Logistik lexikon

Rollgeld: Entgelt für Vorlauf und Nachlauf

Rollgeld: was das Entgelt für Abholung und Zustellung umfasst, wie es sich von der Fracht abgrenzt und wer es je nach Frankatur bezahlt.

Rollgeld ist das Entgelt für die An- und Abfuhr einer Sendung zwischen Absender oder Empfänger und dem Hauptverkehrsmittel, also für Vorlauf und Nachlauf. Der Begriff stammt aus dem Bahnverkehr, in dem Rollfuhrunternehmer Güter zum Bahnhof brachten und dort abholten. Heute wird er vor allem im Sammelgut- und Stückgutverkehr verwendet.

Was ist Rollgeld?

Rollgeld bezeichnet die Kosten für die Beförderung im Nahbereich vor und nach dem Hauptlauf. Dazu gehören die Abholung beim Versender und die Fahrt zum Güterbahnhof, Flughafen, Hafen oder Umschlaglager des Spediteurs, der Vorlauf. Ebenso gehört dazu die Zustellung vom Ende des Hauptlaufs zum Empfänger, der Nachlauf. Andere Bezeichnungen sind An- und Abfuhrkosten, Abhol- und Zustellkosten oder Vor- und Nachlaufkosten.

Der Name geht auf die Rollfuhr zurück. Fuhrunternehmen brachten Güter mit Fuhrwerken und später mit Lkw zum Güterbahnhof und holten ankommende Sendungen dort ab. Für diese Fahrten erhoben sie das Rollgeld. Der Begriff hat sich auf alle Verkehrsträger übertragen, bei denen ein Hauptlauf von Vor- und Nachlauf auf der Straße ergänzt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Rollgeld und Fracht?

Fracht ist das vereinbarte Entgelt für eine Beförderung. Auch Rollgeld ist rechtlich ein Entgelt für eine Beförderung, die Unterscheidung ist also vor allem eine Frage der Kalkulation und Abrechnung. Im engeren Sinn meint Fracht den Preis für den Hauptlauf, Rollgeld den Preis für die Wege davor und danach. Im Sammelgutverkehr können Speditionen mit ihren Kunden einen Haus-Haus-Preis vereinbaren. Er umfasst Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf, sodass das Rollgeld auf der Rechnung nicht gesondert erscheint. Wird dagegen nur der Hauptlauf angeboten, etwa von Bahnhof zu Bahnhof oder von Flughafen zu Flughafen, kommt das Rollgeld als eigene Position hinzu.

Wie wird Rollgeld berechnet?

Für das Rollgeld gibt es heute keinen einheitlichen Tarif. Früher war es in bahnamtlichen Tarifen geregelt, und auch der Straßengüterverkehr unterlag festen Tarifen, während die Kraftverkehrsordnung (KVO) die Beförderungsbedingungen im Fernverkehr bestimmte. Seit der Aufhebung der Tarifbindung im Güterverkehr Anfang 1994 werden die Preise frei vereinbart. Mögliche Bemessungsgrößen sind:

  • Gewicht oder frachtpflichtiges Gewicht der Sendung
  • Entfernung, etwa in Zonen rund um den Umschlagpunkt
  • Anzahl der Packstücke oder Paletten
  • Zusatzleistungen wie Ladebordwand, Avisierung oder Zustellung zu einem festen Termin

Wer zahlt das Rollgeld?

Wer das Rollgeld trägt, ergibt sich aus den Lieferbedingungen zwischen Verkäufer und Käufer. Bei der Frankatur frei Haus zahlt der Versender alle Kosten bis zum Empfänger und damit auch das Rollgeld für die Zustellung. Bei unfrei oder ab Werk trägt der Empfänger die Beförderungskosten. Wird nur bis zum Bestimmungsbahnhof oder Zielflughafen frei geliefert, zahlt der Versender das Rollgeld für den Vorlauf und der Empfänger das Rollgeld für den Nachlauf. Im internationalen Handel legen die Incoterms fest, wer welche Transportkosten übernimmt.

Beispiel: Rollgeld im Sammelgutverkehr

Ein Hersteller in Mannheim versendet drei Paletten an einen Händler in Hamburg. Der Versandspediteur holt die Paletten am Nachmittag mit einem Nahverkehrsfahrzeug ab und bringt sie in sein Umschlaglager. Nachts fährt die Sendung im Hauptlauf zum Empfangsspediteur in Hamburg. Am nächsten Morgen stellt dieser die Paletten im Rahmen einer Nahverkehrstour zu, die Ablieferung wird auf der Rollkarte quittiert. Der Hersteller erhält einen Haus-Haus-Preis. Die Zustellung in Hamburg rechnet in diesem Fall der Empfangsspediteur mit dem Versandspediteur ab, nicht mit dem Hersteller.

Abholaufträge für den Vorlauf kommen häufig als E-Mail, PDF oder Excel-Liste. Damit Abholadresse, Gewicht und Packstücke korrekt im Speditionsprogramm landen, ist eine saubere Auftragserfassung nötig. GM-DocuStream liest solche Aufträge aus PDF-Anhängen, Excel-Listen und Freitext in E-Mails, gleicht Adressen mit den Stammdaten des TMS ab und übergibt sie nach Prüfung und Freigabe durch den Disponenten an das TMS.

Rechtsgrundlagen

  • § 407 HGB: Frachtvertrag, Pflicht des Absenders zur Zahlung der vereinbarten Fracht

Häufige Fragen

Ist Rollgeld im Haus-Haus-Preis enthalten?

Ja. Ein Haus-Haus-Preis umfasst Abholung, Hauptlauf und Zustellung. Das Rollgeld wird dann nicht gesondert berechnet, solange keine Zusatzleistungen wie eine Terminzustellung vereinbart sind.

Was ist ein Rollfuhrunternehmer?

Ein Rollfuhrunternehmer übernimmt die An- und Abfuhr von Gütern zwischen Kunden und Bahnhof oder Umschlagpunkt. Heute erledigen diese Aufgabe meist Speditionen oder ihre Nahverkehrsunternehmer im Auftrag des Versand- oder Empfangsspediteurs.

Ist Rollgeld umsatzsteuerpflichtig?

Rollgeld ist ein Entgelt für eine Beförderungsleistung und wird umsatzsteuerlich wie andere Transportleistungen behandelt. Ob Umsatzsteuer anfällt, hängt deshalb von Ort und Art der Leistung ab, etwa ob die Beförderung im Inland oder grenzüberschreitend erfolgt.

Herausgeber: MHV Systems GmbH · Walldorf

Verwandte Begriffe

GM-DocuStream

Transportaufträge aus E-Mails automatisch ins TMS übernehmen

GM-DocuStream liest Auftragsmails, PDF-Anhänge und Excel-Listen aus, prüft sie gegen Ihre Stammdaten und übergibt den Auftrag nach der Freigabe an Ihr Speditionsprogramm.