassung vollständig in das TMS übernommen werden. Nur dann weiß der Fahrer, was er an der Ladestelle tauschen muss, und das Lademittelkonto des Kunden stimmt. Kann nicht Zug um Zug getauscht werden, dokumentiert ein Palettenschein die offene Menge.
Die Rückführung von Leergut lässt sich oft mit regulären Touren verbinden, etwa als Rückladung nach einer Zustellung. So entstehen weniger zusätzliche Fahrten.
Ein Pool funktioniert nur, wenn bekannt ist, wo sich wie viele Ladungsträger befinden. Dafür führen die Beteiligten Lademittelkonten je Kunde und Partner. In Mietpools erfasst der Betreiber Ausgabe und Rückgabe, etwa per Barcode oder RFID am einzelnen Ladungsträger. Regelmäßige Saldenabgleiche verhindern, dass sich offene Mengen über Monate aufbauen. Qualitätskriterien, etwa für die Tauschfähigkeit gebrauchter Paletten, sollten vertraglich festgelegt sein.
Ein Gemüseerzeuger liefert seine Ware in gemieteten Mehrwegsteigen an das Zentrallager einer Handelskette. Von dort wird sie auf die Filialen verteilt. Die Filialen sammeln die leeren Steigen und geben sie bei der nächsten Belieferung an den Fahrer zurück. Am Zentrallager holt der Poolbetreiber die Steigen ab, reinigt sie in einem Depot und stellt sie dem Erzeuger wieder bereit. Die Paletten unter den Steigen laufen parallel im Tauschpool: Der Frachtführer erhält bei der Anlieferung leere Europaletten und gibt sie bei der nächsten Abholung an den Erzeuger zurück.
Im Tauschpool gehören die Ladungsträger den Teilnehmern selbst und werden bei jeder Übergabe gegen gleichwertige getauscht. Im Mietpool bleiben sie Eigentum eines Poolbetreibers, der sie gegen Entgelt bereitstellt, abholt und instand hält. Der Mietpool spart Tauschaufwand, verursacht aber Mietkosten.
Nicht automatisch. Mehrwegladungsträger sparen Material, wenn sie oft genug umlaufen. Lange Rücktransporte, Leerfahrten und aufwendige Reinigung können diesen Vorteil verringern.
Ein Palettenschein ist ein Beleg darüber, dass bei einer Übergabe weniger Paletten getauscht wurden als vereinbart. Er dokumentiert die offene Menge, damit sie später zurückgegeben oder verrechnet werden kann. Unter welchen Bedingungen er eingelöst wird, sollte vorher geregelt sein.