Logistik lexikon

On-Site Logistics: Logistik auf dem Werksgelände

On-Site Logistics: welche Aufgaben ein Dienstleister im Werk des Kunden übernimmt, Abgrenzung zu Kontraktlogistik und Outsourcing, Vor- und Nachteile.

On-Site Logistics ist eine Logistikdienstleistung, die ein externer Dienstleister direkt auf dem Werksgelände seines Kunden erbringt. Dazu gehören etwa Wareneingang, Lagerbetrieb, Produktionsversorgung und Versand. Im Deutschen spricht man auch von Onsite-Logistik, Werkslogistik oder Inhouse-Logistik, wenn diese Aufgaben im Werk an einen Dienstleister vergeben sind und nicht vom Industrieunternehmen selbst erledigt werden.

Was ist On-Site Logistics?

On-Site Logistics bezeichnet logistische Leistungen, die ein Logistikdienstleister nicht in seinem eigenen Lager, sondern direkt am Standort des Kunden erbringt, zum Beispiel in einem Industriewerk oder in einem Chemiepark. Der Dienstleister arbeitet mit eigenem Personal innerhalb des Werksgeländes. Gebäude und Flächen gehören zum Werk des Kunden.

Im Deutschen sind die Bezeichnungen Onsite-Logistik, Werkslogistik und Inhouse-Logistik gebräuchlich. Werkslogistik und Inhouse-Logistik beschreiben zunächst nur den Ort: Sie können auch vom Industrieunternehmen selbst betrieben werden. Von On-Site Logistics spricht man vor allem dann, wenn ein externer Dienstleister diese Aufgaben übernimmt. In der Projektlogistik und im Bauwesen wird der Begriff außerdem für die Logistik auf Baustellen verwendet, also für Anlieferung, Zwischenlagerung und Verteilung von Material vor Ort.

Welche Aufgaben umfasst On-Site Logistics?

Der Leistungsumfang wird im Vertrag festgelegt. Er reicht von einzelnen Tätigkeiten bis zur kompletten Werkslogistik. Häufige Bausteine sind:

  • Wareneingang: Entladen, Prüfen und Buchen angelieferter Rohstoffe und Teile im Wareneingang
  • Lagerbetrieb: Einlagerung, Bestandsführung und Inventur im Werkslager
  • Produktionsversorgung: Bereitstellung von Material an der Fertigungslinie, auch nach dem Prinzip Just-in-Sequence
  • Innerbetrieblicher Transport: Materialbewegungen zwischen Lager, Fertigung und Versand
  • Versand: Kommissionierung, Verpackung, Kennzeichnung, Verladung und Ladungssicherung der Fertigware
  • Zusatzleistungen: etwa Etikettieren, Abfüllen oder Probenahme

Die technischen Mittel, also Regale, Fördertechnik und Flurförderzeuge, gehören zur Intralogistik. On-Site Logistics beschreibt dagegen das Betreibermodell, also die Frage, wer die Logistik am Standort verantwortet.

Was ist der Unterschied zwischen On-Site Logistics, Kontraktlogistik und Outsourcing?

Outsourcing ist der Oberbegriff für die Auslagerung von Aufgaben an ein anderes Unternehmen. Wird Logistik ausgelagert, kann der Dienstleister sie an seinem eigenen Standort oder am Standort des Kunden erbringen. On-Site Logistics ist die zweite Variante: Die Logistik wird ausgelagert, bleibt räumlich aber im Werk.

Kontraktlogistik bezeichnet langfristige, vertraglich geregelte und auf einen Kunden zugeschnittene Leistungspakete. On-Site-Projekte sind häufig Kontraktlogistik, weil sie auf längere Zeit angelegt und eng mit den Abläufen des Kunden verzahnt sind. Kontraktlogistik kann aber ebenso in einem Lager des Dienstleisters stattfinden. Der Dienstleister selbst wird als Third Party Logistics Provider (3PL) eingeordnet.

Welche Vorteile und Nachteile hat On-Site Logistics?

Für das Industrieunternehmen liegen die Vorteile vor allem in diesen Punkten:

  • Konzentration auf Entwicklung und Fertigung
  • Zugriff auf das Prozesswissen eines spezialisierten Dienstleisters
  • kurze Wege, weil Lager und Produktion nicht getrennt sind; Pendeltransporte zwischen externem Lager und Werk entfallen
  • Anpassung von Personal und Geräten an schwankende Mengen durch den Dienstleister, soweit der Vertrag das vorsieht

Dem stehen Nachteile gegenüber:

  • Abhängigkeit vom Dienstleister, ein Wechsel ist aufwendig
  • hoher Abstimmungsbedarf an den Schnittstellen zwischen Produktion und Logistik
  • Verlust von eigenem Logistikwissen im Unternehmen
  • arbeitsrechtliche Fragen, wenn eigenes Personal und Personal des Dienstleisters nebeneinander arbeiten

Wichtig sind deshalb eine klare Leistungsbeschreibung, vereinbarte Kennzahlen und eine eindeutige Regelung, wer für Bestände, Inventurdifferenzen und Schäden verantwortlich ist.

Beispiel: Wie läuft On-Site Logistics im Werk ab?

Ein Hersteller von Industriekomponenten beauftragt einen Logistikdienstleister mit seiner Werkslogistik. Dessen Mitarbeiter nehmen am Tor die Lkw der Zulieferer an, prüfen die Lieferscheine gegen die Bestellungen und lagern die Teile ein. Aus den Fertigungsaufträgen des Herstellers entstehen Abrufe, nach denen das Material an die Montagelinien gebracht wird. Fertige Produkte verpacken die Mitarbeiter des Dienstleisters, stellen sie bereit und verladen sie auf die Fahrzeuge der beauftragten Speditionen. Damit deckt On-Site Logistics große Teile der Produktionslogistik ab, die Planung der Fertigung bleibt beim Hersteller.

Was bedeutet On-Site Logistics für Speditionen?

Für Speditionen mit eigener Kontraktlogistik ist On-Site Logistics eine Möglichkeit, Kunden langfristig zu binden. Das Modell verbindet Lager und Transport: Der Dienstleister im Werk kennt die Versandmengen früh und kann die Verladung mit der Disposition abstimmen. Die Daten laufen dabei zwischen dem ERP-System des Kunden, dem Lagerverwaltungssystem und dem Transportsystem der Spedition. Wie gut diese Schnittstellen funktionieren, entscheidet darüber, ob Versandaufträge vollständig und rechtzeitig beim Transport ankommen.

Häufige Fragen

Was bedeutet On-Site Logistics auf Deutsch?

Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Logistik vor Ort. Gemeint ist Logistik, die ein Dienstleister direkt am Standort seines Kunden erbringt. Im Deutschen werden auch Onsite-Logistik, Werkslogistik und Inhouse-Logistik verwendet.

Ist On-Site Logistics dasselbe wie Intralogistik?

Nein. Intralogistik umfasst Materialfluss und Technik innerhalb eines Standorts, unabhängig davon, wer sie betreibt. On-Site Logistics beschreibt das Modell, bei dem ein externer Dienstleister diese Aufgaben im Werk des Kunden übernimmt.

Wer haftet bei Schäden in der On-Site Logistics?

Die Haftung wird im Vertrag zwischen Kunde und Dienstleister geregelt. Festgelegt werden sollte, wer für Bestände, Inventurdifferenzen und Schäden an Ware, Gebäuden und Anlagen einsteht und in welcher Höhe.

In welchen Branchen gibt es On-Site Logistics?

Das Modell findet sich dort, wo Logistik eng mit der Fertigung verzahnt ist, zum Beispiel in der Automobil- und Zulieferindustrie oder in Chemieparks. Voraussetzung ist ein Mengenvolumen, bei dem sich ein eigener Betrieb des Dienstleisters am Standort lohnt.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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