Logistik lexikon

Redundanz in der Logistik: Arten, Kosten, Nutzen

Redundanz in der Logistik: Arten wie Dual Sourcing, Reservefahrzeuge und IT-Redundanz, Abwägung zwischen Kosten und Resilienz, Praxisbeispiel.

Redundanz bezeichnet in der Logistik das bewusste Vorhalten zusätzlicher Ressourcen, die im Normalbetrieb nicht benötigt werden, bei einer Störung aber den Betrieb sichern. Dazu zählen Ausweichkapazitäten, Mehrfachbezug wie Dual Sourcing, Reservefahrzeuge, Sicherheitsbestände und doppelt ausgelegte IT-Systeme. Redundanz erhöht die Resilienz, verursacht aber laufende Kosten.

Was bedeutet Redundanz in der Logistik?

Redundanz bedeutet allgemein das mehrfache Vorhandensein von Ressourcen, die dieselbe Aufgabe erfüllen können. Fällt eine Ressource aus, übernimmt eine andere. In der Logistik geht es darum, Lieferfähigkeit und Betrieb auch bei Störungen aufrechtzuerhalten, etwa bei einem Fahrzeugausfall, einem Lieferantenausfall oder einem Systemausfall.

Redundanz ist von Resilienz zu unterscheiden. Resilienz ist die Fähigkeit eines Unternehmens oder einer Lieferkette, Störungen zu überstehen und den Normalbetrieb wiederherzustellen. Redundanz ist ein Mittel dazu, neben Flexibilität, also der Fähigkeit, vorhandene Ressourcen kurzfristig umzuplanen. Im Lean Management gelten überflüssige Bestände und ungenutzte Kapazitäten als Verschwendung. Redundanz ist dagegen eine bewusste Reserve für den Störfall.

Welche Arten von Redundanz gibt es?

  • Mehrfachbezug: Beim Dual Sourcing wird ein Material oder eine Leistung von zwei Lieferanten bezogen, beim Multiple Sourcing von mehreren. Das Gegenteil ist Single Sourcing, der Bezug von nur einer Quelle.
  • Ausweichkapazitäten: zusätzliche Frachtführer und Subunternehmer, alternative Lagerflächen, Ausweichrouten oder andere Verkehrsträger.
  • Reservefahrzeuge und Personalreserve: Fahrzeuge und Fahrer, die nicht fest eingeplant sind und bei Ausfällen einspringen.
  • Sicherheitsbestände: Bestände über den erwarteten Bedarf hinaus, die Lieferverzögerungen überbrücken. Sie sind Teil des Bestandsmanagements.
  • IT-Redundanz: Datensicherungen, gespiegelte Server oder Rechenzentren, eine zweite Internetanbindung und Notfallabläufe für den Fall, dass ein System nicht verfügbar ist.
  • Standortredundanz: mehrere Lager oder Umschlagpunkte, die sich gegenseitig vertreten können.

Wie sieht Redundanz im Speditionsalltag aus?

In Speditionen zeigt sich Redundanz vor allem in der Kapazitätsplanung. Fällt ein Fahrzeug aus oder ist ein Fahrer krank, muss die Disposition die Tour trotzdem fahren lassen. Möglich ist das mit eigenen Reservefahrzeugen, mit Partnerunternehmen, die kurzfristig einspringen, oder mit Laderaum vom Spotmarkt.

Auch die IT gehört dazu. Ist das Transport Management System nicht erreichbar, können Aufträge nicht erfasst und Touren nicht geplant werden. Ein Notfallablauf legt fest, wie Ladelisten, Frachtpapiere und Statusmeldungen in dieser Zeit erstellt und später nachgetragen werden.

Auf der Seite der Verlader kann Redundanz bedeuten, dass für dieselbe Relation mehr als eine Spedition beauftragt wird. So bleibt der Verlader lieferfähig, wenn ein Dienstleister ausfällt.

Welche Vorteile und Nachteile hat Redundanz?

Vorteile:

  • Lieferfähigkeit bleibt bei Störungen erhalten.
  • Der Betrieb läuft nach einem Ausfall schneller wieder an.
  • Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten oder Dienstleistern sinkt.

Nachteile:

  • Reserven kosten Geld, auch wenn sie nicht genutzt werden: Kapitalbindung in Beständen, Kosten für Fahrzeuge, Flächen und Systeme.
  • Beim Mehrfachbezug verteilen sich die Mengen, Bündelungseffekte und Mengenrabatte fallen geringer aus.
  • Mehr Partner und Systeme bedeuten mehr Abstimmung und Pflege. Reserven müssen gewartet und getestet werden, sonst funktionieren sie im Ernstfall nicht.

Wie viel Redundanz ist sinnvoll?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Das richtige Maß ergibt sich aus einer Abwägung zwischen den Kosten der Reserve und den Folgen eines Ausfalls. Hilfreich sind drei Fragen:

  1. Welche Ressourcen sind kritisch, weil ihr Ausfall den ganzen Ablauf stoppt?
  2. Wie wahrscheinlich ist ein Ausfall, und wie lange würde er dauern?
  3. Was kostet ein Ausfall, etwa durch Vertragsstrafen, Stillstand beim Kunden oder verlorene Aufträge?

Wer nach dem Prinzip Just-in-Time ohne Puffer arbeitet, ist auf verlässliche Abläufe angewiesen. Hier ist Redundanz bei kritischen Transporten und Lieferanten besonders wichtig.

Beispiel: Redundanz bei zeitkritischen Werksbelieferungen

Eine Spedition beliefert ein Produktionswerk mit festen Anlieferzeitfenstern. Verspätet sich eine Lieferung, steht beim Kunden die Fertigung still. Die Spedition hält deshalb ein Reservefahrzeug vor, hat mit einem Partnerunternehmen vereinbart, dass es bei Bedarf kurzfristig Touren übernimmt, und regelt in einem Notfallablauf, wer wen informiert. Die Kosten dafür fließen in die Kalkulation des Auftrags ein.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Redundanz und Resilienz?

Resilienz ist die Fähigkeit, Störungen zu überstehen und den Normalbetrieb wiederherzustellen. Redundanz ist ein Mittel, um diese Fähigkeit zu erreichen, indem Reserven für den Störfall vorgehalten werden.

Was bedeutet Dual Sourcing?

Dual Sourcing ist der Bezug eines Materials oder einer Leistung von zwei Lieferanten. Fällt einer aus, kann der andere die Versorgung übernehmen. Der Nachteil sind geringere Bündelungseffekte und mehr Abstimmungsaufwand.

Was ist ein Single Point of Failure?

Ein Single Point of Failure ist eine Ressource, deren Ausfall den gesamten Ablauf stoppt, weil es keinen Ersatz gibt. Das kann ein einzelner Lieferant, ein einziges Fahrzeug für eine Spezialtour oder ein IT-System ohne Ausweichlösung sein.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

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